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| 05:00 Uhr

Energie Cottbus vor dem Endspiel in Braunschweig (mit VIDEOS)
Ende einer Ära – oder neuer Aufbruch?

 Torjäger Streli Mamba hebt ab in Richtung Paderborn. Doch was passiert mit den weiteren Spielern von Energie Cottbus. Viele Verträge laufen aus – erst nach der Entscheidung in Braunschweig beginnen die Verhandlungen.
Torjäger Streli Mamba hebt ab in Richtung Paderborn. Doch was passiert mit den weiteren Spielern von Energie Cottbus. Viele Verträge laufen aus – erst nach der Entscheidung in Braunschweig beginnen die Verhandlungen. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Energie Cottbus steht am Scheideweg: Das Abstiegskampf-Endspiel in Braunschweig entscheidet über die Zukunft des Vereins – und der Mannschaft. Viele Verträge laufen aus. Wer spielt auch kommende Saison in Cottbus? Von Jan Lehmann

Egal wie es ausgeht, das Spiel in Braunschweig findet für Energie Cottbus auf alle Fälle am Scheideweg statt. Entweder endet am Samstag mit dem drohenden Abstieg die kleine Ära einer Mannschaft, die den FCE nach dem überraschenden Absturz in die Viertklassigkeit seit 2016 wieder aus dem Tal der Tränen geführt hatte. Oder aber, Energie kann mit dem Klassenerhalt in der 3. Liga gestärkt zu neuen Zielen aufbrechen.

So oder so, das Gesicht der Mannschaft wird sich verändern. Aktuell stehen 20 Spieler aus dem Kader für kommende Saison ohne Vertrag da (siehe Grafik), bei einigen weiteren verlängern sich die Arbeitspapiere nur im Fall des Klassenerhalts.

Trainer Claus-Dieter Wollitz ist sich bewusst, dass Tage des Abschieds bevorstehen. Fest steht: Tim Kruse wird seine Karriere beenden, Streli Mamba zum SC Paderborn wechseln. Wollitz sagte am Donnerstag: „Es ist im Fußball immer so, dass sich gewisse Wege trennen.“ Er sei aber voller Stolz und Dankbarkeit für die vergangenen drei Jahre: „Ich durfte fantastische Typen begleiten. Wir haben auf Augenhöhe kommuniziert, auch mal gestritten.“

Wollitz hofft darauf, nicht noch einmal einen kompletten Neuaufbau angehen zu müssen. Nichts anderes würde der Abstieg bedeuten. Nach RUNDSCHAU-Informationen hätten aktuell nur sieben Spieler einen gültigen Vertrag für die 4. Liga, bei Avdo Spahic und Felix Geisler könnte der Verein zudem entsprechende Optionen ziehen. Wollitz verdeutlichte: „Die Frage, ob der Verein noch einmal eine Aufbruch­stimmung erzeugen könnte, kann ich nicht beantworten.“

 Ein Überblick über die aktuelle Vertragslage bei Energie Cottbus: So würde es bisher für die Saison 2019/20 aussehen.
Ein Überblick über die aktuelle Vertragslage bei Energie Cottbus: So würde es bisher für die Saison 2019/20 aussehen. FOTO: LR / Schubert

Vielmehr setzt er darauf, das Gerüst der Mannschaft festigen und ein schlagkräftiges Team aufbauen zu können. Bei erfahrenen Stützen wie Jürgen Gjasula und Robert Müller verlängern sich die Verträge im Fall des Klassenerhalts bis Juni 2020.

Bei Energie hatte man gehofft, bereits nach dem Aalen-Spiel mit den konkreten Vertragsverhandlungen beginnen zu können. Doch der erhoffte vorzeitige Klassenerhalt gelang nicht. Präsident Werner Fahle erklärt: „Wir haben jetzt alles um eine Woche verschoben.“ Ob Ligaverbleib oder Abstieg, ab Montag wird bei Energie über die Zukunft gesprochen. Der Präsident ist optimistisch: „Wir sind auf alles vorbereitet. Es gibt einige Spieler, die signalisiert haben, dass sie bleiben wollen.“ Dazu gehört Maximilian Zimmer, der bereits in der RUNDSCHAU bestätigte hatte, auch im Fall des Abstiegs einen neuen Vertrag unterschreiben zu wollen.

Im Fall des Klassenerhalts will auch Fabio Viteritti bleiben. Der dreifache „Energie-Fußballer des Jahres“ erklärte: „Mit dem Klassenerhalt wäre das Projekt für mich hier nicht beendet, sondern es geht dann weiter.“ Der 25-Jährige betonte: „Ich würde sehr gern einen Vertrag unterschreiben. Aber wie es halt im Fußball ist: Da muss man sich zusammenfinden und einigen. Doch dafür bin ich positiv gestimmt.“

Wie viele Akteure denken wie er?  Dem Vernehmen nach will Energie auch Leistungsträger wie Kevin Weidlich, Marcelo, José-Junior Matuwila, Fabian Holthaus und Dimitar Rangelov halten. Auch Ersatzkeeper Kevin Rauhut soll wohl in der Lausitz bleiben. Vertragsangebote haben die Nachwuchsspieler Colin Raak und Tim Stawecki vorliegen.

Die Ausleihe von Luke Hemmerich (Erzgebirge Aue) würden die Cottbuser ebenfalls gern verlängern, auch mit Winter-Neuzugang Daniel Bohl wird verhandelt. Der 24-Jährige, der vom Halleschen FC gekommen war, hatte mit Bedacht nur einen Halbjahres-Vertrag unterschrieben und wollte erst einmal schauen, wie es für ihn in der Lausitz funktioniert. Nun sagte er: „Ich wurde so toll aufgenommen, dass hätte ich mir nicht zu wünschen gewagt. Als ich aus Halle gekommen bin, habe ich mir gesagt: Alles ist besser als dort – weil ich in Halle gar keine Rolle gespielt habe.“ Bohl gibt zu: „Ich wäre schon mit zwei, drei Einsätzen zufrieden gewesen.“

Bisher hat er schon 15 Pflichtspiele für Energie absolviert und ist einer der wichtigen Faktoren für die gewachsene Stabilität. Der gebürtige Homburger sagt: „Der Verein ist mir ans Herz gewachsen. Aber ich habe mir noch gar keine Gedanken gemacht, was danach ist. Aller Fokus liegt jetzt auf dem Spiel am Samstag und dem Klassenerhalt.“ Das gilt wohl für den gesamten Verein. Erst nach der Partie am Scheideweg wird man sehen, von welchen Profis sich Trainer und Club endgültig verabschieden müssen.