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Energie stößt sein eigenes System um

Der FC Energie hat sich mit drei Siegen in den ersten drei Spielen an die Tabellenspitze geschossen. Hier erzielt Marcelo (l.) das zweite Tor gegen Bautzen. Trotzdem ist Trainer Claus-Dieter Wollitz verärgert.
Der FC Energie hat sich mit drei Siegen in den ersten drei Spielen an die Tabellenspitze geschossen. Hier erzielt Marcelo (l.) das zweite Tor gegen Bautzen. Trotzdem ist Trainer Claus-Dieter Wollitz verärgert. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Eigentlich könnte doch bei Energie Cottbus eitel Sonnenschein herrschen. Genau so wie am Samstagnachmittag im Stadion der Freundschaft, als die Gastgeber bei sommerlichen Temperaturen mit dem 3:1 (2:0) gegen Budissa Bautzen den dritten Sieg im dritten Saisonspiel holten und damit die Tabelle der Fußball-Regionalliga Nordost weiter anführen. Frank Noack

Allerdings kassierte der FCE in diesem hitzigen Lausitz-Derby auch zwei rote Karten, die gravierende Folgen für die kommenden Wochen haben und Trainer Claus-Dieter Wollitz die Freude am Sieg gegen Bautzen gründlich verhagelten. "Es können sich jetzt alle über den Sieg freuen. Ich freue mich nicht! Ich habe nämlich die Folgen zu bearbeiten", erklärt Wollitz.

So viel steht schon jetzt fest: Diese Folgen werden Energie verändern - und zwar spürbar. Verantwortlich dafür ist vor allem der viel diskutierte Platzverweis gegen Stürmer Benjamin Förster schon in der 17. Minute nach der Tätlichkeit gegen den Bautzener Tony Schmidt. Förster droht jetzt eine mehrwöchige Sperre durch das Sportgericht des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV).

Und einen gleichwertigen Ersatz als Sturmpartner für Streli Mamba hat Energie nicht im Kader. Die entsprechende Suche nach Verstärkung für den Angriff läuft zwar schon seit Wochen, blieb bislang aber erfolglos. Deshalb muss Wollitz wohl schweren Herzens doch wieder auf die Taktik mit nur einer Spitze umstellen, von der man sich nach den Erfahrungen der zurückliegenden Saison eigentlich längst verabschiedet hatte.

"Wir müssen in der Offensive jetzt komplett umstellen. Darunter werden einige Spieler leiden", sagt der Energie-Trainer. Was Wollitz meint: Bisher hat Energie in allen drei Partien mit den eher zen tral ausgerichteten Mittelfeldspielern Maximilian Zimmer, Marcelo und Fabio Viteritti hinter den Sturmspitzen Förster und Mamba gespielt. Dieser Offensivverbund war gemeinsam für das Gegenpressing verantwortlich, also für die Zurückeroberung des Balles.

Dieses Gegenpressing hat in den ersten drei Spielen sehr ordentlich funktioniert. Energie war quasi auf dem Weg zu einer Gegenpressing-Maschine. "Sie haben uns erdrückt", räumte beispielsweise Trainer Dietmar Demuth nach der 0:5-Niederlage in Cottbus ein.

Ohne Förster muss die Energie-Maschine neu zusammengebaut werden. Mit seiner Tätlichkeit hat der Stürmer - natürlich wider Willlen - einen Systemwechsel provoziert. "Wir werden Mittelfeldspieler opfern müssen", erklärt Wollitz mit Blick auf seine offensive Zentrale. Es könnte also wieder auf ein 4-2-3-1 wie im Vorjahr hinauslaufen. Oder aber Felix Geisler bekommt eine Chance in der Startelf, um die Außenbahn zu stärken.

Die entscheidende Szene, die nicht nur das Spiel am Samstag vor 5113 Zuschauern im Stadion der Freundschaft veränderte, passierte bereits in der 17. Minute, als sich Benjamin Förster vom Bautzener Tony Schmidt provozieren ließ. Die TV-Bilder zeigen, wie Schmidt dem am Boden hockenden Förster absichtlich auf den linken Fuß tritt. Sie zeigen aber auch, wie der FCE-Stürmer danach aufspringt und den Provokateur wütend gegen die Schulter rempelt. Dass Schmidt daraufhin theatralisch zu Boden stürzt und sich den Kopf hält, machte Förster nach dem Abpfiff gleich noch mal wütend. Er übt harte Kritik und wirft seinem Gegenspieler vor, dass er "Theater spielt". Förster zur RUNDSCHAU: "Als ich ihn berühre, fällt er wie vom Blitz getroffen zu Boden. Wer so zutreten kann, der sollte wenigstens stehen bleiben. Ich hoffe, auf den TV-Bildern sieht man, dass die Provokation von ihm ausging."

Trainer Wollitz hat für die Vorgeschichte der Tätlichkeit übrigens nur bedingt Verständnis. "Das darf nicht passieren, selbst wenn es vorher ein Foul war. Emotionen gehören zwar dazu - aber keine Tätlichkeiten", betont er. Zumal Energie in der 77. Minute mit Gelb-Rot gegen José-Junior Matuwila wegen wiederholten Foulspiels einen weiteren Spieler verlor.

Diese doppelte Unterzahl macht das 3:1 gegen Bautzen dann doch wieder zu einem bemerkenswerten Ergebnis. Mamba hatte die Gastgeber bereits in der 4. Minute in Führung gebracht. Unmittelbar nach dem Platzverweis gegen Förster traf Marcelo (21.) zum 2:0. Kurz nach der Pause verkürzte Daniel Hänsch zwar auf 1:2 (48.) aus Sicht der zunächst chancenlosen Gäste, aber der eingewechselte Geisler sorgte mit dem 3:1 (68.) für die Vorentscheidung, obwohl kurz danach Matuwila vom Platz flog. "Wenn es weiter nur 2:1 gestanden hätte, wäre es in der Schlussphase sicher noch mal ganz eklig geworden", ahnt Geisler.

Trotzdem hat Energie den Sieg mit zwei unnötigen Platzverweisen teuer bezahlt. "Eigentlich können wir uns im Moment nur selbst schlagen. Entweder, weil wir zu passiv werden oder uns das Leben durch einen Platzverweis schwer machen." In diesem Fall waren es sogar zwei rote Karten.

Zum Thema:
FCE-Stürmer Benjamin Förster droht nach seiner roten Karte wegen Tätlichkeit im Spiel gegen Budissa Bautzen (3:1) eine mehrwöchige Sperre durch das Sportgericht des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV). Sie gilt aber nur für die Spiele in der Regionalliga. In der Pokalpartie gegen Bundesliga-Aufsteiger VfB Stuttgart am Sonntag um 18.30 Uhr kann der Stürmer also mitwirken. Trainer Claus-Dieter Wollitz hat jedoch angekündigt, dass er den Rotsünder im Pokalspiel nur auf die Bank setzen will, um damit auch ein Zeichen zu setzen. "Ich werde ihn gegen Stuttgart nicht dafür noch belohnen. Wir brauchen Disziplin, wenn wir unsere Ziele erreichen wollen", erklärt der Energie-Coach.