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| 10:19 Uhr

Energie Cottbus
Junger FCE – zu alt für die Märchenstunde

 Philipp Knechtel hatte an allen drei Gegentoren einen Anteil.
Philipp Knechtel hatte an allen drei Gegentoren einen Anteil. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Energie Cottbus ist bei der 2:3-Niederlage gegen Wehen Wiesbaden so jung wie nie. Sieben Spieler aus dem eigenen Nachwuchs kommen zum Einsatz. Dennoch spart Trainer Wollitz nicht mit Kritik. Das Alter spielt für ihn keine Rolle. Von Jan Lehmann

Im Fußball-Märchenland wäre das Spiel zwischen Energie Cottbus und dem SV Wehen Wiesbaden anders ausgegangen. Keine Frage, da hätte die „wahrscheinlich jüngste Truppe, die hier im Profi-Fußball in Cottbus aufgelaufen ist“, wie Trainer Claus-Dieter Wollitz vorrechnete, natürlich einen märchenhaften Sieg gefeiert. Schließlich standen mit Torhüter Avdo Spahic (21 Jahre), Leon Schneider (18), Philipp Knechtel (22), Jonas Zickert (21), Felix Geisler (21) und Moritz Broschinski (18) gleich sechs Spieler aus dem FCE-Nachwuchs in der Startelf, zur zweiten Halbzeit wurde auch noch Colin Raak (18) eingewechselt. Bei Spielabpfiff betrug das Durchschnittsalter der Cottbuser Mannschaft 22,3 Jahre – Abwehrspieler José-Junior Matuwila war mit 27 Jahren der Oldie im Team.

 Eigentlich ein großer Tag für die Lausitzer  Sportschule:  Gleich sieben Akteure aus dem Cottbuser Nachwuchsleistungszentrum kamen gegen Wiesbaden  zum Einsatz.
Eigentlich ein großer Tag für die Lausitzer Sportschule: Gleich sieben Akteure aus dem Cottbuser Nachwuchsleistungszentrum kamen gegen Wiesbaden zum Einsatz. FOTO: Steffen Beyer

Doch trotz einer nahezu märchenhaften Aufholjagd in den letzten zehn Minuten mit den beiden Treffern der eingewechselten Angreifer Kevin Scheidhauer (82.) und Streli Mamba (90.) standen die Energie-Profis nach der 2:3-Niederlage ziemlich ernüchtert im Cottbuser Schneeregen. Die Märchenstunde war am Samstag schließlich schon nach neun Spielminuten so gut wie beendet gewesen. Wehen Wiesbaden nutzte die kapitalen Cottbuser Abwehrfehler zu Beginn eiskalt aus und ging durch Jeremias Lorch (5.) und Florian Hansch (9.) schnell mit 2:0 in Führung. Gäste-Coach Rüdiger Rehm freute sich: „Wir haben die Einladungen von Energie konsequent genutzt.“ Die Cottbuser Abwehr wirkte ohne Kapitän und Führungsfigur Marc Stein ziemlich unsortiert, die beiden frühen Gegentore lähmten auch die Angriffsbemühungen.

 Colin Raak wurde zu Beginn der zweiten Halbzeit eingewechselt.
Colin Raak wurde zu Beginn der zweiten Halbzeit eingewechselt. FOTO: Steffen Beyer

Spätestens als Wehens Neuzugang Hansch, der vor drei Jahren noch bei Budissa Bautzen gespielt hatte, in der 33.  Spielminute auch noch das dritte Tor der Gäste erzielte, war das Spiel so gut wie entscheiden. Zwischenzeitlich war auf dem Spielfeld sogar ein Klassenunterschied auszumachen. Ohne viel Aufwand hielt das routinierte Team aus der hessischen Hauptstadt den FCE vor der Minuskulisse von nur 4517 Zuschauern in Schach. Trainer Claus-Dieter Wollitz gab später zu: „Der Sieg für Wehen war hochverdient.“

 Moritz Broschinski
Moritz Broschinski FOTO: Steffen Beyer

Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass der Wollitz-Plan für diese Partie beinahe noch aufgegangen war. Mit Scheidhauer und Mamba von der Bank wollte der Coach eigentlich nach der Pause den Heimsieg einwechseln. „Doch dafür hätten wir nicht mit diesem Ergebnis in die Pause gehen dürfen“, so Wollitz, der auch nicht mit Kritik an den jungen Spielern sparte. Seine Botschaft: Selbst die Jünglinge sind zu alt für die Märchenstunde, sie müssen den Klartext aushalten. Wollitz verdeutlichte: „Alle Spieler wollen Profis sein. Alle werden pünktlich bezahlt. Jetzt haben sie eine Chance, die sie nutzen sollten.“

 Avdo Spahic kassierte drei Treffer.
Avdo Spahic kassierte drei Treffer. FOTO: fotostand / Fotostand / Weiland

Gegen Wiesbaden funktionierte das (noch) nicht. Der Trainer befand: „Die Stellungsfehler bei den Gegentoren waren krass. Das hat nichts mit dem Durchschnittsalter zu tun, sondern mit Verantwortungsbewusstsein.“ Mehr aber noch ärgerte er sich darüber, dass die Mannschaft in der ersten Halbzeit nicht jene Leidenschaft auf den Rasen brachte, die er erwartet hatte. Felix Geisler gab zu: „Wenn man als junger Spieler die Chance bekommt, dann muss man das schätzen und dafür kämpfen. Aber das haben wir in der ersten halben Stunde nicht auf den Platz gekriegt. Wir haben nicht den Kampf geboten, der nötig war.“

 Jonas Zickert musste verletzt raus.
Jonas Zickert musste verletzt raus. FOTO: Steffen Beyer

Und dennoch will Wollitz weiter auf den Nachwuchs setzen – auch wenn er für Montag die ersten Neuzugänge angekündigt hat (siehe „Wollitz will am Montag verkünden“). Er betonte: „Ich glaube, dass die junge Truppe richtig was rauspusten könnte.“ Das sieht auch Dimitar Rangelov so. Der 35-Jährige, der fast doppelt so alt wie einige seiner Mitspieler ist, bekräftigte: „Es ist schön für Energie, dass so viele Jungs aus dem eigenen Nachwuchs in der ersten Mannschaft mitspielen dürfen. Ich versuche, ihnen zu helfen.“ Der Bulgare machte Mut: „Die Qualität ist da, sie brauchen einfach ein bisschen mehr Ruhe und Erfahrung – und dann wird alles gut.“ Eben wie in einem Fußball-Märchen. Energie hat noch 17 Spieltage Zeit, dass es mit dem Klassenerhalt doch noch wahr wird.

 Felix Geisler hatte gute Szenen.
Felix Geisler hatte gute Szenen. FOTO: Steffen Beyer