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"Energie war immer unangenehm"

Simon Terodde (l.) ist der Tor-Garant beim VfB.
Simon Terodde (l.) ist der Tor-Garant beim VfB. FOTO: dpa
Simon Terodde (29) ist beim VfB Stuttgart für das Toreschießen zuständig. In Cottbus hat er aber noch nie getroffen – geschweige denn gewonnen. Steven Wiesner

Herr Terodde, die meisten Ihrer Tore bejubeln Sie mit der Handfläche an der Stirn. Welche Geschichte steckt dahinter? Salutieren Sie und grüßen Ihren ehemaligen Kompanie-Chef?
Terodde Nein, ich salutiere nicht. (lacht) Es gab mal ein Auswärtsspiel mit Union in Duisburg und da habe ich nach einem Tor meine Eltern im Publikum gesucht. Der Jubel hat mir Glück gebracht, und deshalb habe ich ihn beibehalten.

Sind Sie zuversichtlich, dass Sie diesen Jubel auch am Sonntag präsentieren können, immerhin haben Sie noch nie in Cottbus treffen können?
Terodde Das ist mir persönlich nicht so wichtig. Es geht darum, dass wir als Sieger vom Platz gehen. Ich kenne die Bedingungen, es ist ein enges Stadion, es wird wahrscheinlich ausverkauft sein und eine schöne Atmosphäre geben. Da wollen wir uns durchsetzen. Ob ich ein Tor erziele, spielt keine Rolle.

Mit Union sind Sie dreimal in Cottbus angetreten, einmal hat es für ein 0:0 gereicht, zweimal haben Sie 1:2 verloren. Welche Erinnerungen haben Sie an die Partien?
Terodde Allein schon durch die geringe räumliche Entfernung und den Derby-Charakter waren das brisante Duelle. Energie war immer unangenehm zu spielen, und das wird auch heute noch so sein. Mit Pele Wollitz haben sie einen guten Trainer, der nicht nur zugucken will, was der Gegner macht. Die wollen Pressing spielen und selbst die Initiative übernehmen. Darauf müssen wir vorbereitet sein.

Sie sind zweimal hintereinander Torschützenkönig in der 2. Liga geworden. So richtig explodiert sind Sie aber erst nach Ihrer Zeit bei Union. Was ist da mit Ihnen passiert?
Terodde Ich hatte auch bei Union eine ordentliche Quote und habe 2013 auch schon zweistellig getroffen. Aber die Planungen waren dann einfach anders, und ich bin froh, dass sich alles so entwickelt hat. Als Stürmer ist man zu einem großen Teil auch abhängig von der Mannschaft, und in letzter Zeit lief es insgesamt einfach sehr gut.

Einer Ihrer Mitspieler in Köpenick war Torsten Mattuschka. Haben Sie seinen Werdegang mit dem Abstieg in Cottbus aus der 3. Liga verfolgt?
Terodde Na klar, das war natürlich sehr bitter, dass er damals mit Cottbus abgestiegen ist. Wir sind immer noch in Kontakt und haben erst vorgestern miteinander telefoniert. ,Tusche' wird auch im Stadion sein am Sonntag.

Dann sind Sie mit Stuttgart klarer Favorit. Machen solche Spiele, in denen man nur verlieren kann, eigentlich Spaß?
Terodde Wir sind nach einer langen Vorbereitung auch froh, dass es endlich losgeht mit den Pflichtspielen. Es ist ein tolles Spiel für die Region Cottbus, die Bude wird voll sein, und auch für uns ist der DFB-Pokal ein hochattraktiver Wettbewerb, in dem wir so weit wie möglich kommen wollen. Doch dazu müssen wir erstmal Cottbus bezwingen. Cottbus wird uns alles abverlangen wollen, und da müssen wir dagegen halten. Am Ende geht es um die zweite Runde und nicht um einen Schönheitspreis.

Wie bereitet sich ein Bundesligist eigentlich auf einen Regionalligisten vor? Sitzen da 25 Erstliga-Profis im Konferenzraum und schauen sich Videosequenzen aus einer Amateurliga an?
Terodde Klar, das ist ein ganz normaler Vorgang und eine Vorbereitung wie auf jedes andere Spiel auch. Wir wollen nichts dem Zufall überlassen, und da Cottbus schon drei Pflichtspiele hatte, gibt es genügend Material.

Sie wissen, wie es sich anfühlt, bei einem Regionalligisten auszuscheiden. 2011 haben Sie mit Union in Essen verloren. Wie viel muss ein Favorit falsch machen, damit Amateure über sich hinauswachsen und ein Profiteam bezwingen?
Terodde In einem Fußballspiel ist vieles möglich, und man kann den Spielverlauf auch nicht immer beeinflussen. Aber natürlich ist es unser Anspruch, weiterzukommen. Und ich bin auch zuversichtlich, dass wir das hinbekommen.

Mit Simon Terodde

sprach Steven Wiesner

Zum Thema:
Simon Terodde ist seit vielen Jahren Profi - richtig gezündet hat der gebürtige Bocholter aber erst beim VfL Bochum. In den letzten beiden Zweitliga-Spielzeiten hat der 1,92m-Mann 50 Tore für Bochum und Stuttgart erzielt und ist nun mit 29 Jahren in der Bundesliga angekommen. Auch seine Pokalbilanz liest sich gut: In 15 DFB-Pokalspielen traf Terodde 9 Mal. Über das Viertelfinale kam er dabei aber noch nicht hinaus. (swr)