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Fußball
Energie: Wollitz macht Scheidhauer ein Angebot

Der ehemalige Duisburger Kevin Scheidhauer könnte länger in Cottbus bleiben.
Der ehemalige Duisburger Kevin Scheidhauer könnte länger in Cottbus bleiben. FOTO: imago sportfotodienst / imago/pmk
Cottbus . Der ehemalige U17-Europameister Kevin Scheidhauer ist bei Energie Cottbus weiter im Probetraining. Mit einer schnellen Verpflichtung des Angreifers wird es wohl nichts werden, doch Trainer Wollitz macht dem 25-Jährigen ein Angebot. Von Jan Lehmann

Am Mittwochvormittag war Kevin Scheidhauer wieder auf dem Cottbuser Trainingsplatz an der Parzellenstraße im Einsatz. Die Energie-Profis studierten Laufwege ein und der Probespieler integrierte sich relativ unauffällig ins Team. Der 25-Jährige, der einst im Jahr 2009 mit den aktuellen Nationalspielern Mario Götze, Shkodran Mustafi oder Marc Andre ter Stegen über den U17-EM-Titel gejubelt hatte, erklärt nach der Einheit selbsteinschätzend: „Ich steche nicht groß heraus, falle aber auch nicht ab.“

Für das ehemalige Toptalent vom VfL Wolfsburg ist das erst einmal ein halbwegs zufriedenstellendes Zwischenfazit auf dem Weg zurück. Nach anderthalb Jahren Verletzungspause versucht Scheidhauer wieder im Profigeschäft Fuß zu fassen. Er betont am Mittwoch: „Seit zwei Monaten habe ich keine Probleme mehr mit der Verletzung. Für mich zählt jetzt erstmal nur das Training, jede Einheit ist wichtig. Deshalb bin ich Energie Cottbus und dem Trainerteam sehr dankbar, dass sie mir die Möglichkeit dazu geben.“

Bei der U17-EM im Jahr 2009 gehörte Kevin Scheidhauer zur Stammelf. Die komplette Aufstellung, hier vom Halbfinale gegen Italien in Dessau: Marc-André ter Stegen, Lennart Thy, Kevin Scheidhauer, Bienvenue Basala-Mazana, Shkordan Mustafi, Robert Labus; vorn (v.l.) Reinhold Yabo, Marvin Plattenhardt, Matthias Zimmermann, Christopher Buchtmann, Mario Götze.
Bei der U17-EM im Jahr 2009 gehörte Kevin Scheidhauer zur Stammelf. Die komplette Aufstellung, hier vom Halbfinale gegen Italien in Dessau: Marc-André ter Stegen, Lennart Thy, Kevin Scheidhauer, Bienvenue Basala-Mazana, Shkordan Mustafi, Robert Labus; vorn (v.l.) Reinhold Yabo, Marvin Plattenhardt, Matthias Zimmermann, Christopher Buchtmann, Mario Götze. FOTO: Hendrik Schmidt / picture-alliance/ dpa

Dass er nun in der 4. Liga wieder anfangen muss, stört den Mann, der aus Leipzig stammt, nach eigenem Bekunden nicht. Er sagt deutlich: „Ich bin ja kein Cristiano Ronaldo. Ich habe 34 Zweitliga-Spiele und 20 Drittliga-Spiele. Die Erfolge von vor zehn Jahren interessieren keinen Menschen mehr.“ Scheidhauer war Junioren-Nationalspieler, Deutscher Meister mit den Wolfsburger A-Junioren, dabei dreifacher Torschütze im Bundesliga-Finale. Über die Stationen VfL Bochum und MSV Duisburg war er 2016 zum FC Schalke gewechselt. Zwar in die zweite Mannschaft, aber mit der Perspektive, sich im Profi-Kader anbieten zu dürfen. Eine schwere Knöchelverletzung stoppte die großen Hoffnungen – vorerst. Im „Kicker“ erklärte Scheidhauer zuletzt: „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht mehr von der Bundesliga träume. Dieser Traum endet erst, wenn ich nicht mehr spiele.“

Für diesen Traum will der 25-Jährige nun in Cottbus arbeiten. Wenn es nach Trainer Claus-Dieter Wollitz geht, kann er das noch eine Weile tun. Der Coach macht dem Probespieler ein Angebot: „Kevin kann sich bis Mitte Dezember bei uns weiter fit machen. Dann sehen wir weiter.“ Schon zuletzt hatte der Trainer erklärt, dass er bei Scheidhauer noch großen Nachholbedarf sehe. (Lesen Sie dazu: „Energie-Planspiele bei der Stürmersuche“). Am Mittwoch erklärt der Coach erneut: „Man kann nicht davon ausgehen, dass er gleich einschlägt. Nach so einer langen Pause muss man Geduld haben.“ Offen ist außerdem, ob sich Energie mit dem Angreifer vertraglich auf eine Zusammenarbeit einigen kann. Laut Wollitz gab es dazu noch keine Gespräche. Der Trainer sagt: „Wir haben erst einmal zugesagt, dass wir Kevin ein bisschen unter die Arme greifen können. Mehr ist noch nicht besprochen.“

Gleichzeitig bestätigt Wollitz erneut, dass Energie aktuell nach einem Angreifer suche, der sofort weiterhelfen könne. Nach den Ausfällen von Streli Mamba (Hüftverletzung), Benjamin Förster (Riss des Syndesmosebandes), Felix Geisler (Sprunggelenksentzündung) und Björn Ziegenbein (Knie-Operation) fehlen Energie vier potenzielle Kandidaten für den Angriff. Der Regionalliga-Spitzenreiter spielt aktuell notgedrungen ohne nominellen Angreifer. Wollitz versucht, den gelernten Abwehrspieler Gabriel Boakye (19) umzuschulen, Innenverteidiger Malte Karbstein (19) durfte ebenfalls schon ganz vorn sein Glück versuchen. Deshalb will Wollitz das Team in der Offensive unbedingt verstärken. Einiges dürfte bei den Planspielen nun auch davon abhängen, ob Scheidhauer in den kommenden Wochen im Energie-Training vielleicht doch einmal hervorsticht.