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| 19:02 Uhr

Fussball
Energie gewinnt dank Phänomen

Im Leipziger Alfred-Kunze-Sportpark bejubeln die Spieler des FC Energie Cottbus die 1:0-Führung durch Lasse Schlüter (22).
Im Leipziger Alfred-Kunze-Sportpark bejubeln die Spieler des FC Energie Cottbus die 1:0-Führung durch Lasse Schlüter (22). FOTO: WORBSER-Sportfotografie / Mike Worbs
Leipzig. Energie Cottbus siegt bei Chemie Leipzig mit 2:0 (0:0) und baut die klare Tabellenführung in der Regionalliga aus. Ein Rempler wird im Hochsicherheitsspiel zur Initialzündung. Von Frank Noack

Der blaue Polizei-Wasserwerfer mit der Nummer 671 stand als martialische Mahnung direkt hinter dem Gästefanblock im Alfred-­Kunze-Sportpark. Zum Einsatz kommen musste er am Sonntagnachmittag aber nicht. Denn bei dem von massiven Sicherheitsvorkehrungen begleiteten 2:0 (0:0)-Sieg des FC Energie Cottbus bei Chemie Leipzig wurde am Ende vor allem über einen Platzverweis diskutiert – und nicht über die ausgeprägte Rivalität zwischen den Fanlagern.

In der 40. Minute gab FCE-Innenverteidiger José-Junior Matuwila mit seinem Rempler gegen Marko Trogrlic dem bis dahin recht offenen Spiel eine komplett neue Richtung. Matuwila rempelte den Favoriten also – wenn auch wider Willen – vor 3690 Zuschauern auf die Siegerstraße. „Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn Cottbus weiter mit elf Mann gespielt hätte“, analysierte Chemie-Coach Dietmar Demuth.

So wurde es am Ende doch noch ein verdienter Auswärtssieg der ­Gäste, die in der Tabelle der Fußball-Regionalliga Nordost jetzt mittlerweile 17 Punkte Vorsprung auf den BFC Dynamo haben. „In der 1. Halbzeit haben wir es nicht gut gemacht. Aber wir haben uns nach der Pause gesteigert – im Stile einer Klassemannschaft. Wir haben auch spielerische Momente gefunden, auch wenn der Platz nicht einfach zu bespielen war“, erklärte Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz.

Die Tore zum 17. Sieg im 19. Spiel erzielte Linksverteidiger Lasse Schlüter in der 59. und 79. Minute.

Diese beiden Treffer zeigten, wozu der Tabellenführer in der Lage ist – wenn er sich richtig konzentriert. In der 1. Halbzeit fehlte allerdings ­diese Konzentration. Der Aufsteiger aus Leipzig machte auf schwierigem Boden das Zentrum geschickt zu und hielt mit großem Laufaufwand dagegen. Energie fiel trotz anfänglicher Dominanz nicht viel ein, um den grünen Abwehrriegel der Gastgeber zu knacken.

Doch in der 40. Minute wurde die Partie im Prinzip noch einmal neu angepfiffen. Nach einem Foul an Schlüter gerieten Matuwila und Trogrlic aneinander – der Cottbuser sah Rot, der Leipziger wurde mit Gelb bestraft. Was zunächst wie ein Nachteil für Energie wirkte, wurde mehr und mehr zum Vorteil. „Es ist ein Phänomen im Fußball: In Überzahl musst du eine Schippe drauflegen! Das haben wir nicht gemacht und Energie die Räume angeboten. Dann haben sie uns laufen lassen“, ärgerte sich Chemie-Trainer Demuth. Nach dem 1:0 durch Schlüter, der von der Strafraumgrenze aus traf, strotzte der Tabellenführer vor Selbstvertrauen. Beim 2:0 wurde Schlüter dann mustergültig freigespielt und lupfte den Ball zur Vorentscheidung ins Netz. Zudem belebte der nach der Pause eingewechselte Streli Mamba das Spiel der Gäste.

Mann des Tages war natürlich Doppeltorschütze Lasse Schlüter. Er verlieh diesem Arbeitssieg mit seinen beiden schönen Toren den optischen Feinschliff. „Es war verdammt schwer, auf so einem Platz zu spielen. Dazu kommt ein Gegner, der nur darauf aus war, unser Spiel kaputt zu machen. Da hätte es schon eher mal eine gelbe Karte geben müssen. Dann kommt es gar nicht zu so seiner Situation“, meinte Schlüter zum Platzverweis für Matuwila. Am Ende räumte aber auch der Torschütze ein, dass der Favorit offenbar diese Unterzahl als ­Hallo-wach-Effekt benötigte: „Wir haben uns in der 2. Halbzeit sehr gesteigert. Deshalb haben wir auch hochverdient gewonnen.“

In jedem Fall konnte die Mannchaft am Ende gemeinsam mit den etwa 200 mitgereisten Fans direkt vor dem Wasserwerfer jubeln. Beide Vereine hatten sich bereits im Vorfeld auf ein umfangreiches Maßnahmenpaket verständigt. Energie verkaufte die Tickets für den Gäste­block ausschließlich personalisiert an Vereinsmitglieder. Chemie Leipzig begrenzte die Abgabe von mehr als einem Ticket ebenfalls auf Mitglieder und Dauerkarten-Inhaber. Zudem schickte der FCE auf eigene Kosten mehr Ordner als üblich nach Leipzig. Etwa 300 Meter vor dem Stadion wurde eine Sperrzone eingerichtet, die nur mit gültigem Ticket in Verbindung mit dem Mitgliedsausweis betreten werden durfte.

Nach einer Rudelbildung sieht José-Junior Matuwila (5) von Schiedsrichter Steven Greif aus Westenhausen die rote Karte.
Nach einer Rudelbildung sieht José-Junior Matuwila (5) von Schiedsrichter Steven Greif aus Westenhausen die rote Karte. FOTO: WORBSER-Sportfotografie / Mike Worbs
Die Polizei war mit drei Wasserwerfern und zwei Hubschraubern auf mögliche Störfälle vorbereitet. Doch die befürchteten Ausschreitungen blieben aus.
Die Polizei war mit drei Wasserwerfern und zwei Hubschraubern auf mögliche Störfälle vorbereitet. Doch die befürchteten Ausschreitungen blieben aus. FOTO: WORBSER-Sportfotografie / Mike Worbs