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| 18:23 Uhr

FC Energie in der 3. Liga
Cottbus-Trainer Pele Wollitz will mehr #WIR auf dem Rasen

 Bei der 0:1-Niederlage  gegen Eintracht Braunschweig erspielte sich Energie (hier Fabio Viteritti/r.) nur eine einzige Torchance.
Bei der 0:1-Niederlage  gegen Eintracht Braunschweig erspielte sich Energie (hier Fabio Viteritti/r.) nur eine einzige Torchance. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Vor dem letzten Spiel in Rostock zieht Pele Wollitz, Trainer von Energie Cottbus, eine ernüchternde Halbserien-Bilanz. Seine Forderung: Die Mannschaft muss im Kampf um den Klassenerhalt ihre Spielweise der 3. Liga anpassen. Doch das wird schwierig. Von Frank Noack

Es war eine bemerkenswerte Pressekonferenz, die Trainer Claus-Dieter Wollitz am Donnerstagmittag im Stadion der Freundschaft gegeben hat. Bemerkenswert – so zumindest das Klischee – sind seine Auftritte ja immer dann, wenn es laut und emotional zugeht. Diesmal wurde Wollitz aber nur selten emotional. Stattdessen zog er mit ruhigen, teilweise florettartigen Worten eine ernüchternde Halb­serien-Bilanz des Aufsteigers in die 3. Fußball-Liga. „Wir könnten mehr Punkte haben. Aber dafür brauchen wir mehr Verantwortungsbewusstsein. Wer das nach 50 Prozent der Spiele nicht begreift, hat hier keine Zukunft“, erklärte Wollitz an die Adresse seiner Mannschaft.

Derzeit steht der FCE zwar über dem Strich, ist aber punktgleich mit den Abstiegsrängen. Und im letzten Spiel des Jahres geht es am Samstag ausgerechnet zum Ostderby bei Hansa Rostock (22. Dezember 2018, 14 Uhr, LR-Liveticker). Die Norddeutschen gehören zu den spielstärksten Teams der Liga, auch wenn sie derzeit den Erwartungen hinterherlaufen. Es droht also der Sturz in die Abstiegszone.

Je ruhiger Wollitz ist, um so brisanter die sportliche Lage beim FC Energie Cottbus

Wer Claus-Dieter Wollitz und seinen Umgang  mit den Spielern in den vergangenen Jahren genau be­obachtet hat, merkt sehr schnell: Je ruhiger der an sich so emotionale Wollitz kommuniziert, umso brisanter ist die sportliche Situation. So war es auch in den vergangenen Tagen im Stadion der Freundschaft. „Ich habe die Schrauben angezogen. Sie sind nicht nur leicht angezogen – sie sind komplett angezogen. Denn so werden wir unsere Ziele nicht ­erreichen“, berichtet der Coach.

Energie Cottbus - Braunschweig FOTO: Steffen Beyer

Zum Anziehen der Schrauben gehörte offenbar auch, dass das erste Training nach der enttäuschenden 0:1-Heimniederlage gegen Schlusslicht Eintracht Braunschweig nicht wie üblich um 10 Uhr, sondern bereits um 8 Uhr stattfand – an einem  Sonntagmorgen. Zudem hat Wollitz in dieser Woche mehrere lange Gespräche mit dem Mannschaftsrat geführt und dabei nach eigenem Bekunden „ruhig, aber mit Bestimmtheit“ seine aktuellen Kritikpunkte vorgetragen.

