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| 20:54 Uhr

Fussball
Energie verliert im Guckloch

Das Tor, das Energies erste Niederlage besiegelte: Pierre Le Beau (Nr. 21) traf per Kopf und ließ Kevin Rauhut im FCE-Tor keine Chance.
Das Tor, das Energies erste Niederlage besiegelte: Pierre Le Beau (Nr. 21) traf per Kopf und ließ Kevin Rauhut im FCE-Tor keine Chance. FOTO: WORBSER-Sportfotografie / Mike Worbs
Meuselwitz. Im 24. Ligaspiel ist es passiert: Energie Cottbus verspielt eine 1:0-Pausenführung und muss seine erste Niederlage dieser Regionalliga-Saison quittieren. Der Tabellenelfte aus Meuselwitz dagegen feiert die Helden der Regenschlacht. Von Frank Noack und Steven Wiesner

Nun ist es also soweit. Der FC Energie Cottbus hat sein erstes Ligaspiel in dieser Saison verloren. Im Nachholspiel beim ZFC Meuselwitz unterlag der Tabellenführer der Regionalliga Nordost trotz Halbzeitführung mit 1:2. Nach dem Südwest-Regionalligisten 1. FC Saarbrücken, der am Wochenende zum ersten Mal nach sieben schadlosen Monaten wieder ein Fußballspiel verloren hatte, erwischte es nun auch den FCE. Es war die erste Ligapleite seit dem 20. Mai 2017. Damals musste sich Cottbus am letzten Spieltag der Vorsaison in Neugersdorf geschlagen geben.

Apropos Saarbrücken: Mit Gerhard „Fanja“ Noll, der vor ein paar Jahren auch schon mal für Energie gearbeitet hat, hatte sich ein Scout der Saarländer unter die 601 Zuschauer gemischt, um mit Energie einen möglichen Gegner für die Relegationsspiele um den Aufstieg in die 3. Liga zu beobachten. Auch ein Späher vom Bundesligisten 1. FC Köln war anwesend – nach RUNDSCHAU-Informationen, um Energie-Youngster Gabriel Boakye unter die Lupe zu nehmen. Die Mannschaft von Trainer Claus-Dieter Wollitz musste also nicht nur im strömenden Regen spielen, sondern gewissermaßen auch im Guckloch.

Doch ob die Spione nach dem Besuch in Meuselwitz wirklich schlauer geworden sind, darf bezweifelt werden. Denn die Startaufstellung der Cottbuser hatte wenig mit denen aus den jüngsten Spielen zu tun. Wollitz hatte unter der Woche Rotation angekündigt angesichts der vielen englischen Wochen, die Energie bevorstehen, und er hatte sie auch in die Tat umgesetzt. Kevin Rauhut ersetzte Avdo Spahic im Tor und im Feld rückten mit Marcel Baude, Malte Karbstein, Paul Gehrmann, Alexander Siebeck, Gabriel Boakye, Kevin Scheidhauer und sogar dem Langzeitverletzten Felix Geisler auf Anhieb sieben Neue in die erste Elf. Fabio Viteritti und Streli Mamba saßen draußen, Spahic, Tim Kruse, Kevin Weidlich und Maximilian Zimmer waren nicht mal mitangereist.

Der zweite Anzug passte trotzdem ordentlich. „Wir brauchten nach den vielen Wechseln einige Zeit, um in das Spiel reinzukommen“, sagte Kapitän Marc Stein.  „Trotzdem haben wir das Spiel dann dominiert.“ Auch Wollitz sah „gute Ansätze, mit der ersten Halbzeit war ich sehr zufrieden“. Auch weil Stein den Treffer zur späten Halbzeitführung beisteuerte (45.).

„In der zweiten Halbezeit waren wir aber nicht so kompakt“, monierte Wollitz. Fußball-Feinschmecker hatten auf dem seifigen Untergrund ganz schön zu schlucken. Es waren eher rustikale Qualitäten gefragt, die der Tabellenelfte, der jeden Punkt im Abstiegskampf benötigt, mitbrachte. ZFC-Trainer Heiko Weber, der vor der Partie von „einer Mammutaufgabe gegen einen utopischen Gegner“ sprach und dass die Partie „einem Pokalspiel ähnelt“, schickte eine wütende Formation zurück auf den Rasen. „Wir wollten den Spitzenreiter nicht mit einer Mauer erwarten, sondern unter Druck setzen“, sagte Weber.

Und das gelang. Yves Brinkmann markierte den Ausgleich (68.) und Pierre le Beau stellte den Spielstand zehn Minuten sogar auf den Kopf nach einem ruhenden Ball. „Leider haben wir letztlich gegen 13, 14 Leute inklusive Schiedsrichter verloren“, monierte Stein. „Die Entscheidungen waren schon sehr fragwürdig. Jede 50:50-Entscheidung war gegen uns.“ Allen voran Scheidhauer, der sich in der Mamba-Rolle versuchen durfte, bekam die Eigenart des Unparteiischen zu spüren, als er nach 80 Minuten mit Gelb-Rot vom Platz flog. Nicht nur für ihn ein gebrauchter Tag im Regen von Meuselwitz.

Stand in Meuselwitz unter besonderer Beobachtung: Gabriel Boakye.
Stand in Meuselwitz unter besonderer Beobachtung: Gabriel Boakye. FOTO: WORBSER-Sportfotografie / Mike Worbs