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Energie lehrt Chemie das Fußball-ABC

Der Beginn des Cottbuser Tor-Festivals: Benjamin Förster trifft in der 19. Minute zur 1:0-Führung für Energie.
Der Beginn des Cottbuser Tor-Festivals: Benjamin Förster trifft in der 19. Minute zur 1:0-Führung für Energie. FOTO: Steffen Beyer/sby9
Cottbus. "Einer geht noch, einer geht noch rein", skandierten die Anhänger von Energie Cottbus in der zweiten Halbzeit des Heimspiels gegen Chemie Leipzig am Mittwochabend im Stadion der Freundschaft. Dieses Lied könnte so etwas wie die Saisonhymne für die Spielzeit 2017/18 in der Fußball-Regionalliga-Nordost werden. Frank Noack, Sven Hering und Steven Wiesner

Nach dem 4:0-Auftaktsieg bei der TSG Neustrelitz wurde Aufsteiger Chemie Leipzig diesmal sogar mit 5:0 (1:0) abgefertigt und bekam schonungslos das Fußball-ABC der 4. Liga vorgeführt.

Das Tor-Festival der Gastgeber eröffnete Benjamin Förster in der 19. Minute. Vor 6764 Zuschauern fielen die weiteren Treffer dann in der zweiten Halbzeit. Maximilian Zimmer (52.), Fabio Viteritti (57.), erneut Förster (59.) und Streli Mamba (71.) schossen den zweiten Kantersieg heraus. "Ich habe heute zum ersten Mal nichts zu meckern. Jeder Spieler hat gezeigt, was er kann, ohne dabei überheblich zu sein. In dieser Form ist es schwer, uns zu verteidigen", lobt Trainer Claus-Dieter Wollitz.

Der von etwa 700 Fans in die Lausitz begleitete, letztlich aber überforderte Neuling aus Leipzig hätte gut und gerne auch mehr als ein Dutzend Gegentore kassieren können. Coach Dietmar Demuth konstatiert: "Cottbus spielt in einer anderen Liga. Damit können wir uns nicht messen. Energie hat uns mit der Offensivpower erdrückt."

Der FCE festigte mit dem zweiten Sieg im zweiten Spiel seine Spitzenposition. Cottbus führt die Tabelle jetzt mit sechs Punkten vor Union Fürstenwalde, Oberlausitz Neugersdorf und dem Berliner AK an (alle vier Punkte).

Grund zum Jubel gab es aus Gastgeber-Sicht schon vor dem Anpfiff. Denn der lange verletzte Jonas Zickert stand erstmals seit über einem Jahr wieder im Kader bei einem Pflichtspiel. Der 19-jährige Mittelfeldspieler hatte sich in der Abstiegssaison 2015/16 bei der vorletzten Partie in Erfurt einen Kreuzbandriss zugezogen und musste seitdem pausieren. Bei der Start formation setzte Trainer Wollitz auf jene elf Spieler, die auch am Sonntag in Neustrelitz begonnen hatten. Die Neuzugänge Andrej Startsev und Maximilian Zimmer beackerten wieder gemeinsam die rechte Außenbahn. Neu ist auch, dass Energie deutlich flexibler ist als in der vergangenen Saison. Während beim Auftakt in Neustrelitz noch Streli Mamba der Mann des Spiels war, drückte diesmal sein Sturmpartner Benjamin Förster dem Geschehen sofort seinen Stempel auf. Förster sprühte förmlich vor Spielfreude und hatte in der 15. Minute auch die erste Großchance, als er an einer Flanke von Fabio Viteritti an den langen Pfosten nur knapp vorbeirutschte. Mit dem Führungstor in der 18. Minute belohnte sich Förster dann für seinen couragierten Beginn. Nach toller Vorarbeit von Zimmer musste der 13-fache Torschütze der vergangenen Spielzeit kurz vor der Linie nur noch den Fuß hinhalten und kam damit zu seinem ersten Saisontreffer 2017/18. "Wir wollten von Anfang an keine Zweifel aufkommen lassen. Wir haben zwar auch einige Chancen vergeben, aber wir sind dran geblieben und haben verdient gewonnen", bilanziert Förster.

In der 40. Minute rettete nach einem Freistoß von Zimmer der Pfosten für die Gäste, bei denen der Ex-Cottbuser Julien Lattendresse einen arbeitsreichen Einstand erlebte. Der gebürtige Kanadier war vom Stadtrivalen Lok Leipzig kurz vor dem Saisonstart zum Aufsteiger nach Leutzsch gewechselt.

In der einseitigen Partie rollte eine Cottbuser Angriffswelle nach der anderen auf das Gäste-Tor zu. Leipzig konnte sich aus diesem Dauerdruck nur selten befreien. Torchancen für Chemie? Gab es praktisch nicht in diesem Spiel. Zudem kassierte Benjamin Schmidt in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit die gelb-rote Karte wegen wiederholten Foulspiels. Damit war das verzweifelte Bemühen des Aufsteigers, Energie Paroli zu bieten, im Prinzip gescheitert. Mit Beginn der zweiten Halbzeit schoss der FCE dann auch die weiteren Tore zu dieser Über legenheit.

Am Ende war Chemie Leipzig mit dem 5:0 gut bedient. "Spitzenreiter, Spitzenreiter", sangen die FCE-Fans nach dem Schlusspfiff. Auch dieses Lied hat aus Cottbuser Sicht durchaus Hit-Potenzial.

Weitere Infos, Stimmen und Bilder vom Heimspiel des FC Energie gegen Chemie Leipzig im Internet:

www.lr-online.de/fcenergie