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FC Energie setzt sich zur Wehr gegen drastisches Urteil

FCE-Präsident Michael Wahlich
FCE-Präsident Michael Wahlich FOTO: Beyer
Cottbus. Nach dem Schock über das drastische Urteil des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV) tritt Energie Cottbus nun die Flucht nach vorn an: Der Fußball-Regionalligist setzt sich zur Wehr gegen die Strafzahlung in Höhe von 16 000 Euro sowie das "Geisterspiel" am Anfang der neuen Saison wegen des kriminellen Verhaltens von Teilen der Energie-Anhänger. Frank Noack

Präsident Michael Wahlich bezeichnet das Urteil als "absolute Katastrophe" und ist geschockt: "Wir haben ja mit vielem gerechnet, aber mit diesem Urteil ohne Sinn, ohne Unterstützung in unserem Bestreben gegen Störer und vor allem mit der Generalaburteilung unserer gesamten Anhängerschaft war nicht zu rechnen." Deshalb hat der Verein am Donnerstag angekündigt, Berufung gegen das NOFV-Urteil einzulegen. Und er hat gleichzeitig auch den Gang vor ein Zivilgericht ausdrücklich nicht ausgeschlossen, was einer Kampfansage gleichkommt. Denn traditionell beanspruchen die Verbände die Rechtsprechungshoheit über ihren Spielbetrieb.

Doch es hat gute Gründe, dass Energie Cottbus die Flucht nach vorn antritt. Denn für den Verein steht eine Menge auf dem Spiel. Die Verfehlungen von Teilen der Cottbuser Anhänger bei den Partien in Meuselwitz (Beschädigung Treppen- und Zaunanlage), Leipzig (Feuerzeugwurf) und Bautzen (Pyrotechnik) ahndete das Sportgericht mit einer Gesamt-Strafe von 6000 Euro. Für die Geschehnisse beim Auswärtsspiel in Babelsberg wurde der Verein zu einer Geldstrafe in Höhe von 10 000 Euro verurteilt. Zudem soll das erste Heimspiel der Regionalliga-Saison 2017/2018 nach Rechtskraft des Urteils unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Vor allem die Ereignisse am 28. April in Babelsberg haben zu der harten Strafe geführt. Damals wurde in beiden Fan-Blöcken Pyrotechnik gezündet, Vermummte stürmten aus dem Gäste-Block auf den Rasen und brachten zwei Mal die Partie an den Rand des Abbruchs. Erst nach einem massiven Einsatz der Polizei bekam man die Lage wieder in den Griff.

Insgesamt, so rechnet der Verein vor, würden sich die finanziellen Verluste durch die Strafgelder sowie die zu erwartenden Umsatzeinbußen bei einem Heimspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit im sechsstelligen Bereich bewegen.

Vor allem aber setzt sich Energie Cottbus zur Wehr, weil der Verein seine getroffenen Sicherheitsmaßnahmen, Initiativen und bereits geleisteten Zusatzausgaben nicht ausreichend berücksichtigt sieht. "Wir haben alles in unserer Macht stehende getan, um solche Dinge zu verhindern. Wir geben jährlich sechsstellige Beträge für Sicherheitsmaßnahmen aus. Wir positionieren uns klar gegen Rechtsextremismus und haben Anhänger, die sich diesen Störern beim Spiel in Bautzen in den Weg gestellt haben", erklärte er weiter. Die Fans, die Zivilcourage gezeigt hätten, "werden ausgesperrt", beklagte er. Bei diesem Auswärtsspiel hatten Fans eine Blockfahne heruntergeholt, um die Identifizierung der Krawallmacher zu ermöglichen.

Unter Wahlich, der nach dem Abstieg in die Regionalliga das Amt übernahm, fährt der Verein einen konsequenten Kurs gegen die Störer in den eigenen Reihen. Das drastische Urteil des NOFV ist ein Rückschlag für den FCE auf diesem Weg. Neben den finanziellen Folgen befürchtet der Präsident auch eine fatale Signalwirkung, weil Zivilcourage seiner Meinung nach nicht ausreichend gewürdigt wird. Das Urteil werde als "Feiertag für alle Störer, Rechtsextreme und Krawallmacher in ihre Geschichtsbücher eingehen", so Wahlich. "Eines ist ganz klar - nach diesem Urteil wird sich niemand mehr im Block aus der Anhängerschaft den Störern in den Weg stellen, und ich kann das verstehen."