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| 16:07 Uhr

Fußball
FCE über dem Strich – aber in Not

Man musste schon genau hinsehen, um Chancen von Energie Cottbus (hier Felix Geisler, M.) zu sehen.
Man musste schon genau hinsehen, um Chancen von Energie Cottbus (hier Felix Geisler, M.) zu sehen. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Energie Cottbus beendet die Hinrunde der 3. Liga mit einer ernüchternden Heim-Niederlage gegen das Schlusslicht Eintracht Braunschweig. Offensiv mangelt es dem FCE trotz viel Ballbesitz erneut an Kreativität. Von Frank Noack und Jan Lehmann

Leise rieselte der Schnee am Samstagnachmittag durch das Flutlicht im Stadion der Freundschaft. Die scheinbare Winter-Idylle passte aber überhaupt nicht zur derzeitigen Stimmungslage bei Energie Cottbus. Denn der Aufsteiger verabschiedete sich im letzten Heimspiel des Jahres mit einer enttäuschenden 0:1 (0:0)-Niederlage gegen Schlusslicht Eintracht Braunschweig von seinen Fans und liegt nach der Hinrunde zwar über dem Strich, aber punktgleich mit  den Abstiegsrängen der 3. Fußball-Liga.

Dazu kommt die angespannte Stimmung innerhalb der Vereinsführung.  Präsident Michael Wahlich hatte sich wegen der Unstimmigkeiten für seinen Rücktritt entschieden. Am Samstag verabschiedete sich Wahlich mit einer emotionalen Rede von Fans und Sponsoren. Er versuchte dabei erst gar nicht, das Bild einer rot-weißen Idylle zu zeichnen (Lesen Sie hier: Energie-Fans feiern Präsident Wahlich).

Auch die sportliche Analyse von Trainer Claus-Dieter Wollitz hörte sich nicht nach weihnachtlicher Freude an. „Eigenartig, dass wir aus den letzten vier Spielen nur einen Punkt geholt haben und trotzdem noch über dem Strich stehen“, erklärte er und mahnte: „Sollte sich nicht der eine oder andere Spieler verändern, was die Tugenden der 3. Liga betrifft, dann wird es noch schwieriger, als es schon ist. Bei unseren Spielern muss das Verantwortungsbewusstsein zurückkehren.“

Übersetzt bedeutet das wohl: Energie hatte auch gegen Braunschweig zwar wieder viel Ballbesitz, konnte sich aber kaum Torchancen erspielen. Für die gefährlichen Momente sorgten die Gäste aus Niedersachsen mit ihrem schnellen Umschaltspiel von Abwehr auf Angriff. Denn das sind eben genau jene von Wollitz angesprochenen Tugenden, die in der 3. Liga zum Erfolg führen.

Der Aufsteiger tut sich damit aber weiterhin schwer. Letztlich muss man sich die Sache mit Ballbesitz so vorstellen wie mit den guten ­Noten in der Schule. Auf der einen Seite gibt es jene Schüler, die das ganze Jahr zwar immer fleißig mit­arbeiten, in den entscheidenden Momenten, sprich den Leistungskon­trollen, aber versagen. Weil ihnen dann partout nicht dir richtigen Antworten einfallen. Auf der anderen Seite gibt es die vermeint­lichen Hinterbänkler, die man genau genommen nur in diesen entscheidenden Momenten wahrnimmt – weil sie dann ­richtig einen raushauen.

So in etwa lief auch die Partie vor 6020 Zuschauern im Stadion der Freundschaft ab. Ja, Energie mühte sich in der 1. Halbzeit redlich. Der Ball lief stellenweise passabel durch die eigenen Reihen. Vor allem dann, wenn Kopf und Beine von ­Fabio Viteritti beteiligt ­waren. Aber die meisten dieser Ball­stafetten endeten schon vor dem Eintracht-Strafraum. „Wir haben es versäumt, den entscheidenden Pass zu spielen oder aus der zweiten Reihe zu schießen“, kritisierte Wollitz.

Braunschweig hielt sich in Sachen Mitarbeit am Ball dagegen zurück und konzentrierte sich stattdessen auf seine überfallartigen Konter, die schon vor der Pause bei­nahe zum Torerfolg geführt hätten. In der 64. Minute war es dann soweit. José-Junior Matuwila fälschte eine Flanke von Onur Bulut beim Rettungsversuch unglücklich zum 0:1 in den eigenen Kasten ab. „In der zweiten Halbzeit waren wir passiv, haben das Zentrum hergegeben“, bilanzierte Wollitz.

Außerdem fehlte es – wieder – an der Kreativität in der Offensive. Erst nach der Einwechslung von Dimitar Rangelov musste Schlusslicht Braunschweig zumindest ein wenig  um seinen erst zweiten Sieg in der laufenden Saison fürchten. Unter dem Strich war es eine bittere, aber verdiente FCE-Niederlage. „Wir ­hatten keine klare Torchance“, räumte Kevin Scheidhauer ein.

Energie Cottbus - Braunschweig FOTO: Steffen Beyer

Energie Cottbus beendet die Hinrunde mit 20 Punkten. Das ist für ­einen Aufsteiger nicht schlecht, aber eben auch alles andere als ein Ruhekissen. Vor zwei Jahren, also im Dezember 2016, hatte der FCE zum gleichen Zeitpunkt 23 Punkte auf dem Konto – und stieg am Saisonende ab. Erschwerend kommt hinzu, dass inzwischen nicht mehr drei, sondern sogar vier Teams ­runter müssen. „Wir sind noch über dem Strich, das ist das einzig positive an der Hinrunde“, meinte Kevin Scheidhauer.

Die vereinzelten Schneeflocken in Cottbus blieben am Samstagnachmittag übrigens nicht lange liegen. Und auch der FCE hat am nächsten Samstag in der Auswärtspartie bei Hansa Rostock noch eine ­weitere Gelegenheit, zumindest für ein wenig weihnachtlichen Glanz im ­Tabellenkeller zu sorgen.