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| 08:48 Uhr

Energie Cottbus
Wollitz legt Karten auf den Tisch – Aue pokert

 Für Spieler wie Berkan Taz ist Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz eine wichtige Bezugsperson. Dennoch ist es denkbar, dass der FCE-Coach bei einem möglichen Angebot von Erzgebirge Aue zum Zweitligisten wechselt.
Für Spieler wie Berkan Taz ist Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz eine wichtige Bezugsperson. Dennoch ist es denkbar, dass der FCE-Coach bei einem möglichen Angebot von Erzgebirge Aue zum Zweitligisten wechselt. FOTO: Frank Hammerschmidt
Cottbus. Geht er – oder bleibt er? Der Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz spricht offen über ein mögliches Angebot vom Fußball-Zweitligisten aus dem Erzgebirge. In Aue indes hält man sich noch bedeckt. Von Jan Lehmann und Steven Wiesner

Er war da. Die bloße Anwesenheit des Trainers war für viele Fans von Energie Cottbus am Mittwoch sicher die wichtigste Nachricht. Claus-Dieter Wollitz saß nicht wie von einigen befürchtet auf Schloss Wolfsbrunn in Hartenstein, wo die millionenschweren Gebrüder Helge und Uwe Leonhardt residieren und von dort aus ihre Autohäuser, mehrere Maschinenbaufirmen, ein Hotel sowie den Fußball-Zweitligisten Erzgebirge Aue dirigieren.

Wollitz stand stattdessen am Vormittag auf dem Trainingsplatz und verkündete danach im Medienraum des Stadions der Freundschaft bei der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den VfB Auerbach unter anderem die Verpflichtung von Probespieler Orhan Yildirim (26).

Wollitz hatte zu keinem Verantwortlichen in Aue Kontakt

Das größte Interesse der Medienvertreter galt am Mittwoch aber der Frage: Geht Wollitz – oder bleibt er? Am Dienstag war publik geworden, dass eben Aues allmächtiger Vereinspräsident Helge Leonhardt den Cottbuser Coach für die Nachfolge des beurlaubten Trainers Daniel Meyer im Blick habe. Eine Nachricht, die für Wirbel gesorgt hatte. So erkundigte sich auch Vereinspräsident Werner Fahle höchstpersönlich beim Coach, ob es denn Kontakte ins Erzgebirge gebe. Der 54-Jährige wiederholte am Mittwoch, was er dem Präsidenten am Telefon gesagt habe: „Ich hatte zu keinem Verantwortlichen in Aue einen Kontakt.“

Allerdings war dem Trainer anzumerken, dass eine mögliche Offerte eines Zweitligisten für ihn absolut reizvoll wäre. Er sagte offen: „Es freut mich, wenn ich ein Kandidat da wäre. Das ist ein Zweitligist, der ein fantastisches Stadion gebaut hat.“ Zudem sei in Aue eine Infrastruktur rund um den Verein geschaffen worden, die für den modernen Fußball notwendig sei.

Wollitz würde sich Aue-Angebot anhören

Der Cottbuser Coach geriet kurze Zeit regelrecht ins Schwärmen über den FC Erzgebirge, betonte dann aber, dass er die Pressekonferenz nicht als Bewerbungsgespräch nutzen wolle. Sein Plan: „Sollte ein Anruf kommen, würde ich mich freuen und dann Energie Cottbus in Kenntnis setzen.“ Danach würde er sich die Vorstellungen der Auer auch gern anhören. Wollitz betonte: „Ich möchte nicht heucheln.“

Der Coach berichtete zudem offen davon, dass er Energie bereits nach dem Aufstieg 2018 hätte verlassen können. Sein Vertrag hatte sich damals nicht, wie vom Verein vermeldet, automatisch verlängert. Wollitz sagte, dass er es aber als „nicht fair“ empfunden hätte, seine Mannschaft zu diesem Zeitpunkt zu verlassen. Nach RUNDSCHAU-Informationen war er zu dieser Zeit unter anderem in Braunschweig ein Thema.

Wollitz nicht der einzige Kanidat bei Aue

Als Wollitz zudem bestätigte, dass sein aktueller Vertrag beim FCE im Juni 2020 ausläuft und sich selbst im Falle des Aufstiegs in die 3. Liga nicht verlängert, lagen letztlich alle Karten von Cottbuser Seite offen auf dem Tisch. In Aue indes wird gepokert und noch nach dem besten Blatt für die Besetzung der Trainerposition gesucht. Neben Wollitz fliegen auch die Namen anderer Kandidaten durchs Lößnitztal: Dirk Schuster (zuletzt Darmstadt), Jens Keller (Ingolstadt), Jürgen Kramny (Bielefeld) oder Alexander Zorniger (Bröndby) werden gehandelt.

Alle passen in das Suchprofil, das Präsident Leonhardt nach mehreren Versuchen mit Trainernovizen ausgegeben haben soll: Erfahrung soll der neue Mann mitbringen. Und davon hat Claus-Dieter Wollitz genügend – am Selbstbewusstsein mangelt es ihm ebenfalls nicht. Der Coach betonte in Richtung Aue: „Wenn sich der Verein tatsächlich seriös mit mir beschäftigen sollte, dann würde mich das stolz machen, aber auch grundsätzlich nicht so überraschen.“ Er fragte in die Runde: „Wenn man nur die Vita als Trainer sieht – wie seine Mannschaften Fußball spielen, wie oft er schon eine Mannschaft neu zusammengestellt hat, wie oft er Mannschaften einen Input gegeben hat, bin ich da  jetzt so weit weg?

Wollitz findet mögliches Angebot nachvollziehbar

Die Antwort lautet: Nein. Das mögliche Interesse wäre also nachvollziehbar – und dennoch ist ein Abgang von Wollitz aus Cottbus nur schwer vorstellbar. Fast alles im Verein fokussiert sich auf ihn, nahezu alle Neuverpflichtungen sind an seine Person gekoppelt. Der von Union Berlin ausgeliehene Berkan Taz berichtete im „Kicker“, dass er sich trotz Offerten aus der 3. Liga wegen Wollitz für Energie entschieden habe. „Ich bin ein Spielertyp, der in viele Zweikämpfe geht und viel riskieren muss. Deswegen ist dieser Trainer derzeit der Beste für mich. Er stärkt mir unglaublich den Rücken“, begründete der 20-Jährige.

Und so bleibt es auch für die FCE-Profis spannend. Das nächste Training bei Energie ist am Donnerstag um 17 Uhr angesetzt. Fast alles spricht aktuell dafür, dass Wollitz dann auf dem Trainingsplatz in der Parzellenstraße anwesend sein wird. Ob es einen Anruf vom Schloss Wolfsbrunn geben wird, ist derzeit indes nicht abzusehen.

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