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| 09:56 Uhr

Fussball
Energie denkt über Taktik-Opfer nach

Kevin Scheidhauer (l.) jubelt mit Streli Mamba. Sollten die beiden Stürmer auch am Sonntag gemeinsam auflaufen, müsste dafür ein Kreativspieler geopfert werden.
Kevin Scheidhauer (l.) jubelt mit Streli Mamba. Sollten die beiden Stürmer auch am Sonntag gemeinsam auflaufen, müsste dafür ein Kreativspieler geopfert werden. FOTO: imago/Steffen Beyer / Steffen Beyer
Cottbus. Aus der bewährten Startelf der Vorsaison könnte am Sonntag gegen Hansa Rostock ein Zwei-Mann-Sturm werden. Von Frank Noack

Die Startformation von Energie Cottbus war in der vergangenen Saison meistens in Stein gemeißelt. Vor der Viererabwehrkette spielte Tim Kruse im defensiven Mittelfeld. Weiter vorn wirbelte eine offensive Viererkette die Gegner in der Regionalliga beinahe nach Belieben durcheinander. Und in der Spitze sprintete Streli Mamba zu insgesamt 19 Saisontoren. In Zahlen ausgedrückt setzte FCE-Trainer Claus-Dieter Wollitz also auf ein sogenanntes 4-1-4-1-System als taktische Erfolgsformel.

Auch in der Vorbereitung auf die Saison 2018/19 in der 3. Fußball-Liga bevorzugte der Aufsteiger meistens dieses System. Ausgerechnet auf der Zielgeraden der Vorbereitung kommt jetzt aber noch einmal Bewegung in diese taktischen Planspiele. Denn vor dem Start an diesem Sonntag gegen Hansa Rostock (13 Uhr, Stadion der Freundschaft) denkt Wollitz intensiv über einen Systemwechsel hin zu zwei Stürmern nach. Sie würden dann vermutlich Streli Mamba und Kevin Scheidhauer heißen. „Beide haben die Schnelligkeit, beide können in dieser Konstellation sehr gut zusammenspielen“, betont der Coach.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Energie diese taktische Formation während der Saisonvorbereitung ein einziges Mal ernsthaft getestet hat: ausgerechnet beim 2:0-Sieg gegen den tschechischen Erstligisten Dukla Prag in Finsterwalde. Die Mannschaft bot dabei die beste Leistung der insgesamt sechs Testspiele – eben mit Mamba und Scheidhauer in der Startelf.

Das Problem daran ist allerdings: Sollten beide auch gegen Rostock von Anfang an gemeinsam auf dem Rasen stehen, dann müsste Wollitz einen Spieler aus der offensiven Viererkette streichen. Aber speziell dieses Quartett mit Kevin Weidlich, Maximilian Zimmer, Marcelo und Fabio Viteritti hat in der vergangenen Saison hinlänglich bewiesen, dass es eigentlich unverzichtbar ist. „Wenn wir so spielen wie gegen ­Dukla Prag, dann müssen wir einen ­kreativen Spieler opfern“, erklärt Wollitz trotzdem.

Es steht also eine knifflige Entscheidung an, die letztlich auch mit dem Gegner zusammenhängen dürfte. Hansa Rostock gilt als eine der spielstärksten Mannschaften der 3. Liga. Taktische Patzer gegen die Norddeutschen wird sich der Aufsteiger also nicht leisten können, wenn er als Sieger vom Platz gehen will und die ersten drei Punkte für die Mission Klassenerhalt einfahren will.

Erschwerend kommt aber noch ein anderer Fakt hinzu. Wenn der FCE am Sonntag mit Mamba und Scheidhauer startet, dann gibt es im Verlauf der Partie kaum noch offensive Alternativen auf der Bank, weil beide derzeit die einzigen gesunden Stürmer im Kader sind. Neuzugang Abdulkadir Beyazit vom SV Babelsberg ist immer noch verletzt, der langzeitverletzte Benjamin Förster befindet sich im Aufbautraining. Und auch Youngster Moritz Broschinski musste im letzten Testspiel gegen Neugersdorf (6:1) pausieren.

„Wenn wir mit nur einem Stürmer beginnen, können wir das Spiel positiv verändern, indem wir einen zweiten Stürmer bringen. Machen wir es andersherum und nehmen dann einen Stürmer raus, gehen wir vom Positiven ins Negative“, beschreibt Wollitz die Zwickmühle, für die er und sein Trainerteam bis Sonntag eine Lösung finden müssen. „Beide Varianten machen Sinn, beide besitzen viel Charme. Mamba und Scheidhauer haben gemeinsam eine enorme Wucht und stellen ein besseres Niveau dar, als viele Mannschaften in der 3. Liga haben.“

Setzt Energie Cottbus also gegen Rostock von Anfang an auf diese Wucht? Oder muss Scheidhauer zunächst auf die Bank? Allerdings verkörpert er genau jene Wucht und körperliche Präsenz, die Wollitz von seinem Team in der 3. Liga fordert, um erfolgreich zu. In Stein gemeißelt ist die Startformation nach dem Aufstieg also längst nicht mehr.