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| 13:07 Uhr

Fußball
Energie Cottbus sucht Ersatz fürs Mittelfeld

Lasse Schlüter und seine Kollegen hatten im Mittelfeld gegen Uerdingen einen schweren Stand. Kommendes Wochenende ist Schlüter nun auch noch gesperrt.
Lasse Schlüter und seine Kollegen hatten im Mittelfeld gegen Uerdingen einen schweren Stand. Kommendes Wochenende ist Schlüter nun auch noch gesperrt. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Cottbus hat bei der Niederlage gegen Uerdingen zwar gute Chancen, aber erneut auch große Probleme im Mittelfeld. Deshalb wächst der Wunsch nach Verstärkung in der Winterpause. Von Frank Noack und Jan Lehmann

Ja klar, es gäbe durchaus einige Argumente, um sich die 0:2 (0:0)-Niederlage von Energie Cottbus gegen Mitaufsteiger KFC Uerdingen schönzureden. Da wäre zum Beispiel die passable 1. Halbzeit, welche die Gastgeber am Samstagnachmittag abgeliefert haben. Sie erarbeiteten und erspielten sich kurz vor der Pause mehrere Möglichkeiten, um in Führung zu gehen. Als Argument zum Schönreden taugt auch der namhafte Kader der Gäste aus Krefeld, die in der Tabelle der 3. Fußball-Liga mittlerweile auf Rang zwei vorgerückt sind. Mit dem 2014er-Weltmeister Kevin Großkreutz sowie Dominic Maroh und Maximilian Beister brachte der ehemalige FCE-Trainer Stefan Krämer gleich mehrere gestandene Erstliga-Spieler mit in die Lausitz und darf weiterhin vom direkten Durchmarsch in die 2. Bundesliga träumen.

All diese Argumente wollte Energie-Coach Claus-Dieter Wollitz nach der letztlich verdienten Heim-Niederlage aber nicht gelten lassen. „Gegen einen Gegner wie Uerdingen kann man sich vielleicht hinter der individuellen Qualität verstecken. Aber das ist ein Fehler! Wir hätten auch dieses Spiel gewinnen können“, findet Wollitz und fragt warnend: „Wer gibt uns die Garantie, dass es in den Spielen gegen Mannschaften auf Augenhöhe dann funktioniert? Darauf sollten wir uns nicht verlassen.“

Denn es bleibt dabei: Seit den verletzungsbedingten Ausfällen von Tim Kruse und Marcelo funktioniert in den entscheidenden Momenten einfach zu wenig – das gilt sowohl zeitlich als auch räumlich gesehen. Vor 5526 Zuschauern im Stadion der Freundschaft hätten die Gastgeber die 1. Halbzeit zumindest zur vorentscheidenden Phase machen können. „Da müssen wir einfach das Tor schießen, dann verläuft das Spiel auch anders“, findet Stürmer Kevin Scheidhauer. Und auch KFC-Trainer Krämer räumt ein: „Mit der 1. Halbzeit bin ich nicht zufrieden. In der Offensive haben wir zu viele Bälle hergegeben und damit das Umschaltspiel von Energie ermöglicht.“

Aber während sich die Gäste nach der Pause steigerten und zu Treffern durch Maximilian Beister (76.) und Maurice Litka (80.) kamen, ging bei Energie die Ordnung mehr und mehr verloren – und in der Offensive fast nichts mehr. Echte Torchancen suchten die tapfer mitleidenden Fans in der 2. Halbzeit vergeblich. „Wir haben keine Akzente mehr gesetzt. Weder vorn, noch im Mittelfeld oder auf den Außenverteidiger-Positionen. Das Spiel gegen den Ball funktioniert einfach nicht“, kritisiert Wollitz.

Tim Kruse zog sich gegen die Sportfreunde Lotte vor drei Wochen einen Anriss der Achillessehne zu. Der 35-Jährige fehlt derzeit an allen Ecken und Enden.
Tim Kruse zog sich gegen die Sportfreunde Lotte vor drei Wochen einen Anriss der Achillessehne zu. Der 35-Jährige fehlt derzeit an allen Ecken und Enden. FOTO: Steffen Beyer

Vor allem im Zentrum ist nach dem Ausfall von Tim Kruse (Anriss der Achillessehne) weiterhin keine tragfähige Lösung in Sicht. Gegen Uerdingen probierte es Wollitz mit Paul Gehrmann und Lasse Schlüter als Doppelsechs, davor spielte Felix Geisler. Das funktionierte in der 1. Halbzeit noch ganz passabel, in Halbzeit zwei war Energie dann gegen die Uerdinger Routine unterlegen – und machte vor allem erneut spielentscheidende Fehler. „Wir haben nicht deshalb verloren, weil uns der Gegner frühzeitig in unserer Hälfte attackiert hat. Wir haben verloren, weil wir das Spiel im Mittelfeld abgeben, zehn Meter vor und hinter der Mittellinie. Das geht einfach nicht“, analysiert Wollitz.

Energie kassierte am Samstag die zweite Niederlage im zweiten Spiel nach den Verletzungen von Tim Kruse und Marcelo. Schnelle Lösungen, um das Loch in der Zentrale zu stopfen, sind nicht in Sicht. Erschwerend kommt hinzu, dass Lasse Schlüter für das Auswärtsspiel beim ebenfalls abstiegsbedrohten VfR Aalen am kommenden Sonntag nach seiner fünften gelben Karte gesperrt ist. Und der mögliche Ersatzmann Daniel Stanese mit einem Mittelfußbruch ebenfalls lange ausfällt.

Marcelo will zwar bald mit Lauftraining beginnen, wird aber erst im neuen Jahr wieder einsatzfähig sein. Bei Kruse steht weiterhin ein vorzeitiges Karriere-Ende im Raum. Für Anfang Januar sind erneute Untersuchungen terminiert.

Bis dahin wird die Achillessehne konservativ mit Spritzen behandelt. Sollten die Untersuchungen im Januar ergeben, dass dies nicht ausreichend ist, sei laut Wollitz eine Operation unumgänglich. Dies wäre gleichbedeutend mit dem Karriere-Ende für Tim Kruse. Denn im Sommer wollte der 35-jährige Mittelfeldspieler seine Laufbahn ohnehin beenden.

Die Hoffnung, dass der Routinier doch noch einmal zurückkehrt, ist zwar da, aber eben auch das Wissen um die große Unsicherheit. Deshalb sucht Energie Cottbus einen Kruse-Ersatz, der in der Winterpause kommen und das Team im Kampf um den Klassenerhalt stabilisieren soll. „Wir brauchen auf dieser Position einen erfahrenen Spieler. Denn es ist schon jetzt ein brandgefährliches Spiel“, betont Wollitz.

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