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| 16:38 Uhr

Fußball
Energie kämpft gegen die Komfortzone

Energie und Torhüter Avdo Spahic (r.) kassierten beim 1:3 gegen Magdeburg die erste Testspiel-Niederlage nach zuvor vier Siegen.
Energie und Torhüter Avdo Spahic (r.) kassierten beim 1:3 gegen Magdeburg die erste Testspiel-Niederlage nach zuvor vier Siegen. FOTO: PressebŸro Schroedter / Christian Schroedter
Cottbus. Trainer Wollitz nutzt die jüngste Testspiel-Niederlage gegen Magdeburg zu einem dringenden Appell: Er fordert von seinem Team eine andere Gangart in der 3. Liga. Von Frank Noack

Dieses Spiel, vor allem die erste Halbzeit, hat beim FC Energie Cottbus intern gehörigen Staub aufgewirbelt. Das ist auch gut so, findet Trainer Claus-Dieter Wollitz. Genau genommen ist es wahrscheinlich sogar bitter nötig, wenn der Aufsteiger in die 3. Fußball-Liga beim Saisonstart am Sonntag in einer Woche im Heimspiel gegen Hansa Rostock bestehen will.

Am vergangenen Samstag bei der 1:3-Niederlage gegen den frisch gebackenen Zweitligisten 1. FC Magdeburg ging Wollitz direkt nach dem Halbzeitpfiff noch auf dem Rasen gemeinsam mit seinem Co-Trainer Frank Eulberg in die Analyse. Er gesti­kulierte, ruderte mit den Armen – und sprintete dann umgehend zu seiner Mannschaft in die Kabine. Die Spieler hatten offenbar ebenfalls einiges zu besprechen, was Kapitän Marc Stein, José-Junior Matuwila und Lasse Schlüter auch sofort auf dem Rasen in Barleben erledigten.

Denn Energie Cottbus hatte nicht nur die ­erste Niederlage nach zuvor vier Siegen in der Saisonvorbereitung kassiert, sondern vor allem in der ersten Halbzeit geradezu schonungslos seine Schwächen aufgezeigt bekommen. Sie lagen aus Sicht von Wollitz allerdings gar nicht so sehr im fußballerischen Bereich, sondern in erster Linie im Kopf. „Als wir am Montag in der Video-Analyse noch einmal die drei Tore sowie einige andere Szenen vorgeführt haben, waren einige Spieler regelrecht erschrocken“, berichtet Wollitz mit Blick auf die vielen kleinen Stellungsfehler, die vom höherklassigen Kontrahenten gnadenlos bestraft wurden.

Vor allem aber ärgerte sich Wollitz über das Fehlen der letzten Konsequenz bei einigen seiner Spieler; in den Zweikämpfen, in der Laufbereitschaft und auch in der geistigen Wachsamkeit. Der Coach wird deshalb nicht müde, seinen Spielern einzuimpfen, dass das Pensum aus der Regionalliga nach dem Aufstieg in die 3. Liga trotz des guten Teamgeistes nicht mehr reichen wird. „Da bin ich jetzt total konsequent. Ansonsten bleiben wir in der Komfortzone stecken. Wir liegen uns zwar in den Armen – aber die anderen ­holen die Punkte“, betont er.

Wie ernst es Claus-Dieter Wollitz damit ist, zeigte er bereits beim Test in Barleben gegen Magdeburg. Statt der ursprünglich geplanten zwei oder drei Wechsel in der Halbzeitpause holte er gleich sieben Spieler vom Rasen und ersetzte sie durch andere Profis. Darunter waren auch diverse Spieler, die in einer Woche gegen Rostock fest für die Start­formation eingeplant sind.

„Es war nicht vorgesehen, sieben Wechsel vorzunehmen. Aber wenn wir meinen, wir müssten weniger investieren und nur Fußball spielen, dann wird es nicht funktionieren“, ­moniert Wollitz mit Nachdruck.

Nun ist man bei Energie weit davon entfernt, sich vom Vertrauen in die erfolgreiche Aufstiegsmannschaft nach nur einer Niederlage zu verabschieden, was ja auch töricht wäre. Immerhin ist es immer noch jenes Team, das in der vergangenen Regionalliga-Saison zur Rekordausbeute von 89 Punkten gestürmt ist und darüber hinaus auch noch den Landespokal eingesackt hat. Und nein, auch Straftraining gab es beim FCE in dieser Woche nicht, wenn man mal von der schmerzhaften Video-Analyse absieht. Stattdessen sorgte ein Ausflug zum Minigolf für Abwechslung im Trainingsalltag.

Zumal die Situation durchaus vergleichbar ist mit dem Neuaufbau des Teams vor zwei Jahren. Nach dem Abstieg in die Regionalliga baute Wollitz im Sommer 2016 ein komplett neues Team zusammen. Und es stellten sich ähnliche Fragen wie jetzt: Wie schnell gewöhnt sich die Mannschaft an die neue Umgebung? Wie ist es wirklich um das Leistungspotenzial bestellt? Wie gehen die Spieler mit Rückschlägen um? „Auch damals wussten wir nicht, wo wir stehen. Das heißt nicht, dass ich damit in der aktuellen Situation beruhigen will. Ich glaube schon, dass wir uns entwickeln werden. Wir sind überzeugt davon, dass die Mannschaft das Potenzial hat, um den Klassenerhalt zu schaffen“, sagt Wollitz. Er fordert aber auch klipp und klar: „Wir müssen eine andere Gangart an den Tag legen. Und vielleicht müssen wir auch den einen oder anderen Spieler opfern, wenn es nicht funktionieren sollte. Die Realität ist knallharter Profifußball. Am Ende zählt nur eines: Du musst liefern!“

Im letzten Testspiel gegen den Regionalligisten Oberlausitz Neugersdorf an diesem Sonntag im Stadion der Freundschaft (Beginn um 13.30 Uhr, LR-Liveticker) trifft Energie zwar noch einmal auf einen Gegner aus der Vergangenheit. Es ist – bei allem Respekt vor Neugersdorf – eine Notvariante, weil sich die Duelle gegen spielstärkere Teams als Generalprobe aus den verschiedensten Gründen nicht rea­lisieren ließen. Aber es ist nach der Niederlage gegen Magdeburg trotzdem eine gute Gelegenheit für die Mannschaft zu zeigen, dass sie bereit für die Zukunft in der 3. Liga ist.

Trainer Claus-Dieter Wollitz will notfalls auch „Spieler opfern“.
Trainer Claus-Dieter Wollitz will notfalls auch „Spieler opfern“. FOTO: Steffen Beyer