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| 17:50 Uhr

Interview
FCE-Präsident Wahlich: „Zaubern kann hier keiner“

Energie-Präsident Wahlich weiß, dass der Kader noch einmal verstärkt werden muss.
Energie-Präsident Wahlich weiß, dass der Kader noch einmal verstärkt werden muss. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Kurz vor Ende der Transferperiode deutet Energie-Präsident Michael Wahlich Neuzugänge für den FCE an. Er stellt aber auch Bedingungen und spricht über die finanziellen Grenzen sowie sein Verhältnis mit Trainer Wollitz. Von Jan Lehmann

Michael Wahlich, am Freitag endet die Transferperiode und die Energie-Fans fragen sich: Holt der FCE noch Verstärkung für die Mannschaft?

WAHLICH: Ich weiß, dass die Frage im Raum steht, aber die Antwort darauf ist ziemlich schwierig.

Trainer Claus-Dieter Wollitz hat gesagt: „Wenn der Verein kommen sollte und sagt: ,Trainer, Sie dürfen noch neue Spieler holen‘, dann wären wir sofort bereit.“ Fühlen Sie sich von ihm unter Druck gesetzt?

WAHLICH: Nein, Druck ist das falsche Wort. Aber natürlich sorgen diese Aussagen für Unruhe.

Es wirkt so, als ob Sie als Präsident und Wollitz als Trainer derzeit nicht immer auf einer Wellenlänge liegen. Trügt das?

WAHLICH: Ja. Auch die Behauptung, wir würden unser Handeln nicht miteinander abstimmen, ist falsch. Es ist alles klar besprochen, ob es Abgänge oder Zugänge betrifft. Aber zu einem gewissen Grad ist Pele Wollitz eben auch sehr emotional, da ist er halt immer für eine Überraschung gut.

Können Sie verstehen, dass Wollitz den Kader noch verstärken will?

WAHLICH: Ja. Ganz klar. Man hat in den ersten fünf Spielen gesehen, dass die Mannschaft in der 3. Liga bestehen kann. Aber man hat auch gesehen, dass das nur unter enormem Kraftaufwand funktioniert. Da braucht man schon sehr viel Glück, um durch die lange Saison zu kommen. Und dieses Glück hat uns mit der Verletzung von Kevin Scheidhauer ja schon früh wieder verlassen.

Wollitz sagt, dass der Verein sich nun entscheiden müsse, ob er investieren will.

WAHLICH: Diese Formulierung ist unglücklich. Die Frage wäre dann: Wer konkret ist denn der Verein? Am Ende muss der Sportdirektor, der in dem Fall ja auch Pele Wollitz ist, uns Konzepte oder Vorschläge unterbreiten, die wir als Präsidium bewerten und bestätigen müssen.

Gab es diese Vorschläge? Hat Wollitz Ihnen also Spieler genannt, die er verpflichten möchte?

WAHLICH: Nicht wirklich.

Der Trainer sagt auch, dass der Verein aktuell nicht in der Lage sei, weitere Spieler zu holen. Wir fragen uns: Warum?

WAHLICH: Auf diese Frage gibt es keine allumfassende Antwort. Wir, die Verantwortlichen, müssen immer versuchen, mehr Einnahmen als Ausgaben zu generieren. Wer an der Stelle was von „ins Risiko gehen“ faselt, hat keine Ahnung. Plus und minus sollte man unterscheiden können. Wenn geplante Einnahmen nicht kommen, muss man halt Ausgaben anpassen! Wer haftet denn, die Fans?

Machen wir es konkreter: Sechs Spieler haben den Kader verlassen, nur zwei Neue sind dazu gekommen. Aus TV-Geld und zentraler Drittliga-Vermarktung gibt es 1,28 Millionen Euro. Der Zuschauerschnitt lag im Vorjahr bei 5262 Gästen pro Spiel. In dieser Saison sind es bisher 9704 Zuschauer. Gefühlt nimmt Energie Cottbus mehr ein als in der Vorsaison.

WAHLICH: Wenn man nur diese drei Einnahmequellen betrachtet, ist das Gefühl sicher richtig. Doch beispielsweise sind die Gehälter deutlich gestiegen, Reisekosten sind beachtlich und geplante zugesagte Einnahmen sind offen. Auch die Zuschauerzahl ist ja nach drei Spieltagen nach dem Kracher gegen Rostock viel zu hoch angesetzt! Die Gesamtkosten für den Profi-Fußball können wir aus den genannten Einnahmen nicht stemmen. Ohne unsere Sponsoren ist hier weiterhin nichts möglich. Daran hat sich nichts geändert. Wir versuchen, den Verein weiter auf stabilen Füßen zu halten, auch wenn es uns bisher nicht gelungen ist einen überregionalen Sponsor zu gewinnen!

Also ist in dieser Transferperiode nichts mehr möglich?

WAHLICH: Das will ich so nicht sagen. Ein oder zwei Spieler könnten noch dazu kommen. Bedingung ist: Sie müssen ablösefrei sein und ins Gehaltsgefüge des Kaders passen. Und sie müssen der Mannschaft sportlich natürlich weiterhelfen.

Sind die in Sicht?

WAHLICH: Wir führen reichlich Gespräche, wir arbeiten tagtäglich daran. Denkbar ist ja auch, dass wir nach Ende der Transferperiode vereinslose Spieler nachverpflichten. Wir prüfen alle Möglichkeiten. Und ich sage es noch einmal ganz klar: Wir wissen, dass wir etwas machen müssen, um den Kader für diese schwierige Saison zu verstärken, aber zaubern kann hier keiner!