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| 19:10 Uhr

Fußball
Energie hat keine Lust mehr auf die 4. Liga

Energie und Torjäger Streli Mamba (r.) wollen aus der 4. Liga wegsprinten.
Energie und Torjäger Streli Mamba (r.) wollen aus der 4. Liga wegsprinten. FOTO: Steve Seiffert
Neugersdorf. Cottbus siegt auch in Neugersdorf. Trotz einer Tabelle für die Ewigkeit geht die Saison jetzt erst so richtig los. Trainer Wollitz setzt auf die Euphorie in der Lausitz. Von Steven Wiesner

Im letzten Spiel bekamen Energie Cottbus und Claus-Dieter Wollitz noch einmal die volle Regionalliga-Dröhnung ab: eine hügelige, verwinkelte ­Anfahrt mit vielen Baustellen, ein trockenes und unebenes Spielfeld, das seit Tagen keinen Rasenmäher gesehen haben dürfte, und mit knapp 800 Schaulustigen eine eher überschaubare Kulisse, die wie so viele Auswärtsspiele in dieser Klasse mehr wie ein Erstrundenspiel im Landespokal anmutete.

Unbestritten hat diese 4. Liga auch ihren ganz eigenen Charme. Doch wirklich lieben gelernt hat der FCE-Trainer diese Regional­liga in den vergangenen zwei Jahren nie. So nett und familiär die Lausitzer in vielen kleinen Ortschaften auch empfangen wurden – für seinen Geschmack hat Wollitz jetzt genug Nachmittage in Luckenwalde, Bautzen oder eben Neugersdorf verbracht. „Ich glaube, es ist wichtig für Energie Cottbus, die Regionalliga-Zeit zu beenden“, sagt Wollitz. „Der Verein hat sich zu einem Proficlub entwickelt, der mindestens in die 3. Liga gehört.“

Beim Abschied aus Neugersdorf wünschten sich die Beteiligten zwar alles Gute und sagten brav auf ­Wiedersehen. Ein „Auf Nimmerwiedersehen“ aber hätte zumindest die Cottbuser Gefühle ehrlicher beschrieben.

Die Botschaft, dass der FC Energie Cottbus mit dieser Mannschaft und seinem Potenzial aus Nachwuchsleistungszentrum, Fankultur und Stadion irgendwie nicht in diese Liga gehören will, weist nach 34 Spieltagen auch die Tabelle aus. Das 3:0 (2:0) am Samstag beim FC Oberlausitz Neugersdorf war der 28. Sieg und das 22. Spiel, das ohne Gegentor beendet wurde. Vor einem Jahr hatte sich Energie am finalen Spieltag ebenfalls hier an der tschechischen Grenze noch über eine 2:3-Pleite und die insgesamt sechste Niederlage der Saison ärgern müssen. Nun sah Wollitz einen sehr reifen und unaufgeregten Auftritt seiner Elf: „Wir haben sehr viel Gutes gemacht.“

Wie schon beim 2:0-Hinspielerfolg hießen die Torschützen Kevin Weidlich (6.) und Streli Mamba (33./83.). Letzterer markierte dabei sogar seine Pflichtspieltreffer Nummer 30 und 31 im Energie-Trikot.

89 Punkte sind es am Ende geworden für den FCE. So viele hatte zuvor noch kein Team erspielen können in der seit sechs Jahren bestehenden Regionalliga Nordost. Nicht mal RB Leipzig, das 2013 bei vier Spielen weniger auf 72 Punkte kam. „Ich weiß nicht, ob das nochmal jemand schafft“, sagt Fabio Viteritti. Auch 31 Zähler Differenz zum Vizemeister dürfte so schnell keiner mehr schaffen. Auf Twitter schrieb ein Energie-Fan sogar davon, dass man der Regionalliga in dieser Saison „die Ehre genommen“ habe.

Bekanntlich ist aber auch Energie Cottbus eine Ehre genommen worden. Die Ehre nämlich, als Meister direkt aufsteigen zu dürfen. „Deshalb geht es jetzt erst richtig los für uns“, so Viteritti. „Wir können stolz sein auf diese Saison. Aber jetzt wollen wir den Verein noch stolzer machen.“

Das ist auch Wollitz‘ Anliegen, im Besonderen vor dem Aufstiegsrückspiel am 27. Mai im Stadion der Freundschaft. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass man hier mal so viele Karten hätte verkaufen können. Vor zwei Jahren gegen Mainz II war es nicht mal ansatzweise möglich, das Stadion vollzukriegen. Aber jetzt ist Euphorie da. Und die muss mit einem Erfolg vollendet werden.“

Damit das Auswärtsspiel in Neugersdorf auch tatsächlich das vorerst letzte Regionalliga-Spiel für Energie Cottbus gewesen ist.

Siegeszug der Energie-Fußballer in Neugersdorf FOTO: Steve Seiffert