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Energie zimmert den BFC weg

Gibt's noch Fragen? Maximilian Zimmer (M.) war mit drei Torbeteiligungen der Mann des Tages beim Sieg im Spitzenspiel.
Gibt's noch Fragen? Maximilian Zimmer (M.) war mit drei Torbeteiligungen der Mann des Tages beim Sieg im Spitzenspiel. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Energie Cottbus lässt in der Regionalliga weiter die Muskeln spielen. Auch nach dem siebten Abpfiff hat der FCE das Spielfeld als Sieger verlassen und nun bereits acht Punkte zwischen sich und den ersten Verfolger gebracht. Steven Wiesner und Frank Noack

Das bleibt trotz der 1:3-Niederlage im Stadion der Freundschaft der BFC Dynamo. Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz hat trotzdem noch keine Lust dazu, sich das Tabellenbild einlaminieren zu lassen und damit die heimische Wohnstube zu verschönern. Vollkommen nüchtern und auch etwas geschafft von intensiven 90 Minuten sagte Wollitz: "Der Punkteabstand interessiert mich nicht, sondern nur wie meine Mannschaft spielt."

Diesbezüglich musste sich Wollitz am Sonntagnachmittag etwas gedulden, bis er auf seine Kosten kam. Denn Energie drehte bei Weitem nicht so auf wie in den vergangenen Wochen, als es teilweise turmhohe Ergebnisse herausspielen und die Fronten schon in den Anfangsminuten klären konnte. "Ab der 15. Minute haben wir taktische Fehler gemacht, die ich dieses Jahr noch nicht von uns gesehen habe", ärgerte sich Wollitz. Er selbst coachte zwar wieder am Anschlag und warf seinen Spielern die Bälle zu als wolle er sich als Balljunge in Hoffenheim bewerben. Dennoch konnte Cottbus im Offensivspiel noch nicht viel Tempo aufnehmen.

Ein Grund dafür war auch das Auftreten der Berliner, die sich als selbstbewusster Gast vorstellten, wie man ihn in einem Ligaspiel in Cottbus lange nicht mehr gesehen hat. Während andere Teams die Cottbuser Rasenhälfte nur vom Hörensagen oder Postkarten kennenlernten, ließ BFC-Trainer René Rydlewicz seine Jungs phasenweise schon am Strafraum stören. Energie schien das etwas zu irritieren. Schlechtes Positionsspiel und unsaubere Passstafetten führten dazu, dass BFC-Schlussmann Bernhard Hendl bis zur 37. (!) Minute keinen einzigen Schuss auf sich und sein Gehäuse zufliegen sah.

Dann begann es allmählich, das Spiel des Maximilian Zimmer zu werden. Einen Freistoß nahe der Seitenauslinie zog der Feingeist halbhoch aufs Tor. Sein Flankenball flog an Freund und Feind vorbei ins lange Eck (37.). "Eigentlich wollte ich ihn auf den ersten Pfosten schießen. Dass er hinten reingeht, nehme ich gerne mit", kommentierte Zimmer sein zweites Ligator, das Energie dabei half, das Momentum auf seine Seite zu ziehen und den BFC wegzuzimmern.

Nur fünf Minuten später spielte sich Zimmer erneut in die nächtlichen Albträume seiner Gegenspieler und initiierte im Zusammenspiel mit Lasse Schlüter den zweiten Cottbuser Abschluss, der auch prompt das zweite Tor brachte. Streli Mamba musste nach dem Schlüter-Querpass nur noch zusehen, sich vor dem leeren Tor nicht zu blamieren (42.). "Das ist perfekt, das hat was mit Fußball zu tun. Dieses Tor war das Eintrittsgeld wert", schwärmte Wollitz vom 2:0.

Und er hatte auch für seinen Matchwinner lobende Worte übrig: "Zimmer war herausragend. Das ist nicht nur Regionalliga-Niveau, sondern mehr." Dem Hauptprotagonisten waren so viele blumige Worte fast unangenehm. "Ich sehe mich nicht als Mann des Tages. Ich muss nur der Mannschaft ein Lob aussprechen, die sich gegen einen starken Gegner toll gewehrt hat."

Das musste sie vordergründig tun, weil der BFC die Partie mit dem 2:1 sofort wieder scharf machen konnte (49.). Malte Karbstein hatte sich bei einem langen Ball verschätzt und Keeper Avdo Spahic so ein Foulspiel außerhalb des Strafraums aufgezwungen, das zwar nur mit einer Gelben Karte, aber fälschlicherweise auch mit einem Elfmeter sanktioniert wurde.

Doch der nächste ruhende Zimmer-Ball entschied das Gipfeltreffen. Nach einer Ecke besiegelte Kevin Weidlich die zweite Niederlage seines Ex-Klubs und belohnte Energie für eine klasse Reaktion, nachdem man mit der Verletzung von Zielspieler Mamba noch einen zweiten zeitigen Nackenschlag nach Wiederbeginn hatte hinnehmen müssen. Was genau sich der Neun-Tore-Mann zugezogen hat, soll erst eine Untersuchung an diesem Montag ergeben. "Ich vermute, dass es ein Muskelfaserriss im Oberschenkel ist", sagte Mamba. Wollitz erklärte dagegen: "Seine Auswechslung war nur eine Vorsichtsmaßnahme. Ich glaube nicht, dass er lange ausfällt."

Die Polizei registrierte während des Sicherheitsspiels mit 8012 Zuschauern im Übrigen "keine relevanten Störungen". Einzig Sonntagfrüh gegen 3 Uhr hat es einen Einbruch in der Geschäftsstelle des FC Energie gegeben. Unbekannte sollen dabei eine geringe Menge Bargeld gestohlen haben.