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FCE bereit für Gang durch alle Instanzen

Die eklatanten Ausschreitungen beim Energie-Spiel in Babelsberg sowie weitere Zuschauerverfehlungen der Cottbuser in Bautzen, Leipzig und Meuselwitz waren Grundlage für die harte Strafe des NOFV-Sportgerichts.
Die eklatanten Ausschreitungen beim Energie-Spiel in Babelsberg sowie weitere Zuschauerverfehlungen der Cottbuser in Bautzen, Leipzig und Meuselwitz waren Grundlage für die harte Strafe des NOFV-Sportgerichts. FOTO: Imago/img1
Cottbus. Die Reaktion kam mit Verspätung, aber sie war deutlich. Erst nach der Präsidiumssitzung des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) wollte sich NOFV-Geschäftsführer Holger Fuchs zur Kampfansage aus der Lausitz äußern. Jan Lehmann

Der FC Energie Cottbus hatte sich vehement über ein Urteil des NOFV-Sportgerichts beschwert und will notfalls zivilgerichtlich dagegen vorgehen.

Nach Zuschauerverfehlungen hatte der Verband den Verein mit 16 000 Euro Strafgeld und einem Geisterspiel belegt. Das will man beim Regionalligisten nicht hinnehmen. Präsident Michael Wahlich betonte am Freitag gegenüber der RUNDSCHAU: "So ein Urteil ist eine Farce, weil es die Vereine noch mehr schwächt, anstatt sie bei der Bewältigung der gesellschaftlichen Probleme zu unterstützen. Damit muss Schluss sein. Wir werden durch alle Instanzen gehen."

Doch können die Lausitzer zivilgerichtlich erfolgreich sein? Es gibt zwei prominente Beispiele: Der einstige Drittligist SV Wilhelmshaven hatte sich 2016 vorm Bundesgerichtshof (BGH) gegen Fifa und DFB durchgesetzt. Es ging um einen Zwangsabstieg - beschlossen vom Norddeutschen Fußballverband. Der Internationale Sportgerichtshof CAS hatte diesen Abstieg bestätigt, der BGH dieses Urteil dann aber revidiert.

Weniger Erfolg hat bisher allerdings Olympiasiegerin Claudia Pechstein, die nach einer erwiesenermaßen ungerechtfertigten Dopingsperre Schadensersatz vom Eisschnellauf-Weltverband ISU fordert. Der Sportgerichtshof CAS wies die Forderung ab, Pechstein bekam jedoch in den ersten beiden zivilrechtlichen Instanzen recht.

Der BGH urteilte im Juni 2016 aber in einer Berufungsverhandlung, dass der CAS ein echtes Schiedsgericht sei und sich Pechstein dessen Regeln unterworfen habe. Der Fall liegt vorm Bundesverfassungsgericht, die 45-Jährige will notfalls vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen. Ihr Berliner Anwalt Simon Bergmann macht auch dem FC Energie Mut. Er sagt im RUNDSCHAU-Interview: "Es ist dem Verein durchaus der Gang vors Zivilgericht anzuraten."

Und was sagt nun der NOFV dazu? Geschäftsführer Holger Fuchs erklärte am Freitagabend: "Wir werden uns zu diesem Fall nicht äußern, weil es ein schwebendes Verfahren ist. Deswegen haben wir das auch innerhalb des Präsidiums nicht thematisiert." Einen Zweifel an der Sportgerichtsbarkeit hat er nicht. Er betont: "Unsere Richter müssen geltendes Recht umsetzen." Und dass künftig Zivilgerichte in deren Urteile eingreifen, kann sich Fuchs nicht vorstellen. Er sagt klipp und klar: "Bisher ist das bei uns beim NOFV noch nicht vorgekommen. Wir haben auch extra ein Schiedsgericht für die Regionalliga. Deswegen gehe ich auch fest davon aus, dass so etwas bei uns auch in Zukunft nicht passieren wird."

Trotz des schwebenden Verfahrens ist das eine deutliche Reaktion auf die Cottbuser Kampfansage.