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| 20:30 Uhr

Fußball
Energie Cottbus erobert kühl die Tabellenspitze

Lausitzer Jubel in der Wiesbadener Hitze: Mit dem zweiten Sieg im zweiten Spiel ist dem FC Energie Cottbus der perfekte Saisonstart gelungen.
Lausitzer Jubel in der Wiesbadener Hitze: Mit dem zweiten Sieg im zweiten Spiel ist dem FC Energie Cottbus der perfekte Saisonstart gelungen. FOTO: unbekannt / Jan Huebner/Volz
Wiesbaden. Cottbus gewinnt bei Wehen Wiesbaden. Schlüssel zum 2:0-Sieg ist erneut die Harmonie aus der Regionalliga-Saison. Von Frank Noack

Es gab am Sonntagnachmittag eigentlich kein Entrinnen aus der Hitze von Wiesbaden. Nicht im Stadion, nicht einmal in der Mannschaftskabine und auch nicht im Presseraum, wo Trainer Claus-Dieter Wollitz nach dem Spiel vergeblich auf eine Klimaanlage gehofft hatte. Was also tun außer schwitzen? Wollitz analysierte kurzerhand mit bemerkenswerter Coolness den Hammerstart des Aufsteigers in die 3. Liga.

Mit dem 2:0 (1:0) beim SV Wehen Wiesbaden gelang Energie Cottbus eine Woche nach dem 3:0-Heimerfolg gegen Hansa Rostock der zweite Sieg im zweiten Spiel. Lohn für diese optimale Ausbeute ist die überraschende Tabellenführung. „Ich bin auch nach sechs Punkten nicht euphorisch. Ich freue mich für den Moment – nicht mehr“, erklärt Wollitz. „Wenn wir jetzt mal verlieren sollten, werden wir zumindest nicht gleich auf die Abstiegsränge durchgereicht.“ Denn der Klassenerhalt bleibt  natürlich auch weiterhin das erklärte Ziel für den Aufsteiger, der ohne nennenswerte Neuverpflichtungen seinen Siegeszug fortsetzt.

Die beiden Treffer der Gäste aus der Lausitz waren exemplarisch für diese Partie, die nicht nur wegen der hohen Außentemperaturen von beiden Teams sehr hitzig geführt wurde. Vor 2802 Zuschauern hatte Streli Mamba in der 34. Minute sowie in der Nachspielzeit nach jeweils tollen Kontern die Tore erzielt. In der restlichen Zeit stemmte sich der Aufsteiger mit großem Laufaufwand und einer kompakten Defensive den wuchtigen Angriffen des SV Wehen Wiesbaden entgegen. „Wir sind zwar nicht so gut ins Spiel reingekommen. Aber danach standen wir relativ gut und haben auf unsere Chancen gelauert“, analysiert Doppeltorschütze Streli Mamba.

Die Gastgeber, die in der vergangenen Saison Platz vier in der 3. Liga belegt hatten, trauerten dagegen den vergebenen Möglichkeiten hinterher. „Wir hatten bessere Chancen als der Gegner. Was  meine Mannschaft bei dieser Hitze in der 2. Halbzeit abgeliefert hat, war hervorragend. Aber der Ball wollte nicht ins Tor“, meint der Wiesbadener Coach Rüdiger Rehm.

Man könnte diese Analysen unter dem Begriff des sogenannten ­Matchglücks zusammenfassen, wie es Rehm richtigerweise auch tat. Aber damit allein entführte der FC Energie nicht die drei Punkte aus Wiesbaden. Torhüter Avdo Spahic avancierte neben Torjäger Mamba zum besten Cottbuser. Bei den immer wieder hoch vor seinen Kasten geschlagenen Flanken zeigte Spahic keinen einzigen Wackler. In der Innenverteidigung bildeten Marc Stein und José-Junior Matuwila ein unüberwindliches Bollwerk. Und ganz vorn sorgte Mamba mit seinen unwiderstehlichen Sprints immer wieder für Unruhe sowie zahlreiche Diskussionen um äußerst knappe Abseitsentscheidungen.

Energie bot vor allem in der ersten Halbzeit ein sehr passables Umschaltspiel und kombinierte immer wieder schnell und zielgerichtet von der Abwehr in die Spitze. In der zweiten Halbzeit nahmen die Gäste dann in der Tat jede Menge ­Matchglück in Anspruch und mussten um den knappen 1:0-Vorsprung zittern – zum Beispiel beim Lattentreffer von Simon Brandstetter in der 65. Minute. Zum Glück aus Cottbuser Sicht zielte auch Brandstetters Sturmpartner nicht besser: Den Nachschuss knallte der eingewechselte Kofi Kyereh über den Kasten.

Dabei bildete Brandstetter zunächst gemeinsam mit Manuel Schäffler das gewohnte Sturmduo des SV Wehen Wiesbaden. Doch für Schäffler war die Partie wegen einer Verletzung bereits nach zwölf Minuten beendet. Zudem verzichtete Wiesbadens Trainer Rehm aus disziplinarischen Gründen  auf seinen Kapitän Sebastian Mrowca. Der Ex-Cottbuser soll zu spät zu einem Mannschaftstermin erschienen sein und flog deshalb aus dem Kader. Energie setzte dagegen wie gegen Rostock auf das eingespielte Team aus der Regionalliga-Saison und hatte erneut Erfolg mit dieser mannschaftlichen Harmonie.

Nun blickt der Aufsteiger als Tabellenführer mit der gebotenen Kühle dem Heimspiel gegen die SpVgg Unterhaching am Mittwoch (19 Uhr, Stadion der Freundschaft) entgegen. Selbstbewusstsein ja, Euphorie nein, lautet die Devise. „Tabellenführer zu sein, ist immer etwas Schönes. Wir haben zwei gute Spiele gezeigt. Deshalb ist die Tabellenführung auch berechtigt. Aber wir müssen eine solche Leistung natürlich Woche für Woche abrufen“, meint Felix Geisler.

Diese Coolness steht dem Aufsteiger gut zu Gesicht. Am kommenden Mittwoch soll schließlich der heißeste Tag des Jahres werden.