ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 07:30 Uhr

Emotionale Pressekonferenz bei Energie Cottbus
Wollitz: „Ich weine - weil es weh tut“

 Er fühle sich wie ein Schwerverberecher, erklärt Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz.
Er fühle sich wie ein Schwerverberecher, erklärt Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz. FOTO: fotostand / Fotostand / Weiland
Cottbus. Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz ist sauer wegen der Sperre. Im wichtigen Heimspiel am Samstag gegen Kaiserslautern muss er auf der Tribüne sitzen. Die RUNDSCHAU erklärt die Hintergründe der emotionalen Pressekonferenz. Von Frank Noack

„Mir wurden gerade die Handschellen abgenommen. Ich bin jetzt Freigänger.“ Der Einstieg in die Pressekonferenz von Trainer Claus-Dieter Wollitz zwei Tage vor dem extrem wichtigen Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern fiel ziemlich drastisch aus. Wegen einer Innenraumsperre darf Wollitz am Samstag (14 Uhr, LR-Liveticker) nicht wie gewohnt auf der Trainerbank sitzen, sondern muss die ­Partie von der Tribüne aus verfolgen.

Für den FCE geht es am Samstag um viel, sehr viel sogar. Nach dem desolaten Auftritt bei der 1:2-Niederlage in Jena am vergangenen Wochenende beträgt der Abstand auf die Nichtabstiegszone der 3. Fußball-Liga derzeit zwei Punkte. Der Aufsteiger hat nur noch sechs ­Spiele Zeit, um den erneuten Sturz in die Regionalliga zu verhindern.

„Einer der schlimmsten Tage“

Für Wollitz wird es nach eigenem Bekunden „einer der schlimmsten Tage, weil ich die Mannschaft nicht begleiten kann“. Bei der überaus emotionalen Pressekonferenz am Donnerstagmittag im Stadion der Freundschaft gab der Coach einen tiefen Einblick in sein Gefühlsleben und beklagte dabei nicht nur die aus seiner Sicht vorhandene Benachteiligung sowie das negative Image von Cottbus aufgrund der politischen Gemengelage in der Stadt („Wann hört das endlich auf? Was haben wir verbrochen?“).

An diesem Freitag vor genau drei Jahren kehrte der Coach in die ­Lausitz zurück. Es ist sein zweites Engagement beim FC Energie nach 2009 bis 2011. Ein Mann der klaren Worte war er schon immer. Aber selten waren sie so drastisch wie diesmal. Dass Wollitz sein Jubiläum nicht auf der Bank feiern kann, sondern in diesem wichtigen Spiel auf der Tribüne sitzen muss, wurmt den Coach gewaltig. „Ich bin in den 16 Jahren als Trainer noch nie gesperrt worden. Ich fühle mich wie ein Schwerverbrecher“, betont ­Wollitz und ergänzt: „Ich bin nicht so hart, wie ich immer dargestellt werde. Auch ich weine, weil es richtig weh tut, wie man behandelt wird. In bin meinen Pflichten der Bundesrepublik Deutschland immer nachgekommen. Ich bin dreifacher Familienvater und zahle meine Steuern immer pünktlich. Mir wird die Arbeit entzogen, weil ich über das Ziel hinausgeschossen bin. Ich finde das beschämend.“

Kaputte Scheibe in Zwickau

Auslöser der Sperre ist das Spiel beim FSV Zwickau. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) belegte den Energie-Trainer wegen eines „fortgesetzten unsportlichen Verhaltens mit einem Innenraumverbot“. Wollitz hatte sich am 25. März in Zwickau nach dem Schlusspfiff lautstark bei Schiedsrichter Justus Zorn beschwert, dabei allerdings auch seine Spieler immer wieder zurückgehalten. Zudem beschädigte der Coach während der Partie eine Plexiglasscheibe auf der Trainerbank. Dafür entschuldigte er sich anschließend beim FSV Zwickau und bot an, den entstanden Schaden zu ersetzen.

Die Sperre basiert auf einem Sonderbericht des Schiedsrichters sowie auf einem  Bericht, den der offizielle DFB-Spielbeobachter anfertigte. Ursprünglich sollte Wollitz sogar für zwei Partien gesperrt werden. Dass die Sperre nun auf ein Spiel sowie 2000 Euro Strafe reduziert wurde, ist für den Coach kein Trost. Im Gegenteil: Wollitz hätte lieber eine höhere Strafe gezahlt, um am Samstag gegen Kaisers­lautern auf der Bank sitzen zu können. „Sechs Spieltage vor Schluss nimmt man den Trainer nicht weg von der Mannschaft. Da gibt man entweder eine höhere Geldstrafe oder setzt die Strafe zur Bewährung aus“, betont er, denn: „Es ist eine Beeinträchtigung im ­Abstiegskampf.“

Appell an die Energie-Fans

Claus-Dieter Wollitz wird sich das Spiel  – notgedrungen – von der ­Tribüne aus ansehen und hofft auf eine große Kulisse. Etwa 1000 Fans werden aus Kaiserslautern erwartet. Das deutet auf eine Zuschauerzahl im Bereich von 8000 bis 9000 Besuchern im Stadion der Freundschaft hin.  „Die Energie-Fans waren schon so oft der 12. Mann.  Wenn ich auf der Tribüne sitze, dann bin auch ich Fan“, versichert der Coach.

Nach dem Schlusspfiff will Wollitz dann am liebsten gemeinsam mit den Fans einen Heimsieg bejubeln. Mit Blick auf seine Sperre merkt „Freigänger“ Wollitz unüberhörbar sarkastisch an: „Ich werde mich aber erst noch erkundigen, ob ich dann überhaupt mitjubeln darf.“