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| 06:02 Uhr

Fussball
Energie holt sich in Würzburg eine Beule

Dominic Baumann nickt in der Mitte zum 3:0 für Würzburg ein, während sich Energie-Keeper Avdo Spahic vergeblich streckt.
Dominic Baumann nickt in der Mitte zum 3:0 für Würzburg ein, während sich Energie-Keeper Avdo Spahic vergeblich streckt. FOTO: Jan Huebner / Jan Huebner/Mueller
Würzburg. Die Cottbuser müssen im vierten Saisonspiel der 3. Liga mit 1:3 bei den Kickers die erste Niederlage hinnehmen. Von Jan Lehmann

So schmerzhaft sind also Drittliga-Niederlagen! Aufsteiger Energie Cottbus hat mit dem 1:3 (0:2) bei den Würzburger Kickers am Sonntag zum ersten Mal in dieser Saison einen Dämpfer bekommen. Oder vielleicht eher einen Gong – so wie Energie-Kapitän Marc Stein, der in der 44. Spielminute nach einem Ellbogenschlag an den Kopf wie ein getroffener Boxer zu Boden ging und danach benommen vom Platz taumelte.

Dass aus dieser Situation, die Schiedsrichter Tobias Fritsch aus Bruchsal fälschlicherweise weiterlaufen ließ, das 0:2 für die Würzburger entstand, war besonders bitter. Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz schätzte nach Spielende jedoch treffend ein: „Aus meiner Sicht war das ein Foulspiel, aber das hätte heute am Ergebnis wohl nicht so viel geändert.“ Stattdessen hätte seine Mannschaft in Würzburg gar mit 0:6 verlieren können, so Wollitz.

Doch schon die 1:3-Niederlage durch die Gegentreffer von Orhan Ademi (28.), Simon Skalartidis (44.) und Dominic Baumann (64.) war trotz des Ehrentores von Streli Mamba (90.) enttäuschend genug. Fabio Viteritti gab zu: „Jede Niederlage tut weh, aber diese besonders. Wir haben in der ersten Halbzeit einfach nicht genügend dagegen gehalten.“

Tatsächlich agierten viele Cottbuser unter Normalform und verloren zu viele Zweikämpfe. Trainer Wollitz monierte zudem, dass die einzelnen Mannschaftsteile viel zu weit auseinandergestanden hätten – für ein Drittliga-Auswärtsspiel keine gute Basis.

Dabei hätten die Cottbuser mit der breiten Brust des Überraschungs-Tabellenführers die bis dahin punktlosen und entsprechend verunsicherten Würzburger doch allein mit solider Defensivarbeit bei fortlaufender Spielzeit immer nervöser machen können. Stattdessen agierten die Lausitzer zu fehlerhaft. Negativhöhepunkt war das Gegentor zum 0:1 (28.). Linksverteidiger Lasse Schlüter hätte den Ball an der Seitenauslinie besser klären können, als ihn planlos in die Mitte zu schlagen. Der 26-Jährige erklärte selbstkritisch: „Das Gegentor geht ganz klar auf meine Kappe.“

Würzburg reagierte prompt, über Skalartidis kam der Ball zum Torschützen Ademi und schon war der Cottbuser Matchplan mit diesem unnötigen Gegentreffer über den Haufen geworfen. Denn eigentlich hatte Trainer Wollitz darauf gesetzt, in der zweiten Halbzeit mit der Einwechslung des schnellen Stoßstürmers Streli Mamba die Würzburger auszuhebeln. Doch bis dahin war das Spiel schon fast entschieden. Nach dem umstrittenen 2:0 (44.) durch Skalartidis kassierte Energie auch noch den dritten Treffer durch Baumann (64.), der eine von vielen Würzburger Chancen nutzte. Mambas spätes Tor nach der einzigen echten Cottbuser Chance (90.) war da nur ein kleiner Trost.

Dass die Mannschaft ohne den geschonten Spielmacher Maximilian Zimmer und anfangs auch ohne Torjäger Mamba auskommen musste (siehe Extratext), wollten die Akteure nicht als Ausrede gelten lassen. Kevin Scheidhauer, der erstmals in dieser Saison in der Startelf stand, betonte: „Ich glaube, dass die Spieler die heute dabei waren, alle genügend Qualität haben, um in Würzburg zu bestehen.“ Doch der Gegner sei frischer im Kopf gewesen, analysierte der 26-Jährige kurz nach Spielschluss.

Ein Fazit, das Trainer Wollitz bestätigte: „Man hat gesehen, dass es für uns nur funktioniert, wenn wir absolut frisch sind.“

Das war in Würzburg aber nach dem famosen Cottbuser Saisonstart nicht der Fall. Stattdessen ging dem Aufsteiger am Ende der ersten englischen Woche die Luft aus. Pechvogel Schlüter betonte: „Wir müssen jetzt die richtigen Lehren aus der Niederlage ziehen.“ Trainer Wollitz hatte da schon einen konkreten Lerneffekt im Blick: „Die Mannschaft muss jetzt auch englische Wochen lernen. Da kommen einige auf uns zu.“ Dazu gehöre auch, dass die Spieler notfalls von sich aus dem Trainer signalisieren, wenn sie sich nicht richtig fit fühlen.“

Vorerst trifft es sich ganz gut, dass die 3. Fußball-Liga eine Pause macht. Energie hat zwar dennoch die nächste englische Woche vor sich – ist aber wohl erst am kommenden Montag mit dem Erstrundenspiel im DFB-Pokal gegen den SC Freiburg wieder richtig gefordert. Das Landespokalspiel zuvor am Mittwoch gegen den Landesklasse-Vertreter Fortuna Glienicke sollten die Cottbuser mit verjüngter Startelf und wohl auch leicht angezogener Handbremse für sich entscheiden können.

Ansonsten gilt für den Aufsteiger: Nach so einem Gong muss man schnell wieder aufstehen. So wie Kapitän Stein, der sich kräftig schüttelte und dann das Spiel bis zum Ende absolvierte. An manchen Tagen nimmt man eben in der 3. Liga nicht viel mehr als eine Beule mit nach Hause.