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| 18:01 Uhr

Fußball
Energie setzt auf guten Geist statt Geld

Wollitz: „Unsere Spieler sind euphorisch und hochmotiviert.“
Wollitz: „Unsere Spieler sind euphorisch und hochmotiviert.“ FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Die Mitaufsteiger 1860 München und Uerdingen lassen es auf dem Transfermarkt krachen, weil Investoren viel Geld für Neuverpflichtungen zur Verfügung stellen. In Cottbus will und muss man einen anderen Weg gehen. Von Frank Noack

Die Liste der Neuzugänge strotzt nur so vor hochkarätigen Namen. Quirin Moll, Dennis Daube, Stefan Aigner, Stefan Lex – sie alle haben schon in der Bundesliga oder in der 2. Liga gespielt. Die beiden Drittliga-Aufsteiger 1860 München und KFC Uerdingen lassen es derzeit auf dem Transfermarkt ­richtig krachen. München sicherte sich die Dienste vom früheren Dynamo-Dresden-Profi Moll, der zuletzt für Eintracht Braunschweig spielte. Lex kommt vom FC Ingolstadt. Der Neu-Uerdinger Aigner hat 126 Partien in der Bundesliga ab­solviert. Und Daube war zuletzt bei Union Berlin unter Vertrag.

Klar ist schon jetzt: Beide Clubs gehen einen anderen Weg als Mitaufsteiger Energie Cottbus. Die Lausitzer haben mit Abdelkadir Beyazit und Daniel Stanese erst zwei neue Spieler für die Mission Klassenerhalt in der 3. Liga verpflichtet. In ihren Lebensläufen steht nix von Bundesliga oder 2. Liga. Beyazit kommt aus der Regionalliga vom SV Babelsberg, Stanese wechselt vom Drittligisten VfR Aalen zum FCE.

Klangvolle Namen wie Aigner & Co. wird es wohl in diesem Transfersommer bei Energie Cottbus nicht geben. Und das ist auch gut so, findet Trainer Claus-Dieter Wollitz. „Wir werden auch weiterhin Spieler holen, wo jeder sagt: ‚Warum holt Energie Cottbus diese Spieler?‘“, erklärt Wollitz und gibt die Antwort auch gleich selbst: „Weil wir diese Spieler entwickeln wollen. Und weil wir mit diesem Beute­schema in den vergangenen beiden Jahren sehr gut gefahren sind.“

Dieses Beuteschema ist die Basis für die erfolgreiche Vorsaison mit dem Aufstieg und dem Landespokalsieg. Nach dem Abstieg in die Regionalliga musste Wollitz im Sommer 2016 eine komplett neue Mannschaft formen. Um die Routiniers Marc Stein und Tim Kruse baute er eine junge, hungrige Mannschaft mit vielen entwicklungsfähigen Spielern. Und genau diese Spieler – zum Beispiel Maximilian Zimmer, Fabio Viteritti und Marcelo de Freitas Costa – bekommen nun auch in der 3. Liga das uneingeschränkte Vertrauen. „Wir haben diese Mannschaft jetzt zwei Jahre begleitet. Die Spieler haben sich mit dem Verein und dem Projekt identifiziert. Und jetzt, wo das Ziel Aufstieg erreicht ist, sagt man diesen Spielern: ‚Dankeschön, aber wir holen jetzt andere Spieler?!‘. Das kann nicht der Weg von Energie Cottbus sein“, betont Wollitz. „Wir sind absolut überzeugt, dass sich die Jungs in der 3. Liga entwickeln. Wir haben als Mannschaft die Qualität, um den Klassenerhalt zu schaffen.“

Energie muss allerdings auch aus der Not eine Tugend machen. Denn sowohl 1860 München als auch der KFC Uerdingen sind Sonderfälle als Aufsteiger in die 3. Liga, weil beide Clubs finanzstarke Investoren hinter sich haben. 1860 München hat in den vergangenen Jahren viele Millionenspritzen des jordanischen Geschäftsmannes Hasan Ismaik bekommen. In Uerdingen plant der Russe Mikhail Ponomarev den schnellstmöglichen Durchmarsch in die 2. Liga.

Energie-Trainer Wollitz beobachtet natürlich die regen Transfer-­Aktivitäten der Mitaufsteiger – durchaus mit einer gewissen Skepsis. „Wo steht denn geschrieben, dass es automatisch zum Erfolg führt, wenn der Investor mit den Scheinen wedelt? Dort müssen die Aufstiegshelden jetzt um ihre Stammplätze bangen. Genau das wollten wir verhindern, weil es strategisch ein großer Fehler gewesen wäre. Unsere Spieler sind euphorisch und hochmotiviert. Wir sind eine eingespielte Truppe mit einer klaren Hierarchie.“

Statt auf Geld setzt Energie beim Kampf um den Klassenerhalt also auf den guten Geist innerhalb der Mannschaft. „Dieser Teamgeist ist unsere Stärke. Wir sind jetzt zwei Jahre lang gemeinsam diesen Weg gegangen. Jetzt freuen wir uns alle auf das 3. Jahr“, meint Innenverteidiger José-Junior Matuwila.

Ein weiterer Vertrauensbeweis für die Aufstiegshelden: Laut ­Wollitz seien „viele gute Spieler angeboten worden“. Zu Verhandlungen ist es aber nicht gekommen. „Weil wir auf diesen Positionen top besetzt sind.“

In Uerdingen, wo der Ex-Cottbuser Stefan Krämer auf der Trainerbank sitzt, werden derweil weiterhin große Namen diskutiert. Laut „Reviersport“ sei der KFC an ­Alexander Baumjohann dran. Krämer hat zwar dementiert – aber nur den Namen Baumjohann und  nicht das Beuteschema mit dem Etikett ehemaliger Bundesliga-Profi. Natürlich sucht auch Energie noch Verstärkungen für die am 27. Juli startende Saison. Ein Linksverteidiger und ein Offensivspieler für die rechte Außenbahn stehen  auf der Wunschliste mit einem ausdrücklichen Dringlichkeitsvermerk. Aber es bleibt dabei: Entwicklungspotenzial ist dem FCE in diesen Tagen wichtiger als ein klangvoller Name wie Aigner & Co.

Welche Strategie teurer ist, steht jetzt schon fest. Welche erfolgreicher ist, wird die neue Saison zeigen.