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FCE-Sehnsucht nach weiteren Fußballfesten

"Wenn man es schafft aufzusteigen, könnte man mittelfristig auch noch mal das Ziel 2. Liga anpeilen", sagt Claus-Dieter Wollitz.
"Wenn man es schafft aufzusteigen, könnte man mittelfristig auch noch mal das Ziel 2. Liga anpeilen", sagt Claus-Dieter Wollitz. FOTO: Beyer
Cottbus. Das Pokalspiel von Energie Cottbus gegen den VfB Stuttgart zeigt: Die Lausitz ist heiß auf die Rückkehr ins Profigeschäft. Frank Noack

Auf diesen Anblick hat die Lausitz lange warten müssen: Das Stadion der Freundschaft wird beim Pokalspiel des FC Energie Cottbus gegen den VfB Stuttgart am Sonntagabend so gut gefüllt sein wie schon lange nicht mehr. Aufgrund von Sicherheitsvorkehrungen hat sich die Kapazität der Arena zwar auf 19 000 Zuschauer reduziert - aber diese Tickets waren im Vorfeld der Erstrunden-Partie gegen Stuttgart heiß begehrt. Sitzplatzkarten sind sogar schon seit Tagen ausverkauft. Die Botschaft des Tages lautet: Nach Jahren der Tristesse und diversen Abstiegen hat die Lausitz wieder richtig Lust auf solche Fußballfeste wie am Sonntag gegen den Bundesliga-Aufsteiger aus dem Schwabenland.

Auch FCE-Trainer Claus-Dieter Wollitz spürt die Sehnsucht nach der Rückkehr ins Profigeschäft. "Die Sehnsucht ist da, eine solche Atmosphäre in den nächsten Monaten und Jahren wieder öfters erleben zu können", betont Wollitz.

Denn Fußball-Feiertage wie das Pokalspiel gegen den VfB Stuttgart sind gleichzeitig eine schmerzhafte Erinnerung daran, wie weit sich der Verein in den vergangenen Jahren von seinen einstigen Glanzzeiten in der Bundesliga entfernt hat. Innerhalb von nur sieben Jahren von der 1. in die 4. Liga - davon muss man sich erstmal erholen.

Die Zeiten, in denen Cottbus und Stuttgart wie 1997 gemeinsam im DFB-Pokalfinale im Berliner Olympiastadion waren oder sich dann später in der Bundesliga gegenüberstanden, sind mittlerweile in weitere Ferne gerückt. Dabei ist die Historie beider Vereine nicht nur wegen des 97er-Endspiel-Duells in Berlin eng miteinander verknüpft. In der Saison 2002/03 leistete der FC Energie trotz des bereits feststehenden Abstieges den Stuttgartern am letzten Spieltag Schützenhilfe durch ein 1:1-Remis bei Borussia Dortmund. Der VfB schaffte deswegen den Sprung auf Platz zwei und damit die direkte Qualifikation für die Champions League. 2007 machte Stuttgart am letzten Spieltag mit einem 2:1-Heimsieg gegen Cottbus die erste und bis heute letzte Meisterschaft seit 1992 perfekt. Die Tore für die Gastgeber schossen Thomas Hitzlsperger und Sami Khedira. Energie war durch Sergiu Radu in Führung gegangen.

In der viertklassigen Regionalliga Nordost heißen die Gegner jetzt TSG Neustrelitz, Chemie Leipzig und Budissa Bautzen. Der Aufstieg in die 3. Liga ist das erklärte Ziel. Nach drei Spieltagen liegt Energie mit neun Punkten auf dem 1. Platz und spielt einen erfrischenden Offensiv-Fußball mit vielen Toren.

Dieser unübersehbare Aufwärtstrend hat die aktuelle Euphorie rund um den Verein beflügelt . Dass die Fans vor einem Heimspiel wie jetzt gegen Stuttgart angehalten werden mussten, pünktlich ins Stadion zu kommen, um den Ansturm bewältigen zu können - das hat es in Cottbus schon lange nicht mehr gegeben. Der gesperrte Stadtring, Staus bei der Anfahrt auf die Parkplätze im Süden der Stadt und Hunderte bestens gelaunte Anhänger, die schon am Sonntagnachmittag in Richtung Stadion pilgerten, waren die untrüglichen Vorboten für ein rot-weißes Fußballfest an der Spree.

Und auch im Stadion war dieses ganz besondere Prickeln zu spüren. Anderthalb Stunden vor dem Spiel wurden die Spieler beim ersten Betreten des Rasens mit viel Beifall begrüßt. Trainer Wollitz hatte seine Mannschaft auf einen "Hexen kessel" eingestimmt: "Die Spieler werden schon bei der Erwärmung eine Gänsehaut bekommen. Eine gefüllte Nordwand ist etwas Besonderes, etwas Außergewöhnliches, etwas Faszinierendes."

Diese Faszination will Wollitz, will die Mannschaft und wollen natürlich auch die Fans in Zukunft wieder öfter erleben - nicht nur an Feiertagen wie dem DFB-Pokal. Auf die Frage der Deutschen Presse-Agentur, ob er sich lieber den Aufstieg oder wie vor 20 Jahren das Pokalfinale wünschen würde, gab Wollitz schon vor dem Spiel eine eindeutige Antwort: "Da sage ich ganz ehrlich: Aufstieg. Ein Pokalfinale würde dem Verein auch wirtschaftlich über Jahre unfassbaren Rückenwind geben. Aber ich hätte lieber den Aufstieg. Wenn man es schafft aufzusteigen, könnte man mittelfristig auch noch mal das Ziel 2. Liga anpeilen."