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| 18:47 Uhr

Fußball
Schwere Geburt mit ganz viel Herz

Eine Szene, die in Erinnerung bleben wird: Mit dem Rücken zum Tor robbt Streli Mamba im Baby-Krabbel-Modus zum Ball und befördert ihn dann irgendwie an Zwickaus Keeper Matti Kamenz vorbei ins Netz.
Eine Szene, die in Erinnerung bleben wird: Mit dem Rücken zum Tor robbt Streli Mamba im Baby-Krabbel-Modus zum Ball und befördert ihn dann irgendwie an Zwickaus Keeper Matti Kamenz vorbei ins Netz. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Ausgerechnet der frischgebackene Vater Streli Mamba ist der Matchwinner beim Cottbuser Heimsieg gegen Zwickau. Trainer Wollitz setzt auf einen Reifeprozess beim Torjäger. Von Jan Lehmann und Paul Resagk

„Männer, es ist vollbracht!“ Diese Nachricht in der teaminternen WhatsApp-Gruppe löste am Freitagabend bei Energie Cottbus große Freude aus. Angreifer Streli Mamba verkündete die Geburt seines Sohnes Lyonel und gab  gleichzeitig das Signal, dass er am Samstag gegen den FSV Zwickau einsatzbereit sei. Und weil der Fußball eben gern diese ganz besonderen Geschichten schreibt, konnte es danach auch gar nicht anders kommen, als dass Papa Mamba dort zum Matchwinner avancierte.

Gute 20 Stunden nach der Baby-Nachricht war es erneut vollbracht: Energie bezwang durch Mambas bemerkenswertes Siegtor (60.) den FSV Zwickau mit 2:1 (0:1). Der erste Cottbuser Drittliga-Sieg nach sechs erfolglosen Versuchen war dabei durchaus eine schwere Geburt. Der FCE geriet durch den sehenswerten Treffer von Mike Könnecke (24.) erneut in Rückstand, die sportliche Talfahrt drohte ungebremst weiterzugehen.

Eine famose Energie-Leistung von Marcelo, der direkt vorm Pausenpfiff die bereits acht Drittliga-Stunden andauernde Torflaute der Cottbuser beendete, brachte dann aber die Wende. „Das 1:1 war ein Knackpunkt“, bemerkte Zwickaus-Trainer Joe Enochs, der seine Mannschaft gut auf das Duell mit seinem ehemaligen Osnabrücker Coach Claus-Dieter Wollitz eingestellt hatte. Besonders über die beiden ehemaligen Cottbuser Nils Miatke und Christian Bickel waren die Gäste auf den Flügeln stets gefährlich.

Energie jubelt erleichtert über den Sieg gegen Zwickau FOTO: Steffen Beyer

Nach der Pause fassten sich die Energie-Profis dann aber trotz der vielen Rückschläge in den vergangenen Wochen ein Herz. Paul Gehrmann, der sich im neu sortierten defensiven Mittelfeld gut einbrachte, berichtete: „Ich habe auch nach dem Rückstand nicht gezweifelt. Mit den Fans im Rücken war mir klar, dass wir das Spiel irgendwie drehen.“

Das Wort „irgendwie“ beschreibt es dabei ziemlich gut, denn in der entscheidenden Situation brachte Mamba den Ball eben tatsächlich irgendwie im Zwickauer Tor unter. Schon die Vorarbeit war sehenswert: Maximilian Zimmer bediente Kevin Weidlich per Hackentrick, der passte zu Mamba im Fünf-Meter-Raum. Dessen erster Versuch wurde abgeblockt, mit dem Rücken zum Tor robbte Mamba im Baby-Krabbel-Modus aber reaktionsschnell erneut zum Ball.

Wie er die Kugel dann aus dieser Position halbhoch am Spremberger Matti Kamenz vorbei ins Netz beförderte, muss Mamba später wohl seinem kleinen Lyonel noch einmal ganz genau erklären. Der 24-Jährige sagte: „Die Emotionen sind überwältigend. Gestern Abend ist Lyonel zur Welt gekommen, unser größter Schatz – und heute haben wir das Spiel gewonnen. Wahnsinn.“

Direkt nach dem Treffer hatte Mamba ein Herz geformt und so eine Liebesbotschaft ins Krankenhaus geschickt: „Die Geste war natürlich an meine Freundin und den Knirps gerichtet, die sich jetzt erholen sollen und dann bald nach Hause kommen“, so der Angreifer.

Mamba war die Erleichterung anzumerken. Auch das 1:1 von Marcelo hatte er schon mit bemerkenswerten Einsatz vorbereitet. Sein Trainer Claus-Dieter Wollitz hofft, dass sein Angreifer nun weiter reift: „Er hat jetzt eine andere Verantwortung als Vater – und die hat er auch auf dem Spielfeld übernommen.“

Nach dem Treffer grüßt Mamba seine Frau und Söhnchen Lyonel.
Nach dem Treffer grüßt Mamba seine Frau und Söhnchen Lyonel. FOTO: Matthias Koch
Ergebnis FC Energie Cottbus gegen FSV Zwickau
Ergebnis FC Energie Cottbus gegen FSV Zwickau FOTO: LR / Jennifer Hnyk