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| 17:07 Uhr

Fußball
Energie muss 7000 Euro für leere Fankurve zahlen

In Babelsberg wird es keine rot-weiße Fankurve geben.
In Babelsberg wird es keine rot-weiße Fankurve geben. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Die Vorkommnisse vom April 2017 beschäftigen beide Vereine auch beim Wiedersehen am Sonntag in Babelsberg. Ein Plakat sorgt schon im Vorfeld für viele Diskussionen. Von Frank Noack und Jan Lehmann

Fast schon beschwörend hat Kapitän Marc Stein das Motto für das brisante Gastspiel von Energie Cottbus beim SV Babelsberg ausgegeben. „Es geht um drei Punkte – wie in jedem anderen Spiel auch. Wir sollten uns aufs Fußballerische konzentrieren“, warnt Stein vor dem Anpfiff am Sonntag um 13.30 Uhr (LR-Liveticker, rbb-Livestream).

Und doch ist es alles andere als ein normales Spiel. Das liegt nicht nur an der seit Jahren tief verankerten Rivalität zwischen Energie und Babelsberg. Noch schwerer wiegt, dass der FCE nach den Tumulten vom 28. April 2017 beim letzten Aufeinandertreffen in Babelsberg diesmal ohne die Unterstützung der Fans auskommen muss. Das ist die Konsequenz aus dem Urteil des Nordostdeutschen Verbandes.

Es werden also – zumindest offiziell - keine Gäste-Anhänger im Karl-Liebknecht-Stadion sein. „Das beinhaltet, dass keine Insignien von Energie Cottbus, wie Schals oder Shirts zugelassen sind“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung beider Vereine in dieser Woche.

Vor knapp einem Jahr stand das Derby kurz vor dem Abbruch, weil sich beide Fanlager mit Pyrotechnik beschossen hatten und es zudem einen Platzsturm gab. Außerdem wurden im Gästeblock Naziparolen gegrölt.

Energie Cottbus geht mittlerweile konsequent gegen diese rechten Umtriebe vor. Mit Beginn der neuen Saison soll auch die bereits im vergangenen Jahr angekündigte Bevollmächtigten-Stelle für Vielfalt und Toleranz geschaffen werden, kündigte Medien-Koordinator Stefan Scharfenberg am Freitag an.

FCE-Trainer Claus-Dieter Wollitz hat nach eigenem Bekunden bei der Vorbereitung auf das Spiel ­keine Rücksicht auf die besonderen Umstände genommen. „Die Vorfälle vom vergangenen Jahr ­haben in unserer sportlichen Analyse keinen Platz“, betont Wollitz. „Wir wollen und können trotzdem das Spiel gewinnen, auch wenn so ein Derby mit der Unterstützung unserer Fans natürlich schöner wäre.“

Teuer zu stehen kommt dem Verein das Fehlverhalten seiner Anhänger sowieso. Denn der FC Energie muss nicht nur ohne seine Fans auskommen. Er wurde in dem damaligen Urteil auch noch zu einer „angemessenen Ausgleichszahlung“ an die Gast­geber für den ­leeren ­Gäste-Block verpflichtet. Nach RUNDSCHAU-Informationen handelt es sich dabei um eine ­Summe von 7000 Euro.

Ganz leer bleiben wird der Block allerdings nicht. Der SV Babelsberg will dort mit einem großen Plakat für seine Kampagne „Nazis raus aus den Stadien“ werben, bestätigt Vereins-Chef Archibald Horlitz auf RUNDSCHAU-Nachfrage.

Das Internetportal „Sportbuzzer“ berichtet, der SVB habe Unternehmen, Vereinen, Fangruppen und Einzelpersonen angeboten, für den Preis von 100 Euro eine etwa 100 Mal 50 Zentimeter große Fläche auf dem Banner zu besetzen. 140 dieser Flächen seien bis zum Donnerstag verkauft worden. Aus den Einnahmen sollen freie Fanprojekte bei ihrer Antidiskriminierungsarbeit und kleinere Vereine in ihrem Kampf gegen Rechts unterstützt werden.

Dieses Plakat ist allerdings nicht ohne Brisanz. Denn in Cottbus hat man die Befürchtung, dass öffentlich suggeriert werde, sämtliche Energie-Fans seien Nazis. Horlitz hat dazu eine andere Auffassung: „Ich kann diesen Vorwurf nicht teilen. Wir wissen sehr wohl, dass nicht alle Fans von Energie Cottbus Nazis sind. Aber es gibt nun mal eine größere rechte Gruppierung, die sehr aktiv ist. Umso mehr wissen wir die Bemühungen des Vereins zu schätzen, dieses Problem in den Griff zu bekommen.“