So steht Energie Cottbus vor Weihnachten: 20 Punkte, Platz 15

 „Ich habe die Schrauben angezogen“, sagt Claus-Dieter Wollitz.
„Ich habe die Schrauben angezogen“, sagt Claus-Dieter Wollitz. FOTO: Steffen Beyer

Dabei liegt Energie Cottbus mit 20 Punkten und Tabellenplatz 15 von 20 Teams durchaus im Rahmen dessen, was man von einem Aufsteiger erwarten darf. Zumal der Kader im Wesentlichen aus den Spielern der vergangenen Regionalliga-Saison besteht. Was ­Wollitz vielmehr umtreibt, ist die Tatsache, dass seine Mannschaft zu oft auch noch so gespielt hat wie in der vergangenen Saison in der Regional­liga: nämlich mit viel Ballbesitz, statt mit schnellem Umschaltspiel. Mit dieser Dominanz am Ball war der FCE zwar in der 4. Liga erfolgreich. Inzwischen wirkt sie aber eher behäbig und ist vor allem wenig effektiv.

So wie am vergangenen Samstag bei der 0:1-Niederlage gegen Braunschweig, als sich die Gast­geber nur eine einzige klare Torchance erspielen konnten. „Dann hat man vieles falsch gemacht“, gibt der Coach zu bedenken.

Theoretisch dürfte das auch jedem Spieler klar sein. Die praktische Umsetzung dieser Erkenntnis auf dem Rasen ist dagegen weitaus schwieriger. „Es ist wie eine ­Schablone: Wir bekommen immer dieselben Gegentore. Wenn man eine Liga höher spielt, dann muss man sich dieser Liga anpassen. Die 3. Liga muss sich nicht Energie Cottbus anpassen“, sagt Wollitz.

Wollitz fordert mehr Laufbereitschaft von seinen FCE-Spielern

Wie gesagt – in der Theorie ist die Sache ziemlich klar. Erst gemeinsam gegen den Ball arbeiten, dann gemeinsam angreifen und Tore erzielen! Dazu ist aber eben auch eine hohe Laufbereitschaft erforderlich. Und die vermisst Wollitz derzeit bei einigen seiner Spieler. „Dann gebe ich lieber jungen Spielern aus der U19 eine Chance. Weniger laufen sie auch nicht“, kommentierte er am Donnerstag dann doch mit einem zumindest kleinen Anflug von Emotionen.

Vor allem dieses Miteinander auf dem Rasen, um den Gegner zu bearbeiten, beschwört Wollitz in diesen Tagen wie ein Mantra. Weil es schlicht und einfach die einzige Chance für ein Team ohne herausragende Individualisten ist, um am Ende den Klassenerhalt zu schaffen. „Ich lese immer #WIR“, ­erklärt ­Wollitz in Anlehnung an den sogenannten Hashtag, mit dem der Club in seinen Internet-Kanälen bei Facebook und Instagram seit geraumer Zeit gern den Zusammenhalt hervorhebt. „Wir? Dann los! Wer hält uns denn auf?“, fragt der Coach.

Energie-Trainer: Kompliziert spielen - das können die anderen

Und noch eine Frage drängt sich auf: Ist das fehlende #WIR auf dem Rasen Egoismen innerhalb des Teams geschuldet oder liegt es eher an der menschlichen Komfortzone, die so schwer zu verlassen ist? „Egoismus auf keinen Fall. Komfortzone trifft es besser“, versichert Wollitz. „Die meisten Spieler sind uner­fahren in der 3. Liga, also im Profifußball. Sie treffen deshalb in ­manchen Situationen einfach die falsche Entscheidung. Wir dürfen aber nicht den dritten Schritt vor dem ersten machen. Kompliziert spielen können andere, wir müssen einfach spielen.“

Der Coach will sich zwar weiterhin vor sein Team stellen, aber er hat auch eine unmissverständliche Forderung: Die Mannschaft muss ihre Spielweise endlich der 3. Liga anpassen! Das ist wohl kurz zusammengefasst die Botschaft der bemerkens­werten Pressekonferenz. Einfach spielen, lautet also die Vorgabe für den Jahresabschluss am Samstag in Rostock. Es ist zwar erst der 20. Spieltag. Eine Vorentscheidung um den Klassenerhalt fällt also weder bei einem Sieg noch bei einer Niederlage in Rostock. „Aber wir können zeigen, dass wir es ver­standen haben“, betont  Wollitz.

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