ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:21 Uhr

Energie Cottbus
Energie will hoch – Weiche stapelt tief

Der Kampf um den Aufstieg ist noch nicht entschieden. Am Sonntag will Energie Cottbus (hier Lasse Schülter/r. gegen Flensburgs Tim Wulff) die Rückkehr in die 3. Liga aber endgültig perfekt machen – vor knapp 20 000 Zuschauern im heimischen Stadion der Freundschaft.
Der Kampf um den Aufstieg ist noch nicht entschieden. Am Sonntag will Energie Cottbus (hier Lasse Schülter/r. gegen Flensburgs Tim Wulff) die Rückkehr in die 3. Liga aber endgültig perfekt machen – vor knapp 20 000 Zuschauern im heimischen Stadion der Freundschaft. FOTO: Matthias Koch / Michael Hundt / Matthias Koch
Cottbus. Das Aufstiegs-Rückspiel am Sonntag wird zur Nervenschlacht. Trainer Wollitz verbietet negatives Denken. Von Jan Lehmann und Frank Noack

Auf dieses Spiel freut sich die Fußball-Lausitz schon seit Monaten. Energie Cottbus kann am Sonntag im ausverkauften Stadion der Freundschaft gegen Weiche Flensburg den Aufstieg in die 3. Liga perfekt macht und endlich die rote-weiße Jubelparty starten. Mit knapp 20 000 Zuschauern ist die Partie (14 Uhr, LR-Liveticker, rbb live) schon seit Tagen ausverkauft.

Doch das Duell gegen den Meister der Regionalliga Nord ist spätestens seit dem Cottbuser 3:2-Sieg am Donnerstag im Hinspiel in Kiel eine Nervenschlacht. Eine Halbzeit lang trat Energie im Stile eines souveränen Favoriten auf und führte schon 3:0. In diesem Moment war die 3. Liga bereits zum Greifen nah. Doch Weiche Flensburg kam als Außenseiter mit zwei Toren am Ende wieder zurück im Kampf um den Aufstieg.

Angesichts des Leistungsunterschieds in Halbzeit eins scheinen die Norddeutschen auf den ersten Blick eigentlich auch für das Rückspiel nur kleine Sieg-Chancen zu haben – aber genau darin könnte die große Gefahr für den FCE bestehen. „Sie vermitteln, dass sie gar nicht aufsteigen wollen, obwohl sie es natürlich zu einhundert Prozent wollen. In der 2. Halbzeit hat man gesehen, dass sie zupacken, wenn man ihnen den Raum gibt“, warnt Trainer Claus-Dieter Wollitz.

Trotzdem ist Energie im Vorteil. Denn Flensburg muss in Cottbus mindestens zwei Tore schießen, um die Hinspiel-Niederlage wettzumachen. Das gelang in dieser Saison nur dem Bundesligisten VfB Stuttgart, der sich in der 1. Runde des DFB-Pokals mit 4:3 im Elfmeterschießen im Stadion der Freundschaft durchgesetzt hatte. Entsprechend groß ist die Zuversicht beim FCE. „Diese zwei Tore muss Flensburg bei uns erstmal schießen“, sagt Stürmer Kevin Scheidhauer. „Wir haben vielleicht ein Tor zu viel bekommen. Aber ich bin trotzdem überzeugt, dass wir es packen“, meint der zweifache Torschütze Maximilian Zimmer. Und Kapitän Marc Stein ergänzt: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Flensburg in Cottbus gewinnt.“

Allerdings hatte sich auch keiner der 5972 Zuschauer am Donnerstagabend in Kiel vorstellen können, dass Flensburg noch einmal in dieses Spiel zurückfindet. Nach der anfänglichen Nervosität fühlte sich das Team von Weiche-Trainer Daniel Jurgeleit dann jedoch pudelwohl in der Rolle des Außenseiters und hätte am Ende fast sogar noch den Ausgleich erzielt. Flensburg in der 3. Liga? Das klingt selbst für Flensburger reichlich unwahrscheinlich. Denn von der Struktur her ist Weiche ein Amateurverein. Ein Großteil der Arbeit wird ehrenamtlich geleistet. Das heimische Manfred-Werner-Stadion genügt nicht annähernd den Sicherheitsstandards, die im Profifußball gefordert sind. Das Sportlerheim ist der beschauliche Mittelpunkt des Vereins. Als sich in dieser Woche die Mannschaft draußen auf dem Rasen auf die Spiele gegen den FC Energie vorbereite, probten im Sportlerheim die Flensburger Förde-Möwen ihr maritimes Liedgut. „Wir sind Welten von der 3. Liga entfernt“, hatte Trainer Jurgeleit vor der ersten Partie im RUNDSCHAU-Interview gesagt.

Tiefstapeln können sie sowieso ganz gut im hohen Norden. „Man hat gesehen, dass wir der Neuling in solchen Spielen sind“, analysierte Jurgeleit nach dem Schlusspfiff. Die Botschaft, die man mit solchen Sätzen rüberbringt, lautet: Der Gegner ist Favorit. Und hat mehr zu verlieren als der Außenseiter. Und er hat damit natürlich auch mehr Druck.

Dazu kommen weitere solcher Psychospielchen. Dass Weiche die Sicherheitsprobleme vor dem Spiel öffentlich gemacht und damit einen Tag vor dem Anpfiff für Chaos gesorgt hat, kam bei Energie überhaupt nicht gut an. Auch die Tatsache, dass Energie entgegen den Gepflogenheiten vorab keine Spielbälle für die Partie in Kiel zur Verfügung gestellt bekam, gehört wohl in diese Kategorie. Normalerweise ist das unter den Teams üblich, damit man sich im Training an das jeweilige Fabrikat gewöhnen kann.

Trainer Wollitz weiß, dass dieser Rückkampf angesichts des kuriosen Spielverlaufs am Donnerstag  vor allem im Kopf entschieden wird. „Wir dürfen jetzt nicht anfangen, negativ zu denken. Nach dem Motto: ‚Oh, es kann ja in die Hose gehen‘“, betont Wollitz und gibt sich gewohnt kämpferisch: „Nein, es kann nicht in die Hose gehen! Es kann nur dann in die Hose gehen, wenn wir nicht aktiv Fußball spielen. Ich hoffe, dass wir die richtige Einstellung finden. Wir müssen vor dem heimischen Publikum eine breite Brust haben.“

Energie geht mit einem Vorsprung ins Rückspiel, aber eben nur einem knappen Vorsprung. Selbst eine 0:1-Niederlage würde reichen. Wollitz: „Es darf etwas passieren, es darf aber nicht so viel passieren. Aber wir müssen gar nicht groß rechnen: Unser Ziel ist es, vor heimischem Publikum das Spiel zu gewinnen.“

Das Team von Flensburgs Chefcoach Daniel Jurgeleit kam nach dem 0:3 noch zum 2:3.
Das Team von Flensburgs Chefcoach Daniel Jurgeleit kam nach dem 0:3 noch zum 2:3. FOTO: Matthias Koch / Michael Hundt / Matthias Koch
„Es kann nicht in die Hose gehen“, betont Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz.
„Es kann nicht in die Hose gehen“, betont Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz. FOTO: Matthias Koch / Michael Hundt / Matthias Koch