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| 18:26 Uhr

Cottbuser Torwartlegende Piplica wird 50
„In Cottbus haben sie meine Nummer gelöscht“

 Der Blick zurück ist wehmütig, aber ohne Groll. An seinem 50. Geburtstag denkt Tomislav Piplica an seine Zeit bei Energie Cottbus zurück.
Der Blick zurück ist wehmütig, aber ohne Groll. An seinem 50. Geburtstag denkt Tomislav Piplica an seine Zeit bei Energie Cottbus zurück. FOTO: imago/Karina Hessland / KH
Cottbus. Sretan rodendan, Tomislav Piplica! Oder auch: Alles Gute zum Geburtstag! Der einstige Kulttorhüter von Energie wird 50 Jahre alt. Er verrät, was er zehn Jahre nach dem Abschied aus Cottbus über den FCE denkt. Von Josephine Japke

Völlig unaufgeregt geht Tomislav Piplica seine nächste Dekade an. Große Feier, so wie damals zu Energie-Zeiten? Fehlanzeige! „Wir machen das nur im kleinen Familienkreis. Viele Freunde sind nicht da, viele Sportler stecken in der Vorbereitung – da ist es schwierig, alle zusammenzukriegen“, erklärt er.

Erst im Sommer wollen sich die alten Kumpels rund um Piplica zu einem kleinen nachträglichen Geburtstags-Kick treffen. Mit von der Partie wird dann vermutlich auch die Cottbuser Trainerlegende Eduard Geyer sein. Zu ihr hat Piplica nämlich immer noch engen Kontakt, wie er bestätigt: „Ede Geyer sehe ich noch oft, wir haben uns nie aus den Augen verloren.“

Anders als viele andere ehemalige Funktionäre und Spieler aus Cottbus. „Es ist schon komisch, nach Cottbus zu kommen, und du kennst keinen Menschen  mehr“, sagt Piplica. Lediglich zu einigen Fans pflegt er den Kontakt und ist sicher, auch von ihnen ein paar Geburtstagsgrüße auf der Mailbox zu haben.

Alpen-Cowboy mit wilder Mähne – Energie Kultkeeper Piplica wird 50 FOTO: Wende

Dennoch blickt er auf eine schöne Zeit bei Energie zurück. Viel hätte man trotz weniger Möglichkeiten geleistet. Der Aufstieg in die Fußball-Bundesliga ist für ihn auch heute noch ein Höhepunkt seiner Karriere. „Wir waren eine tolle Mannschaft, hatten tolle Zuschauer, die ganze Stadt und die Region waren eins. So ein Zusammenhalt ist seitdem unerreicht“, erklärt Piplica.

Zwölf Jahre blieb er in Cottbus, zehn als Spieler und zwei als Nachwuchstrainer. 2009 war dann Schluss. „Ich bin einfach ein Typ, der lange irgendwo bleibt, wenn er sich da wohlfühlt und glücklich ist“, sagt er. Wäre es nach Piplica gegangen, wäre er auch in Cottbus länger geblieben. „Die neue Vereinsführung“, so sagt er heute, „hatte allerdings etwas dagegen.“ Vieles sei zu der Zeit nicht optimal gelaufen. Er hatte das Gefühl, wegen persönlicher Differenzen und nicht sportlicher Leistungen ausgemustert worden zu sein. Umstände, die ihn auch heute noch enttäuschen.

Dennoch schaut er nicht mit Groll nach Cottbus. Das Abschiedsspiel im Stadion der Freundschaft im Mai 2010 habe ihm gezeigt, dass er Großes geleistet hat. 15 000 Fans verfolgten seine letzte Auswechslung und die anschließenden Ehrenrunden, Feuerwerk und Lasershow bildeten den Rahmen. „Ich bin stolz auf mich und meine Karriere. Nach all den Jahren hatte ich dieses Spiel verdient und war sehr froh darüber, dass Verein und Sponsoren die Sache unterstützt haben“, erklärt Piplica.

Dass seitdem keinem Spieler mehr diese Ehre zuteil wurde, läge seiner Meinung nach auch daran, dass nur wenige Spieler die Leistung bringen würden und so lange da wären, wie er.

Auch wenn er seit dem 2:1-Sieg von Energie gegen Wacker Nordhausen im April 2018 nicht mehr in Cottbus war, hat Tomislav Piplica immer auf dem Schirm, wie es um seine alte Liebe steht. „Es tut mir leid, dass der Verein gegen den Abstieg kämpft. Ich hoffe, dass sie sich noch fangen werden“, sagt er. In Nordhausen, wo er derzeit als Scout und nicht als Torwarttrainer angestellt ist, hat er noch bis zum Sommer einen Vertrag. Erst dann wird geredet und geschaut, wie es weitergeht. Einen Anruf aus Cottbus, ob er zurückkommen möchte, erwartet er allerdings nicht. Weder in diesem Sommer, noch in ferner Zukunft. „Die scheinen in Cottbus meine Nummer gelöscht zu haben“, sagt Piplica lachend.

Ganz gelassen blickt er seiner Zukunft entgegen. Mit 50 will er sich nicht mehr den Kopf zerbrechen über Geld und Erfolg. Etwas anderes steht für ihn im Vordergrund: „Dass meine Familie und ich gesund bleiben, das ist das wichtigste und größte Geschenk. Das wünsche ich mir zum Geburtstag.“