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Es wird heller im Keller

Jörg Böhme hat mit Energie bisher aus drei Spielen sechs Punkte geholt.
Jörg Böhme hat mit Energie bisher aus drei Spielen sechs Punkte geholt. FOTO: Koch/mkc1
Cottbus. Kaum zu glauben: Wenn alles perfekt läuft, könnte Energie Cottbus am Mittwoch im Heimspiel gegen 1860 München die rote Laterne der 2. Liga abgeben. Das wäre ein echter Lichtblick nach dunklen Monaten auf dem letzten Platz. Doch dafür müssen die Lausitzer erst mal am Sonntag in Bielefeld (13.30 Uhr) gewinnen. Ausgerechnet in Bielefeld, der zweiten Heimat von Trainer Böhme. Jan Lehmann und Frank Noack

Keine Sorge, das wird kein Text, bei dem man mit den Tränen kämpfen und das Taschentuch zücken muss: Dabei hätte die Rückkehr von FCE-Trainer Jörg Böhme zu seinem langjährigen Stammverein Arminia Bielefeld durchaus Potenzial für ein Rührstück. Doch der Energie-Trainer ist kein Mann für Gefühlsduseleien dieser Art: Ob in Bielefeld oder anderswo - das sei ihm egal. Das jedenfalls erklärt Böhme am Freitag noch einmal mit Nachdruck. Er betont: "Wir wollen uns, egal wo, so teuer wie möglich verkaufen."

Kein Wort lässt sich der 40-Jährige zu den Gefühlen entlocken, die bei ihm die Rückkehr auf die Bielefelder Alm, seinem "Wohnzimmer" wie er das Sta dion nennt, auslöst. Nichts darüber, dass er dort 1999 mit der Arminia den Erstliga-Aufstieg feierte, Publikumsliebling war und seine Trainerkarriere begann. Ob es ihm wehtun würde, ausgerechnet in Bielefeld zu gewinnen und damit die Arminia noch tiefer in den Abstiegskeller zu stoßen, wird der Coach gefragt. Und antwortet knapp: "Gar nicht!"

Es sagt viel über den Trainer aus, dass er sich in Zeiten, in denen es bei den Profis als schick gilt, aus vermeintlichem Respekt vor ihren Ex-Clubs nach einem Tor nicht zu jubeln, so gnadenlos gibt: Auch bei seiner täglichen Arbeit macht er sich keinesfalls der Gefühlsduselei verdächtig.

Die Profis mussten zuletzt trotz des jüngsten Aufwärtstrends einige ziemlich heftige Konditionseinheiten abliefern. Bei der Kaderzusammenstellung schreckt Böhme nicht vor Entscheidungen mit Konfliktpotenzial zurück. Und während der Spiele beweist er Mut mit den Einwechslungen.

Mit Erfolg, denn für Energie wird es derzeit im Tabellenkeller mit jedem Spieltag etwas heller. Und auch wenn es weiterhin ein Wunder wäre - der Klassenerhalt über den Umweg Relegation ist zumindest wieder vorstellbar. Und sollte Energie das tatsächlich schaffen, wäre das dann doch noch ein Fall fürs Taschentuch. Ein Rührstück, das selbst Jörg Böhme gefallen dürfte.

Zum Thema:
Die zuletzt angeschlagenen Boubacar Sanogo, Ahmed Madouni und Uwe Möhrle waren am Freitag beim Training dabei. Alle drei Profis sind einsatzbereit. Michael Schulze (Fersenverletzung) sowie Julian Börner (Muskelverhärtung) fehlen indes.