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Energie-Rettung durch den "ziemlich besten Freund"

Sportlich scheint der FCE auf dem Weg der Besserung – im wirtschaftlichen Bereich hat der Verein nun zumindest einen wichtigen Schritt getan.
Sportlich scheint der FCE auf dem Weg der Besserung – im wirtschaftlichen Bereich hat der Verein nun zumindest einen wichtigen Schritt getan. FOTO: Beyer
Cottbus. Ein geheimer Vertrauter des Präsidenten zeichnet Genussscheine des FCE und schließt so beim angeschlagenen Club eine Finanzlücke im mittleren sechsstelligen Euro-Bereich. Jan Lehmann

Dass die finanzielle Lage des FC Energie alles andere als rosig ist, war seit dem Abstieg aus der 3. Liga bekannt. Doch wie angeschlagen der Verein wirklich ist, wird erst jetzt deutlich. Energie-Präsident Michael Wahlich macht in einem Interview auf der Energie-Homepage deutlich, dass der Verein nur dank der Hilfe eines geheimen Gönners eine Finanz lücke im mittleren sechsstelligen Bereich schließen konnte. Wer der Retter ist, möchte er nicht ver raten (siehe Extra-Interview).

Wahlich berichtet: "Ich konnte einen ziemlich besten Freund meiner Familie dazu bewegen, Genussscheine zu zeichnen. Dadurch ist es uns gelungen, die Diskussionen über Finanzlücken ohne große Öffentlichkeit abzuwenden und letztlich ein positives Eigenkapital darzustellen." Heißt: Nur durch den Verkauf dieser Wertpapiere (siehe Infobox) bleibt dem Verein eine Schicksalsdebatte erspart. Denn der FC Energie stand zum Jahresabschluss 2016 de facto vor einem Scherbenhaufen. Wahlich verdeutlicht: "In den zurückliegenden vier Jahren wurden in Summe fast vier Millionen Euro Verluste erwirtschaftet. Das ist im Fußballgeschäft zwar nichts Ungewöhnliches, kritisch wird es aber dann, wenn das Eigenkapital des Vereins aufgebraucht ist."

Und das war bei Energie der Fall: Zum Jahresabschluss 2015 bilanzierte der Verein noch ein Eigenkapital von 4000 Euro. Im Katastrophenjahr 2016, in dem der Club nach 19 Jahren Profi-Fußball in die Viertklassigkeit abrutschte, stand laut Wahlich ein "Jahresfehlbetrag im mittleren sechsstelligen Bereich". Dass der vor allem aus dem ersten Halbjahr stammt, als der Verein sich mit neuem Coach Vasile Miriuta, drei Wintertransfers sowie dem nochmaligen Trainerwechsel hin zu Claus-Dieter Wollitz in der 3. Liga halten wollte, ist naheliegend.

Die neue Regionalliga-Elf, die unter großem Sparzwang zusammengestellt wurde und bis auf eine Ausnahme keine Siegprämien ausgezahlt bekommen hat, kann angesichts des noch immer ansehnlichen Zuschauerschnitts von 4984 Gästen pro Spiel kaum so große Verluste eingefahren haben.

Die größten Einbußen musste Energie beim Fernsehgeld verzeichnen. Wo es zu Erstliga-Zeiten bis zu 17 Millionen Euro pro Saison gab und zuletzt in der 3. Liga immerhin noch 800 000 gezahlt wurden, gibt es jetzt nur noch einen vernachlässigbaren Betrag. Auch in anderen Bereichen muss Energie deutlich Abstriche machen. "Mit dem Abstieg haben wir 500 000 Euro Sponsoreneinnahmen und 300 000 Euro Zuschauererlöse verloren" rechnete Wahlich in der Berliner "Tageszeitung" vor.

Diese Offenheit kommt offenbar gut an. Wahlich berichtet von "überraschend positiver Resonanz" aus Gesprächen mit Mitgliedern und Sponsoren. Dieser Rückenwind ist dringend nötig, denn der bevorstehende Weg zur Konsolidierung wird kein leichter. Zuletzt wurde offen über die Erhöhung des Mitgliedsbeitrags gesprochen, auch die Erhöhung der Ticketpreise sei für die kommende Saison kein Tabu, kündigt Wahlich weitere Schritte an.

Der Präsident weiß vermutlich genau: So einen Glücksfall wie einen "ziemlich besten Freund" gibt es nicht zweimal im Leben.

Zum Thema:
(dpa) Genussscheine sind je nach Ausgestaltung entweder mit Aktien oder mit Anleihen vergleichbar. "Die Anleger sind weder Eigentümer mit Stimmrecht noch Gläubiger mit festen Zinsansprüchen", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale. Der Nachteil: "Der Anleger haftet voll für Verluste, ohne selbst mitbestimmen zu können." Genussscheine haben meist eine begrenzte Laufzeit - sie endet mit Ablauf der Frist, Kündigung oder Rückzahlung. Ihr Zins ist variabel. Häufig hängt er von der Ertragsentwicklung ab. Das bedeutet: "Der Herausgeber muss unter Umständen nur zahlen, wenn er auch Gewinne macht", so Nauhauser.