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| 12:00 Uhr

Fußball
Enttäuschung bei Energie: „Du kriegst, was du verdienst“

Energie Cottbus - SV Meppen FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Schon wieder ein spätes Gegentor! Die Enttäuschung bei Energie Cottbus nach dem 1:1 (1:0) gegen den SV Meppen sitzt tief. Dabei ist die bisherige Bilanz des Aufsteigers gut - sie hätte aber besser sein können. Doch dafür gibt es Gründe. Von Frank Noack und Jan Lehmann

Am Ende weinte sogar der Himmel über dem Stadion der Freundschaft – und das kommt in diesen Tagen in der Lausitz bekanntlich ziemlich selten vor. Der Regen dürfte so manche Träne auf den Rängen und auch auf den Rasen überdeckt haben.

Denn Energie Cottbus kassierte beim 1:1 (1:0) gegen den SV Meppen zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage einen Last-Minute-Ausgleichstreffer. Am Montag im DFB-Pokal erzwang Mike Frantz mit seinem Tor in der 90. Minute doch noch die Verlängerung für den späteren Sieger SC Freiburg. Am Samstag war es sogar die 93. Minute, als der Meppener Nico Granatowski die Cottbuser Sieghoffnungen zerplatzen ließ und der Regen über dem Stadion der Freundschaft den passenden Rahmen für die erneute Schockstarre beim Aufsteiger in die 3. Liga abgab.

Trainer Claus-Dieter Wollitz holte danach das verbale Skalpell hervor und sezierte den Last-Minute-Ausgleichstreffer mit fast schon schmerzhafter Nüchternheit. „Das ist Profifußball! Im Profifußball kriegst du am Ende das, was du verdient hast“, erklärte Wollitz. „Wenn du vor dem 1:1 den Ball am Strafraum nicht besser klärst, dann wirst du halt dafür bestraft.“

Der FCE-Coach meinte damit jene Szene in der 93. Minute, als der eingewechselte Felix Geisler nach der Meppener Ecke beim Abwehrversuch ein Luftloch fabrizierte und damit die entscheidende Flanke der Gäste aus dem Emsland ermöglichte. Für den Youngster wurde es deshalb ein ganz bitterer Tag. Am ARD-Mikrofon übte Wollitz deutliche Kritik: „Wenn Energie Cottbus weiter in der Liga bleiben möchte, dann muss jeder Spieler verantwortungsvoller mit der Situation umgehen, als heute damit umgegangen worden ist, speziell in der Nachspielzeit.“

Statt mit etwas Glück den knappen Vorsprung über die Zeit zu retten, nahm die Partie zum Leidwesen der Gastgeber dann doch einen leistungsgerechten Ausgang. Denn vor 6079 Zuschauern ging der FCE zwar durch einen Foulstrafstoß von Fabio Viteritti bereits nach 14 Minuten in Führung. Danach spielte aber vor allem Meppen. „Wir hatten eine sehr gute Spielanlage mit viel Ballbesitz. Wir haben wenig zugelassen. Bei unseren Tormöglichkeiten hat uns lange Zeit das Glück gefehlt. Ich bin froh, dass wir uns am Ende belohnt haben“, bilanzierte SVM-Trainer Christian Neidhart.

Energie Cottbus hing dagegen sowohl mental auch körperlich das bittere Pokal-Aus gegen Freiburg in den Kleidern. Anders ist es nicht zu erklären, dass die Mannschaft trotz des frühen 1:0-Treffers nie wirklich auf Touren kam. „Wir haben nicht gut gegen den Ball gearbeitet. Und wenn wir die Möglichkeiten für Konter hatten, dann haben wir keine Sprints angesetzt, um diese Räume zu belaufen. Das ist dann am Ende auch nicht ausreichend, um so ein Spiel zu gewinnen“, konstatierte Wollitz.

Zwischen dem Tor von Viteritti und dem Last-Minute-Ausgleich durch Granatowski lagen einige umstrittenen Entscheidungen von Schiedsrichter Michael Bacher aus Amerang-Kirchensur. In der 55. Minute ließ der Schiri weiterlaufen, obwohl der Schuss von Granatowski von der Lattenunterkante abprallte und dann deutlich sichtbar hinter der Torlinie aufschlug – in dieser Szene hatte Energie großes Glück. In der 59. Minute erzielte Streli Mamba scheinbar das 2:0. Es wäre wohl die Vorentscheidung in dieser Partie gewesen. Der Schiri entschied jedoch auf Abseits. Es war eine hauchdünne Entscheidung – diesmal hatte Energie also Pech. „So geht es mit der knappen Führung in die Nachspielzeit und dann wird es ganz bitter“, fasste Verteidiger Lasse Schlüter mit Blick auf den späten Ausgleich die allgemeine Enttäuschung zusammen.

Wie bitter dieser Ausgleich ist, zeigt auch der Blick auf die Tabelle. Denn dort stand Energie zwischenzeitlich sogar auf Rang eins. Das Last-Minute-Tor von Granatowski vermasselte nicht nur den Dreier, sondern ließ den Aufsteiger auch um einige Ränge abrutschen. Keine Frage: Acht Punkte aus fünf Partien sind zwar immer noch eine ordentliche Ausbeute – aber es war eben mehr drin. „Zehn Punkte nach fünf Spielen – das wäre ein richtig gutes Polster gewesen. So gehen wir wieder enttäuscht nach Hause“, erklärte Trainer Wollitz. Zumal jetzt das schwere Auswärtsspiel bei 1860 München folgt (Freitag, 19 Uhr). Der Mitaufsteiger setzte sich 4:1 beim VfR Aalen durch.

Kapitän Marc Stein zog eine gemischte Bilanz. „Wir haben acht Punkte aus fünf Spielen – wenn uns das vorher jemand gesagt hätte, hätten wir das unterschrieben“, meinte der Innenverteidiger. Er warnte jedoch auch: „Wir müssen sehen, dass wir in der Mannschaft eine Entwicklung hinbekommen. Sonst wird es eng und enger.“

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Energie Cottbus - SV Meppen FOTO: Steffen Beyer