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| 19:20 Uhr

Bitterer Abstieg in die Regionalliga (mit VIDEOS)
Energie Cottbus - was passiert mit dem Stolz der Fußball-Lausitz?

FOTO: Eibner-Pressefoto / EIBNER/Michael Taeger
Braunschweig. Es ist kaum zu begreifen: Wegen eines fehlenden Tores steigt Energie Cottbus wieder in die Viertklassigkeit ab. Was passiert nun mit dem Stolz der Fußball-Lausitz? Viele Fragen sind offen. Von Jan Lehmann und Frank Noack

Als der Cottbuser Mannschaftsbus am Samstagnachmittag kurz vor 17 Uhr vom Gelände des Eintracht-Stadions rollte, musste man sich fragen: Energie Cottbus, wohin geht es für den Stolz der Fußball-Lausitz? Fakt ist seit dem bis zur letzten Sekunde heftig umkämpften 1:1 bei Eintracht Braunschweig: Der FCE verabschiedet sich vorerst wieder in die Regionalliga Nordost. Nach nur einem Jahr in der 3. Fußball-Liga steigt Energie ab – weil am Ende ein Tor fehlt.

Bis zur letzten Sekunde hatten die Lausitzer gegen Gastgeber Eintracht Braunschweig gekämpft. Doch nach dem umstrittenen Elfmetertor von Braunschweigs Marc Pfitzner (30.), der nach minutenlangen Diskussionen um ein vermeintliches Handspiel von Tim Kruse den Ball locker rechts unten einschob, war Energie nur noch der Ausgleich gelungen. Fabio Viteritti traf ebenfalls per Elfmeter (57.), zuvor hatte Braunschweigs Christoph Menz den Ball an die Hand bekommen.

In der verbleibenden Spielzeit drängten die Cottbuser vergeblich auf das Siegtor – das hätte Energie-Klassenerhalt und gleichzeitig den Braunschweiger Abstieg bedeutet. In einer hitzigen und teils vogelwild zerfahrenen Schlussphase kassierte Energie-Profi José-Junior Matuwila (86.) noch die gelb-rote Karte. Und bei Braunschweig ging Menz mit Rot (90.+2.) vom Platz.

Abstieg in Braunschweig - Energie Cottbus versinkt im Tal der Tränen FOTO: Eibner-Pressefoto / EIBNER/Michael Taeger

Das Remis reichte für eine Braunschweiger Jubelparty, im mit 2144 Energie-Fans prall gefüllten Gästeblock randalierten daraufhin einige Chaoten. Mit dem Abpfiff begannen sie, mit Böller auf die Polizeibeamten zu zielen und die Plastiksitze aus ihren Verankerungen zu reißen, um sie in Richtung Ordnungspersonal zu werfen.

Die FCE-Spieler indes sanken konsterniert zu Boden, Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz berichtete von einer Leere und Energie-Youngster Felix Geisler erklärte später mit Tränen in den Augen: „Es ist nicht zu fassen und es tut mir wirklich für alle leid.“ Selbst Braunschweigs Marc Pfitzner gab zu: „Mir tun die Cottbuser auch leid, dass sie mit 45 Punkten absteigen. Sie haben in den letzten Spielen auch ordentlich Gas gegeben. Am Ende hat ein Tor entschieden.“

Für Energie Cottbus bedeutet nun der erneute Absturz in die Viertklassigkeit einen neuerlichen großen Umbruch. Trainer Wollitz erklärte, dass er davon ausgehe, dass die Mannschaft zu weiten Teilen auseinanderfalle. Er sagte auch: „Ich weiß nicht, ob der Verein in der Lage ist, noch einmal eine Aufbruchstimmung zu erzeugen.“ Nach RUNDSCHAU-Informationen kommen am Montag die Vereinsgremien zusammen, um die Zukunft zu besprechen. Es gibt viele Fragen: Bleibt Trainer Wollitz? Welche Spieler kann der Verein halten? Kann der FCE einen Etat stemmen, der auf den Wiederaufstieg hoffen lässt?

Am kommenden Samstag steht für Energie Cottbus mit dem Landespokal-Finale bei Regionalliga-Absteiger Optik Rathenow nun noch ein extrem wichtiges Spiel an. Die mit dem möglichen Pokalsieg verbundene Qualifikation für den DFB-Pokal würde für Energie Cottbus wichtige Einnahmen bedeuten. Die mehr als 100.000 Euro als Antrittsprämie für die erste Runde wären ein wichtiger Teil im Etat für die bevorstehende Regionalliga-Saison.

Mit hängenden Köpfen und roten Augen verließen die Energie-Profis die Mannschaftskabine. Trainer Wollitz will seinen Spielern nun erst einmal zwei Tage geben, um diesen Abstieg zu verdauen. Dann will er entscheiden, welche Spieler für das Pokalendspiel infrage kommen. Er sagte: „Sie müssen im Kopf bereit dazu sein. Uns erwartet ein schwieriges Spiel, bei dem wir an die Grenze gehen müssen.“ Am Samstagnachmittag konnte man sich bei der Abfahrt das Mannschaftsbusses nur schwerlich vorstellen, dass die FCE-Profis nach dieser extremen Enttäuschung dazu in der Lage sein sollten.