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| 06:24 Uhr

Retterspiel für Energie Cottbus
FCE gegen Dortmund: Lausitzer Fußball-Fest mit offenen Karten

 Kartenset
Kartenset FOTO: LR / Schubert
Cottbus. Cottbus gegen Dortmund – das ist am Freitag ein Spiel zweier Fußball-Welten. Dennoch gibt es gute Verbindungen zwischen den Clubs. Von Jan Lehmann und Frank Noack

Zum Aufwärmen gibt es ein kleines Quiz: Kennen sie Mateusz Protasewicz? Weil die meisten bei diesem Namen wohl erstmal in diversen Fußball-Archiven kramen müssen, beschäftigen wir uns derweil mit dem Benefizspiel am Freitag im Stadion der Freundschaft: Wenn Energie Cottbus um 17 Uhr gegen den deutschen Vizemeister Borussia Dortmund antritt, trennen beide Clubs fußballerische Welten.

Der BVB nutzt die Länderspiel-Pause, um sich für den anstehenden Champions-League-Kracher gegen Barcelona vorzubereiten. Und für Energie geht es nach diesem Leckerbissen gegen Weltmeister wie Mario Götze und Mats Hummels am Sonntag mit dem Landespokal-Spiel gegen Siebtligist Phönix Wildau und danach in der Regionalliga Nordost gegen den ZFC Meuselwitz mit sportlicher Hausmannskost weiter.

Cottbus gegen Dortmund: In der Vergangenheit viele Transfers

Das klingt nach zwei verschiedenen Fußball-Universen. Und dennoch, aus der Vergangenheit weiß man: Der Weg von Cottbus nach Dortmund ist gar nicht so weit weg, wie man beim Barcelona-Meuselwitz-Dilemma vermuten mag. Jedenfalls haben ihn in der Vergangenheit etliche Fußball-Profis bewältigt – und er war keinesfalls eine Einbahnstraße. Cottbuser wie Leonardo Bittencourt wechselten direkt von Energie zum BVB, oder kamen wie Maximilian Philipp über den Umweg Freiburg nach Dortmund. Im Gegenzug hatte Energie in der Saison 2012/13 mit Spielern wie Markus Brzenska, Marc Kruska, Marco Stiepermann und Uwe Hünemeier zeitweise gleich eine ganze BVB-Enklave in der Lausitz etabliert.

Cottbus gegen Dortmund: Gute Beziehungen

Man kennt sich also: Es ist ein Retterspiel mit offenen Karten. Die Verantwortlichen beider Clubs hegten gute Beziehungen zueinander, besonders eng soll der Draht zwischen BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und dem einstigen Energie-Präsidenten Ulrich Lepsch gewesen sein. Auch Trainer Claus-Dieter Wollitz, der in seiner ersten Amtszeit die Dortmunder Brzenska und Kruska als neue Führungsspieler für den nötigen Umbruch nach Cottbus holte, hatte nach Dortmund immer einen guten Draht. Nun sagt er vor der Partie mit fast ausverkauftem Haus: „Wichtig ist, dass wir ein schönes Fußballfest feiern.“

Als Cottbus und Dortmund einst noch in der Bundesliga gegeneinander antraten, waren die Erwartungen ganz andere: „Wir sind auf ein Kampfspiel eingerichtet”, sagte der damalige BVB-Kapitän und heutige Sportchef Sebastian Kehl  im Februar 2009 vor dem bis heute letzten Pflichtspiel. Energie holte damals im Westfalenstadion ein 1:1 – konnte in jenem Frühjahr aber den Abstieg nicht mehr verhindern.

Cottbus gegen Dortmund: Die Schere geht auseinander

Danach vergrößerte sich der Abstand von Jahr zu Jahr – die Verbindungen blieben aber intakt. Wohl auch deshalb entschieden die Dortmunder kurzerhand, zum Retterspiel nach Cottbus zu kommen, nachdem man bei der Borussia vom fiktiven Cottbuser Benefizspiel gegen „die fußballerische Bedeutungslosigkeit“ gehört hatte.

Energie-Kapitän Dimitar Rangelov hatte die Reise aus der Lausitz ins Ruhrgebiet sogar mit Hin- und Rückfahrt gebucht. Er empfahl sich 2009 mit starken Leistungen im Energie-Trikot für einen Wechsel zu Jürgen Klopp. 2011 kehrte er nach Cottbus zurück, um nach mehreren Auslandsstationen 2018 erneut das FCE-Trikot überzuziehen.

Cottbus gegen Dortmund: schwarz-rot-gelb-weiße Vergangenheit

Doch es haben weitere Spieler eine schwarz-rot-gelb-weiße Vergangenheit: Ahmed Madouni, Paterson Chato, Sven Michel, Ringo Herrig und – man konnte es ahnen – auch eben unser Quiz-Mann Mateusz Protasewicz. Der Pole spielte einst in der Jugend der Borussia und absolvierte zwischen 2010 und 2012 auch 22 Spiele für die Cottbuser A-Junioren sowie die zweite Mannschaft. Das ist natürlich absolutes Insiderwissen – René Stiller vom Energie-Museum konnte damit dienen. Der Vereinschronist verdeutlicht: „Beide Clubs sind in ihren Regionen Aushängeschilder und geben den Menschen dort Hoffnung. Zudem haben sowohl Dortmund als auch Cottbus einen Revierbezug, der vom Abbau der Kohle herrührt und den Menschen über Jahrzehnte ihre Identität gab.“

Und die beiden Fußballvereine verstärken diese Identitäten – mit Publikumslieblingen wie Dimitar Rangelov oder Uwe Hünemeier, und eben auch jenen, die den Durchbruch nicht geschafft haben. Wie Mateusz Protasewicz. Die Spur des Linksverteidigers verliert sich 2103 irgendwo im bulgarischen Fußball. Seitdem ist er vereinslos, und bleibt dennoch Teil der bewegten Vergangenheit von Energie Cottbus und Borussia Dortmund.

 Uwe Hünemeier, Marco Stiepermann, Marco Brzenska und Marc Andre Kruska (v.l.) bildeten in der Saison 2012/13 eine BVB-Enklave in Cottbus.
Uwe Hünemeier, Marco Stiepermann, Marco Brzenska und Marc Andre Kruska (v.l.) bildeten in der Saison 2012/13 eine BVB-Enklave in Cottbus. FOTO: Peter Aswendt
 Februar 2009: Im letzten Bundesliga-Spiel zwischen Dortmund und Cottbus gibt es ein 1:1-Remis. Cagdas Atan attackiert Sebastian Kehl.
Februar 2009: Im letzten Bundesliga-Spiel zwischen Dortmund und Cottbus gibt es ein 1:1-Remis. Cagdas Atan attackiert Sebastian Kehl. FOTO: picture-alliance/ dpa / Achim Scheidemann
 Februar 2009: Im letzten Bundesliga-Spiel zwischen Dortmund und Cottbus gibt es ein 1:1-Remis. Cagdas Atan attackiert Sebastian Kehl.
Februar 2009: Im letzten Bundesliga-Spiel zwischen Dortmund und Cottbus gibt es ein 1:1-Remis. Cagdas Atan attackiert Sebastian Kehl. FOTO: picture-alliance/ dpa / Achim Scheidemann