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| 18:02 Uhr

Angreifer kämpft um Vertrag in Cottbus
Energie-Stürmer Nebihi: Familie statt Weltreise

 Am Mittwoch in Großräschen: Bajram Nebihi (r.) erzielt zwei Treffer als Probespieler des FC Energie.
Am Mittwoch in Großräschen: Bajram Nebihi (r.) erzielt zwei Treffer als Probespieler des FC Energie. FOTO: Peter Aswendt
Cottbus. Bajram Nebihi hat bereits bei 17 Vereinen gespielt. Nun bewirbt sich der Stürmer um einen Vertrag bei Energie Cottbus. Nach einem bewegten Fußballer-Leben will er endlich sesshaft werden. Von Frank Noack

Es gehört zum Fußball­geschäft dazu, dass Spieler kommen und gehen – vor allem jetzt in der Vorbereitungszeit: junge und ­ältere Spieler, große und kleine ­Spieler, ­erfahrene und noch nicht so erfahrene Spieler. Sie alle ver­suchen, ­wieder ­einen mehr oder weniger ­lukrativen Vertrag als Profifuß­baller zu ergattern.

Bei Energie Cottbus sind derzeit insgesamt acht Probespieler im Einsatz. Längst nicht alle werden bis zum Saisonstart in gut drei  Wochen einen Vertrag bekommen. Beim 18:0-Testspielsieg des FCE am Mittwochabend gegen den SV Groß­räschen stellte sich mit Bajram ­Nebihi (30) ein Kicker vor, den man getrost als Weltreisenden in Sachen Fußball bezeichnen darf. Denn: In den bisherigen 15 Jahren als Fußballer hat der im Kosovo geborene Kicker bereits für 17 Clubs auf der ganzen Welt gespielt. „Es hat sich halt so ergeben. Man weiß nie, wo dich der Fußball hintreibt und wo man Spaß hat“, sagt Nebihi im Gespräch mit der RUNDSCHAU.

„Letzten Endes geht es um das Geld“

Iran, Türkei, Finnland, Thailand und zuletzt Kosovo – hinter dem Offensivspieler liegt eine echte Weltreise. Für Union Berlin hat er in der Saison 2014/15 neun Partien in der 2. Liga absolviert. Zu seinen Mitspielern gehörten damals unter anderem Sebastian Polter, Benjamin Köhler und für kurze Zeit auch Torsten Mattuschka. Danach zog es Nebihi weiter zu den Stuttgarter Kickers. 2016 wollte Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz den Stürmer schon einmal nach Cottbus holen. Stattdessen machte sich ­Bajram ­Nebihi damals wieder auf, um die Welt fußballerisch zu erkunden.

Natürlich lernt man dabei Land, Leute und Kulturen kennen; die einzelnen Fußball-Ligen sowieso. In einem Interview mit dem Internetportal tm.de hat Nebihi vor zwei Jahren allerdings eingeräumt, dass bei seinen Weltreisen natürlich auch das Finanzielle eine wichtige Rolle spielt. „Letzten Endes geht es für mich um das Geld. Ob ich jetzt in Dubai oder Thailand spiele – ­wichtig ist, was ich verdiene“, ­sagte er ­damals in dem Interview.

„Ich war nicht der Disziplinierteste“

Sein Blick auf die eigene Karriere fällt ehrlich und selbstkritisch aus: „Ich war nicht der Disziplinierteste und nicht der Schlauste, aber ich habe mich immer wieder zurückgekämpft und nie aufgegeben. Ich habe nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen, aber damit muss man leben.“

Dass die fußballerische Weltreise von Bajram Nebihi nun ausgerechnet bei Energie Cottbus zu Ende gehen könnte, wäre natürlich eine schöne Pointe. Zumal Nebihi ge­radezu ins Schwärmen gerät über seinen möglichen neuen Arbeit­geber. „Energie Cottbus ist ein ­Traditionsverein. Die Jungs in der Mannschaft sind cool, der Trainer super“, erzählt er nach dem Einstand mit zwei Treffern beim Testspiel in Großräschen.

Soweit so super. Aber mit Pointen ist das im Fußballgeschäft so eine Sache. Es geht vor allem um praktische Dinge. Im Fall von ­Bajram Nebihi ist es die Familie, die ihn nun dazu bewogen hat, wieder hier in Deutschland zu spielen anstatt in Thailand. Seine Frau ist schwanger, München der Lebensmittelpunkt der Familie. „Wenn man viel in der Welt unterwegs ist, vermisst man natürlich sein Zuhause und die ­Familie“, räumt Nebihi ein.

Deshalb bewirbt er sich derzeit bei verschiedenen Vereinen. Am vergangenen Wochenende trug er das blaue Trikot der VSG Altglienicke, am Mittwoch das Rot von ­Energie Cottbus. Ob er dem FCE beim Neuaufbau weiterhelfen kann, mag ­Trainer Claus-Dieter Wollitz nach nur einem Spiel allerdings nicht beurteilen. „Man sieht, dass er Bock auf Fußball hat“, erklärt ­Wollitz. „Aber ich würde mir wünschen, dass er mehr in den Strafraum geht. Das ist jedoch nicht seine Spielweise. Er lässt sich oft ins Mittelfeld zurückfallen und fordert den Ball. Es können aber nicht alle den Ball fordern. Es muss auch jemand in den Strafraum gehen.“

Zumal Bajram Nebihi dem Vernehmen nach schnell eine Entscheidung haben möchte, ob er einen Vertrag in Cottbus bekommt oder nicht. Dazu kann man sich beim FC Energie aber nicht durchringen.

Es spricht also einiges dafür, dass die Reise des Stürmers weitergeht.

Energie leiht Torhüter Lennart Moser (19) von Bundesligisten-Aufsteiger ­Union Berlin für eine Saison aus.

 Februar 2016: Bajram Nebihi (M.) spielt mit den Stuttgarter Kickers in der 3. Liga in Cottbus.
Februar 2016: Bajram Nebihi (M.) spielt mit den Stuttgarter Kickers in der 3. Liga in Cottbus. FOTO: imago/Aswendt / imago sportfotodienst
 Juli 2014: Bajram Nebihi (r./mit Baris Özbek) trifft per Kopf für ­Union Berlin im Testspiel bei Energie Cottbus.
Juli 2014: Bajram Nebihi (r./mit Baris Özbek) trifft per Kopf für ­Union Berlin im Testspiel bei Energie Cottbus. FOTO: imago/Matthias Koch / imago sportfotodienst