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| 21:48 Uhr

Cottbus unterliegt Auerbach mit 1:4
Energie kassiert erschreckende Heimklatsche

 Sorgte mit seinem zwischenzeitlichen 1:1 für den einzigen Cottbuser Lichtblick: Berkan Taz (l., gegen Daniel Tarczal und Marcel Schlosser).
Sorgte mit seinem zwischenzeitlichen 1:1 für den einzigen Cottbuser Lichtblick: Berkan Taz (l., gegen Daniel Tarczal und Marcel Schlosser). FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Energie Cottbus kassiert im fünften Regionalliga-Spiel die dritte Niederlage und verliert gegen das bis dato punktlose Tabellenschlusslicht VfB Auerbach erstmals auch zuhause. Nach dem 1:4-Debakel gibt es sogar „Wollitz Raus“-Rufe. Von Steven Wiesner und Jan Lehmann

Energie Cottbus hat einen kaum für möglich gehaltenen Rückschlag im Kampf um die Regionalliga-Meisterschaft einstecken müssen und am Freitagabend eine 1:4-Heimniederlage gegen den VfB Auerbach kassiert. Währenddessen hat die Konkurrenz weiter eifrig Punkte gesammelt an der Spitze. Durch die Siege von Lok Leipzig (2:0 gegen Rathenow) und Hertha BSC II (1:0 gegen Berliner AK) ist Platz eins nach nur fünf Spieltagen bereits sieben Zähler entfernt.

Dabei legte Energie gut los. Keine 60 Sekunden dauerte es, da durfte die Nordwand schon die erste Ecke beklatschen. Berkan Taz schlug den Ball auf die Stirn von Jan Koch und der verpasste mit seinem Kopfball ans Quergebälk den Blitzstart (1.). Doch wer dachte, dass es in diesem Duktus weitergehen würde, wurde fix eines Besseren belehrt. Der Tabellenletzte aus dem Vogtland traute sich mehr und mehr in gefährliche Sektoren, wo sie unbequem waren. Und nach zehn Minuten ließ der Ex-Cottbuser Marc-Philipp Zimmermann die 5823 Zuschauer im Stadion der Freundschaft erstmals verstummen und ungläubig dreinschauen. Nach einer Flanke von der linken Seite hatte sich Neuzugang Axel Borgmann im Zentrum verschätzt und Zimmermann nickte den Ball scharf wie platziert ins lange Eck.

Ein Muster, das sich wiederholen sollte, da Tobias Hasse Auerbachs Ex-Profi Marcel Schlosser, der immerhin 33 Drittliga-Spiele für Chemnitz und Magdeburg machte, nie in den Griff bekam und am Flanken zu hindern vermochte. VfB-Trainer Sven Köhler hatte seine Hausaufgaben scheinbar gemacht und erkannt, dass Energies Abwehrverbund doch ziemlich zu verunsichern ist, wenn man nur hohe Flankenbälle in den Strafraum segeln lässt. Dabei war die Deckungsreihe doch reichlich unsortiert.

Cottbus selbst dagegen fand kein Rezept, um in der Offensive ein paar Stiche zu landen gegen den bis dato punktlosen Tabellenletzten, der gegen Altglienicke (1:4) oder Hertha BSC II (1:5) mitunter auch schon sehr deutlich verloren hat in dieser noch junge Spielzeit. Sollte es die Vorgabe von Trainer Claus-Dieter Wollitz gewesen sein, so viele Fehlpässe wie nur irgend möglich anzuhäufen, so setzte die Mannschaft die Vorgabe verlässlich um – andernfalls musste man sich über eine der erschreckendsten Vorführungen der letzten Jahre wundern. Wer die Sekunden zwischen Ballgewinn und Ballverlust mitzählen wollte, brauchte dafür jedenfalls keinen Taschenrechner, sondern einfach die ihm zur Verfügung stehenden Finger seiner beiden Hände.

 Traute seinen Augen nicht: Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz.
Traute seinen Augen nicht: Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz. FOTO: Steffen Beyer

So war es einzig und allein der herausragenden Schusstechnik von Taz zu verdanken, dass Energie im ersten Durchgang überhaupt Torgefahr ausstrahlte. Aus 25 Metern zentraler Position ließ ihm Auerbachs Mittelfeld ein paar Momente zu viel Ruhe, so dass sich die Union-Leihgabe den Ball zurechtlegen und die linke obere Ecke anvisieren konnte – und VfB-Schlussmann Maximilian Schlosser war geschlagen (20.).

Es war bereits das vierte Ligator für Taz im fünften Spiel. Nachdem er unter der Woche auch im Landespokal schon mit einem sehenswerten Freistoß traf, hatte Wollitz vor der Partie gesagt: „Ich wünsche ihm so ein Tor auch mal vor der vollen Nordwand.“ Gesagt, getan.

Doch alle anderen Wünsche blieben offen an diesem Abend. Nach dem erneuten Rückstand durch Alexander Morozow (31.) begleiteten die Energie-Fans ihre Spieler noch mit „Aufwachen, Aufwachen“-Sprechchören in die Halbzeitpause. Auch nach Wiederbeginn allerdings waren nur die wenigsten FCE-Spieler geistesgegenwärtig. Es gab weiterhin keine Struktur in der Spielanlage geschweige denn so etwas wie Pass- und Ballsicherheit. Dass das Eckenverhältnis nach 90 Minuten ein 2:7 aus Cottbuser Sicht anzeigte, sagt genug über den Spielverlauf aus. Und auch der Spielstand sah nicht charmanter aus. Durch Tore von Thomas Stock (73.) und wieder Zimmermann (88.) triumphierte Auerbach letztlich mit 4:1 im Stadion der Freundschaft. Im März 2017 hatte Auerbach schon einmal in Cottbus gewonnen (3:1). Anders als damals waren diesmal aber auch vereinzelte „Wollitz Raus“-Rufe nicht zu überhören.