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Fußball
FCE verliert erneut und sucht Verstärkung

Energie lief gegen Magdeburg zu oft hinterher – so wie in dieser Szene Marcel Baude (r.) gegen Dennis Erdmann.
Energie lief gegen Magdeburg zu oft hinterher – so wie in dieser Szene Marcel Baude (r.) gegen Dennis Erdmann. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Der XXL-Test von Energie Cottbus gegen Drittliga-Tabellenführer Magdeburg bringt weitere personelle Erkenntnisse.

Von Frank Noack und Sven Hering

Irgendwann Mitte der ­extralangen ersten Halbzeit ließ sich Marcelo de Freitas Handschuhe von der Auswechselbank reichen. Kurz hatte auch Streli Mamba Bedarf bezüglich der wärmenden Utensilien. Es war kalt am Sonntagnachmittag im Stadion der Freundschaft. Und nach insgesamt 120 Minuten stand für Energie Cottbus auch ein ziemlich frostiges Ergebnis zu Buche: 0:4 (0:2) unterlagen die Lausitzer dem Drittliga-Tabellenführer 1. FC Magdeburg – genau wie am Mittwoch im Duell mit dem Halleschen FC.

Frostig fiel auch die Bilanz von Trainer Claus-Dieter Wollitz aus: „Wenn man innerhalb von vier Tagen zwei Mal 0:4 verliert, kann man nicht zufrieden sein. Wir waren zwar bemüht, aber ohne Durchschlagskraft. Wir müssen wieder mehr in ein ­solches Spiel investieren und den Gegner unter Druck setzen. Stattdessen sind wir oft nur hinterhergelaufen und waren auch gedanklich zu langsam.“

Energie fand zwar diesmal schneller seine Ordnung als gegen ­Halle. Dann gerieten die Gastgeber vor 1518 Zuschauern – darunter etwa 100 aus Magdeburg – aber erneut durch einen Doppelschlag in Rückstand. In der 23. Minute brachte Christopher Handke den Favoriten in Führung. Nur eine Minute später erhöhte Julius Düker mit einem Distanzschuss auf 2:0 (24.).

Speziell in puncto Effizienz bekam Energie eine Lehrvorführung. Denn in den entscheidenden Momenten war Magdeburg da und schlug bei frostigen Temperaturen eiskalt zu – Energie dagegen leistete sich erneut einige Unaufmerksamkeiten.

Die logische Folge: Der Regionalliga-Tabellenführer wurde wie schon gegen Halle erneut hart bestraft. Dennis Erdmann (3:0/96.) und Philip Türpitz per Foulelf­meter (4:0/108.) erzielten die weiteren Tore für Magdeburg.

Weil der FCM während seiner England-Reise aufgrund des Dauerregens auf der Insel nur eines der beiden geplanten Testspiele austragen konnte, bat der Dritt­ligist den FC Energie um die extralange Vorbereitungspartie mit zwei Halbzeiten über jeweils 60 Minuten. Während die Gäste für die zweite Halbzeit beinahe eine komplett neue Mannschaft brachten, wechselte Energie punktuell aus.

Dabei stand das Ergebnis bei diesem XXL-Test nicht im Vordergrund. Stattdessen erhoffte sich Trainer Claus-Dieter Wollitz weitere personelle Erkenntnisse im Hinblick auf die angepeilten Relegationsspiele im Mai – und zwar in fast allen Mannschaftsteilen. Auf der Torhüter-Position kehrte Avdo Spahic wieder zwischen die Pfosten zurück. Er geht auch als Nummer eins in die Rückrunde. Allerdings wirkte er gegen Magdeburg nicht souverän.

Gesucht wird weiterhin ein Herausforderer, der den Konkurrenzkampf im Tor anheizt. Der kürzlich im Probetraining getestete Martin Kompalla (25) vom VfL Bochum erfüllte diese Anforderungen nicht und wird nicht verpflichtet. Matti Kamenz als aktuelle Nummer zwei bringt zwar viele Torwart-spezifische Stärken mit, ringt aber nach wie vor um nervliche Stabilität.

Unabhängig von den beiden 0:4-Niederlagen in den Testspielen gegen Halle und Magdeburg ist die Abwehr jener Mannschaftsteil, der schon jetzt am besten für die heiße Saisonphase vorbereitet scheint. In der Regionalliga hat der FCE erst fünf Gegentore kassiert – so wenig wie kein anderes Team der vierthöchsten Spielklasse. Neuzugänge sind für diesen Mannschaftsteil deshalb nicht geplant.

Der Fokus in der am 31. Januar endenden Transfer-Periode liegt auf dem Mittelfeld. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Genesungsprozess von Felix Geisler. Der kleine Außenbahnflitzer ist wegen einer Gelenkentzündung seit September außer Gefecht, macht inzwischen aber Fortschritte. Trotzdem steckt Wollitz in der Zwickmühle: „Wenn Felix bald fit wird, brauchen wir keinen neuen Außenbahnspieler zu verpflichten. Er arbeitet gut gegen den Ball und bringt alle Fähigkeiten mit, die wir auf dieser ­Position brauchen.“

Und wenn Geisler doch nicht rechtzeitig fit wird? Dann könnte die Rückkehr von Darryl Geurts (23) ein konkretes Thema werden. Er wurde im FCE-Nachwuchs ausgebildet und steht derzeit beim Drittligisten SC Paderborn unter Vertrag.

Außerdem sucht Energie einen defensiven Mittelfeldspieler als ­Backup für Tim Kruse. Der Routinier ist die Leitfigur in der Zentrale. Derzeit fehlt Kruse aufgrund einer Wadenverletzung. Er wurde auch gegen Magdeburg schmerzlich vermisst. Paul Gehrmann und Jonas Zickert teilen sich die Sechser-Position. Wollitz hält zwar große Stücke auf Youngster und will sie weiterent­wickeln. Aber die vier Monate bis zum Showdown im Mai dürften zu kurz sein, um das nötige Stabilitäts-Niveau zu erreichen.

Im Angriff hat Energie mit der Verpflichtung von Kevin Scheidhauer zwar wie geplant nachgelegt, doch der Stürmer wurde durch einen Infekt zurückgeworfen. Scheidhauer muss Antibiotika nehmen und verpasste deshalb die ersten beiden Testspiele. Dafür meldete sich Benjamin Förster gegen Magdeburg mit einem Kurzeinsatz über 30 Minuten zurück. Der Stürmer musste wegen einer Fußverletzung seit September pausieren.

Sein Fazit sorgte nach der deutlichen Nieder­lage in diesem extralangen Testspiel ­zumindest für etwas Erwärmung. „Ich freue mich, wieder auf dem Platz zu stehen. Ich brauche natürlich noch einige Wochen, um wieder auf einhundert Prozent zu kommen“, sagte Förster.