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| 09:41 Uhr

Fußball
Energie und die Sehnsucht nach dem schlechten Tag

08.08.2018, Brandenburg, Cottbus: 3. Bundesliga FC Energie Cottbus vs. SpVgg Unterhaching..Spielerkreis vor dem Anstoß Energie Cottbus.Foto: Frank Hammerschmidt
08.08.2018, Brandenburg, Cottbus: 3. Bundesliga FC Energie Cottbus vs. SpVgg Unterhaching..Spielerkreis vor dem Anstoß Energie Cottbus.Foto: Frank Hammerschmidt FOTO: Frank Hammerschmidt
Cottbus. Beim FC Energie mag man sich keinen „Spinnereien“ hingeben, aber hofft, dass Pokalgegner SC Freiburg nicht richtig auf Touren kommt. Doch der Erstligist will nicht „doof“ sein. Von Jan Lehmann

Energie Cottbus gegen den SC Freiburg, das wird an diesem Montagabend (18.30 Uhr/LR-Liveticker) im Stadion der Freundschaft ein Pokalduell für Kopf und Herz. Es ist wie immer, wenn ein Außenseiter in diesem K.o.-Wettbewerb einen Erstligisten empfängt – auch in der Lausitz hofft man natürlich ein bisschen darauf, dass der Gegner am besten mit halber Kraft und doppelter Überheblichkeit aufdribbelt und dann völlig überrascht ist, dass der Gegner auch Stollenschuhe anhat und den Ball zwei-, dreimal hochhalten kann.

Doch jene Hoffnung, dass der SC Freiburg mit einer Reserve-Elf und ohne Schienbeinschoner in die Lausitz kommen könnte, wurde schon am Samstag zunichte gemacht. Freiburgs Trainer Christian Streich erklärte bei der Pressekonferenz im Breisgau mit markigen Worten: „Das ist ja ganz klar, dass heute kein Bundesliga-Spieler mehr einen Drittligisten unterschätzt. So doof kannst du nicht sein.“

Der Erfolgscoach berichtete stattdessen von den Erkenntnissen, die er bei der Analyse des Gegners gewonnen hatte: „Cottbus ist einfach eine sehr professionelle Mannschaft, wo man ganz viele Sachen erkennt, was sie planen und wie sie es durchführen. Das sind gute taktische Abläufe mit unterschiedlichem Spielaufbau.“

Bemerkenswert: Streich schien fast ein bisschen froh darüber zu sein, dass er in Cottbus auf einen gut sortierten Gegner treffen wird: „Sie spielen nicht wild, sondern aggressiv kontrolliert und taktisch gut. Aber das ist gut, da können wir uns ja gut drauf vorbereiten.“

Vorteil also für Freiburg? Man wird es am Montagabend erleben. Das Vorgeplänkel auf das Pokalduell hatte ja schon in der vergangenen Woche begonnen. Freiburgs Angreifer Nils Petersen versuchte Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz den Wind aus den Segeln zu nehmen, als er im RUNDSCHAU-Interview ankündigte: „Ich weiß, was Pele Wollitz machen wird. Er wird uns zum absoluten Favoriten erklären und sagen, dass Energie keine Chance hat.“ Petersen, der einst unter Wollitz den wohl entscheidenden Karriereschritt machte und inzwischen in Freiburg ein absoluter Führungsspieler ist, betonte: „Das hat Pele früher schon so gemacht. Dabei weiß er genau, was unter Flutlicht im Stadion der Freundschaft möglich ist.

Tatsächlich dürfte Petersen damit ins Schwarze getroffen haben. Wollitz erklärte daraufhin im Spaß, dass er nun andere Wege finden müsse, um den Gegner einzulullen. Mit Nachdruck fügte er allerdings hinzu, dass jeder, der von einem Energie-Sieg ausgehe, sich Spinnereien hingebe.

Dass Freiburg, um es mit Streich zu sagen, nicht „doof“ in Cottbus auftreten wird, ist nun also stark anzunehmen. Aber vielleicht ist der SC einfach noch nicht richtig in Schwung. Denn im Gegensatz zu den Cottbusern, die bereits vier Pflichtspiele in den Beinen haben, kommt der Erstligist direkt aus der Saisonvorbereitung. Erst am kommenden Wochenende empfängt der SC zum ersten Bundesliga-Spiel den Pokalsieger Eintracht Frankfurt. Dessen Erstrunden-Aus am Samstag in Ulm dürfte allerdings wohl die letzte Warnung für die Freiburger Montagsmannschaft gewesen sein dürfte.

FCE-Trainer Wollitz sagte ohnehin: „Ich glaube nicht, dass uns einer unterschätzt. Dafür ist der Wettbewerb zu wichtig geworden.“ Der Cottbuser Coach betont: „Wir müssen darauf hoffen, dass Freiburg am Montag einen richtig schlechten Tag hat.“ Nur dann habe seine Mannschaft eine Chance – müsse dafür aber eine Topleistung bringen.

Die Sehnsucht in der Lausitz nach der Sensation ist groß. Zuletzt waren die Cottbuser dreimal gegen Erstligisten gescheitert, gegen den Hamburger SV (2014) und zuletzt gegen den VfB Stuttgart (2017) sogar erst unglücklich im Elfmeterschießen ausgeschieden. Am Montagabend nimmt der FCE neuen Anlauf – und in Freiburg weiß man, was die Stunde geschlagen hatte. Trainer Streich verdeutlichte: „Wenn wir nicht gut drauf sind und Fehler machen, verlieren wir.“ Die Vorahnung des Erstliga-Coaches lässt die Cottbuser hoffen: „Es ist zu befürchten, dass es spannend wird“, so Streich. Oder will er den FCE damit nur einlullen?

Trainer Christian Streich von Freiburg.
Trainer Christian Streich von Freiburg. FOTO: dpa / Patrick Seeger