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| 21:57 Uhr

Energie Cottbus nach dem späten Remis in Aalen
Wenn der Tee wie Schampus schmeckt

Energie kehrt dreimal nach dem Rückstand zurück FOTO: Eibner-Pressefoto / Langer / Eibner-Pressefoto
Aalen. Energie Cottbus macht beim VfR Aalen viele Fehler – und kann sich trotzdem noch über den späten Ausgleich freuen. Für Brandenburgs Mannschaft des Jahres ist dieser Punkt im Abstiegskampf extrem wichtig. Von Jan Lehmann

Eigentlich hatten sich die Profis von Energie Cottbus an diesem Wochenende eiskalten Champagner verdient – schließlich waren sie am Samstagabend bei der Sportgala in Potsdam zu „Brandenburgs Mannschaft des Jahres 2018“ gekürt worden. Doch etwa 500 Kilometer entfernt von der Potsdamer Metropolishalle stand den Lausitzern am Sonntagabend bei Dauerregen und Eiseskälte der Sinn wohl eher nach heißem Kamillentee.

Doch der dürfte nach dem hart erkämpften 3:3 (1:1) beim VfR Aalen fast wie Schampus oder zumindest ganz passabel geschmeckt haben. Bei äußerst unangenehmen Witterungsbedingungen hatten Doppeltorschütze Streli Mamba (24./65.) und Dimitar Rangelov (90.+3) mit einem Treffer in der allerletzten Sekunde dreimal einen Rückstand egalisiert. Trainer Claus-Dieter Wollitz schüttelte nach der spektakulären Partie fast schon ein bisschen fassungslos den Kopf und sagte: „Es ist ein glücklicher Punkt für uns, aber den nehmen wir auch mit. Ich weiß, wie sich jetzt die Aalener fühlen.“

Beim Tabellenvorletzten fühlte man sich „wie in einem schlechten Traum“, wie Mittelfeldspieler Marvin Büyüksakarya zugab. Nach den Toren von Marcel Bär (14.), Matthias Morys (49.) und Torben Rehfeldt (69.) waren die Aalener dreimal auf die Siegerstraße eingebogen. Energie hatte dabei freundlich mitgeholfen, denn das erste und das dritte Gegentor fielen jeweils nach einem Eckball. „Da haben wir eine klare Zuordnung und wurden zurecht bestraft“, so Trainer Wollitz. Aalen witterte dank dieser Cottbuser Aufbauhilfe nach sieben Spielen ohne Sieg endlich die Chance, einen Schritt aus dem Tabellenkeller zu machen.

FCE-Keeper Avdo Spahic gab bei den schwierigen Platzverhältnissen bei den Gegentreffern keine ganz so gute Figur ab. Der Cottbuser Schlussmann atmete nach dem Spiel durch: „Ich habe heute kein gutes Spiel gemacht, aber die Mannschaft hat mich nicht im Stich gelassen.“ Spahic vergaß dabei zu erwähnen, dass er den FCE überhaupt noch im Spiel gehalten hatte, als er gegen Büyüksakarya (51.) mit einer Großtat das mögliche 1:3 verhinderte. Wenig später rettete dann FCE-Verteidiger Jose-Junior Matuwila für seinen geschlagenen Schlussmann vor der Linie (56.) – Aalen war drauf und dran, den FCE noch tiefer in den Tabellenkeller zu schießen.

Doch Cottbus wehrte sich. Zwar spielten die Lausitzer über 90 Minuten sehr fehlerhaft und ließen Trainer Wollitz an der Seitenlinie ein ums andere Mal verzweifeln. Dafür warfen sich die Cottbuser aber mit ihren nur zu Spielbeginn blütenweißen Trikots vorbildlich in jeden Zweikampf und damit auch in den Aalener Matsch. Die etwa 200 Energie-Fans, die den weiten Weg ins Schwabenland auf sich genommen hatten, sahen ein temporeiches Kampfspiel mit Happy End. Doppeltorschütze Mamba freute sich: „Wir haben Moral gezeigt und uns diesen Punkt verdient. Der ist sehr wichtig, nächste Woche geht es gegen Braunschweig – den nächsten Konkurrenten von da unten. Da zählt jeder Punkt, jeder Millimeter.“

Jubel nach Ausgleich Nummer eins: Streli Mamba (2.v.l.) erzielte sein erstes von zwei Toren an diesem Nachmittag.
Jubel nach Ausgleich Nummer eins: Streli Mamba (2.v.l.) erzielte sein erstes von zwei Toren an diesem Nachmittag. FOTO: Eibner-Pressefoto / Langer / Eibner-Pressefoto

Und eben so Millimeter-genau köpfte Dimitar Rangelov den letzten Ball zum umjubelten Cottbuser Ausgleich ins Netz. Der Bulgare vollendete in der dritten Minute der Nachspielzeit eine Flanke von Fabian Holthaus – danach wurde das Spiel gar nicht mehr angepfiffen. Aalens Keeper Daniel Bernhardt verzweifelte: „Das ist ganz bitter, wir werden für jeden kleinen Fehler gnadenlos bestraft. Drei Tore müssen eigentlich für einen Heimsieg reichen.“ Taten sie am Sonntag aber nicht, Energie hielt Aalen somit auf Distanz. Die Cottbuser bleiben in der Drittliga-Tabelle über dem ominösen Strich und könnten am kommenden Samstag gegen Schlusslicht Braunschweig den nächsten direkten Konkurrenten auf Abstand halten.

Danach gibt es noch das prestigeträchtige Auswärtsspiel in Rostock. Spätestens wenn Energie diese beiden Partien noch erfolgreich bestreiten sollte, ist dann wohl tatsächlich mal Schampus in der Lausitz fällig.

Mehr zur Brandenburger Sportgala und weiteren Lausitzer Erfolgen auf Seite 20

Energie kehrt dreimal nach dem Rückstand zurück FOTO: Eibner-Pressefoto / Langer / Eibner-Pressefoto