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| 17:39 Uhr

Fußball
Engel will als Trümmerfrau mit Energie anpacken

Anne Engel: „Das Image des FLB ist stark angeschlagen.“
Anne Engel: „Das Image des FLB ist stark angeschlagen.“ FOTO: imago/Steffen Beyer / Steffen Beyer
Cottbus. Die FLB-Geschäftsführerin räumt Fehler ein und kündigt Änderungen beim Landesverband an – auch im Verhältnis zum FC Energie. Von Frank Noack und Jan Lehmann

Drei Kilometer Luftlinie sind es zwischen dem Stadion der Freundschaft von Energie Cottbus und dem Sitz des Fußball-Landesverbandes Brandenburg (FLB) im Süden der Stadt. Gefühlt haben sich der Topverein des Landes und der Verband allerdings so weit voneinander entfernt wie noch nie seit Gründung des FLB am 28. Juli 1990. Damals hatten die 54 Delegierten der Bezirksfachverbände Cottbus, Frankfurt/Oder und Potsdam Siegfried Kirschen zum ersten Präsidenten jenes Verbandes gewählt, der eigentlich die Interessen der Clubs und Vereine vertreten soll.

Zum Beispiel die Interessen von Energie Cottbus. Zuletzt haben beide Seiten aber mehr übereinander statt miteinander geredet. Jüngster Streitpunkt ist das bevorstehende Pokalfinale zwischen dem SV Babelsberg und Energie Cottbus am Pfingstmontag im Potsdamer Karl-Liebknecht-Stadion. Der FCE hätte gern schon in dieser Woche gespielt, weil am 24. und 27. Mai die beiden Partien um den Aufstieg in die 3. Liga auf dem Programm stehen. Dazu kommt: Statt um 12.30 Uhr oder 14.30 Uhr findet das Endspiel gegen Babelsberg um 17 Uhr und damit zum letztmöglichen Anstoßzeitpunkt im Rahmen des Finaltages der Amateure statt. Im Stadion der Freundschaft hat man das als neuerlichen Affront empfunden, weil damit die Regenerationszeit vor den Aufstiegsspielen weiter verkürzt wird.

Gelitten hat durch diese Querelen auch das Ansehen des Landesverbandes, räumt die neue Geschäftsführerin Anne Engel ein. „Das Image des FLB ist stark angeschlagen. Da gilt es natürlich, in der Außendarstellung definitiv wieder ein besseres Image zu schaffen“, kündigt Engel im Gespräch mit der Lausitzer Rundschau und Radio Eins an.

Die 32-jährige Ex-Fußballerin – unter anderem spielte sie für Energie Cottbus, Turbine Potsdam und den 1. FFC Frankfurt – ist seit 1. April als Nachfolgerin des langjährigen Geschäftsführers Michael Hillmann im Amt. Sie tritt alles andere als ein einfaches Erbe an. Denn als eine ihrer ersten Amtshandlungen musste sie den heftigen Streit um den Endspiel-Termin moderieren. Ausgerechnet die gebürtige Cottbuserin fand sich  plötzlich auf dem Schlachtfeld zwischen dem wichtigsten Verein der Stadt und dem ebenfalls hier ansässigen Landesverband wieder.

Engel ist deshalb nicht nur Geschäftsführerin, sondern quasi auch Trümmerfrau beim FLB. Einen ersten Versuch, die Trümmerbeseitigung anzupacken, unternahm sie bei der gemeinsamen Sendung von Radio Eins und Lausitzer Rundschau in dieser Woche aus dem VIP-Raum im Stadion der Freundschaft.  „Im Prinzip interessiert mich das, was in der Vergangenheit war, relativ wenig. Für mich ist interessant: Wie kommen wir in der Zukunft voran“, betont Engel und kündigt an: „Es wird beim FLB personelle Veränderungen geben. Ich kann wirklich sagen, dass ich zu 100 Prozent daran glaube, dass es eine andere Vorgehensweise gegenüber den Vereinen und insbesondere Energie Cottbus geben wird.“ Der Verband werde „in Zukunft eine völlig andere Schiene fahren“, stellt die neue Geschäftsführerin in Aussicht.

Die personellen Veränderungen beginnen nicht irgendwo, sondern ganz oben in der Verbandsspitze. Nach 28 Jahren im Amt wird Siegfried Kirschen bei der diesjährigen Vorstandswahl nicht mehr als Präsident kandidieren. Es gibt nicht wenige Beobachter, die der Überzeugung sind, dass sich mit dem ­Rückzug des ehemaligen Top-Schiedsrichters aus der FLB-Spitze auch das Verhältnis zu Energie Cottbus entkrampfen wird. Vor allem Trainer Claus-Dieter Wollitz und Kirschen fanden nie einen Draht zueinander. Man darf gespannt sein, wie sich beide  am Montag beim Pokalfinale gegenübertreten werden.

Anne Engel will die bevorstehende Umstrukturierung aber nicht an der Person von Präsident Kirschen festmachen. „Es wird sich nicht nur mit seiner personellen Veränderung etwas ändern. Es ist ja auch der Geschäftsführerposten neu besetzt worden und auch das Präsidium wird sich zum Teil ändern“, sagt sie. „Ich glaube einfach: Die Personen, die da nachrücken, werden anders und effektiver mit den Vereinen reden – und nicht einfach entscheiden oder Dinge voranbringen, die nicht im Interesse von Verband oder Vereinen sind.“

Das hört sich gut an – fanden zumindest die Zuhörer der Radiosendung im Energie-VIP-Raum. Es gab viel Beifall für die klare und ehr­liche Position, die natürlich auch bei den Verantwortlichen von Energie Cottbus mit Interesse registriert worden ist. Präsident Michael Wahlich reichte Anne Engel die Hand, Trainer ­Wollitz zog symbolisch den Hut vor der neuen FLB-Geschäfts­führerin. Was wohl so viel bedeuten sollte wie: Lasst uns die Trümmer jetzt gemeinsam wegräumen!