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| 10:16 Uhr

Energie Cottbus
Wollitz pokert um die FCE-Neuzugänge

 Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz versicherte am Donnerstag: „Wir werden bis nächste Woche Spieler verpflichten.“
Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz versicherte am Donnerstag: „Wir werden bis nächste Woche Spieler verpflichten.“ FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Energie Cottbus und seine Fans müssen weiter auf Verstärkungen für den Abstiegskampf in der 3. Liga warten. Trainer Wollitz lässt sich trotz Absagen nicht beirren. Er rechnet damit, dass der Markt noch richtig in Bewegung gerät. Von Jan Lehmann und Frank Noack

Claus-Dieter Wollitz ärgert sich. Sehr sogar. Weil ein Spieler, den der Energie-Trainer gern nach Cottbus geholt hätte, abgesagt hat. Der Grund: Dass Angebot sei nicht hoch genug und er wisse, dass in Cottbus ganz andere Gehälter gezahlt würden. Eine Aussage, die Wollitz auf die Palme bringt und sogar dazu bewegt, einen der seltenen Einblicke in die Portemonnaies der Drittliga-Profis zu gewähren.  Der Trainer betonte bei der Pressekonferenz vor dem Punktspiel-Auftakt gegen den SV Wehen Wiesbaden (Samstag, 14 Uhr): „Es gibt hier eine klare Gehaltsstruktur, die nicht gesprengt wird.“ Wollitz weiter: „Es wird hier definitiv nicht fünfstellig bezahlt.“ Dass dies aber so in der Branche kolportiert werde, sei „eine absolute Sauerei“, schimpfte der 53-Jährige. Danach beruhigte sich der FCE-Coach aber gleich wieder und gab die wichtigste Verhaltensregel für den Endspurt auf dem Transfermarkt vor: „Nicht nervös werden.“

Energie-Präsident Werner Fahle hatte zuvor im RUNDSCHAU-Interview beschrieben: „So eine Transferperiode ist ein bisschen wie Pokerspiel.“ Ein Pokerspiel, bei dem eben auch gezinkte Karten im Umlauf sind, wie Wollitz bei den Gerüchten um die hohen Cottbuser Gehälter schmerzlich erleben musste.

Doch der Coach ist an diesem Pokertisch kein Frischling, Präsident Fahle schwärmte: „Sein Netzwerk in der Branche ist überdimensional.“ Am Donnerstag fragte Wollitz dann auch mit Zockermiene in die Runde: „Wer sagt denn, dass wir noch keine Spieler verpflichtet haben und das erst nächste Woche bekanntgeben?“ Ein bisschen bluffen gehört wohl dazu. Auf RUNDSCHAU-Nachfrage bestätigte er nach der Pressekonferenz, dass es da einen Spieler gebe, mit dem er sehr weit sei. Aber unterschrieben sei noch nichts.

Wie wacklig solche Absprachen aber sind, hat Energie erst am Dienstag erlebt. Eigentlich war man sich mit Thomas Konrad (29) von Viktoria Berlin schon einig. Der Verteidiger hatte als Probespieler gegen Magdeburg eine Halbzeit lang eine gute Figur in Cottbus gemacht. Doch plötzlich schaltete sich der VfL Osnabrück ein und Energie hatte schlechte Karten. „Statt Klassenkampf mit Energie spielt er jetzt um den Aufstieg“, konstatierte Wollitz.

Er räumte ein, dass Energie in diesem konkreten Fall wohl zu lange die Karten auf der Hand behalten habe. „Wir haben am Samstag vielleicht den Zeitpunkt verpasst, das schon klar zu machen. Andere Vereine sind da in ihrer Entscheidungsfindung selbstbewusster.“ Nach RUNDSCHAU-Informationen haben auch zwei weitere Spieler dem FCE abgesagt, weil sie kurz vor der Unterschrift noch anderswo ein besser dotiertes Angebot bekommen haben.

Somit bleibt die Lage für den FCE ziemlich prekär. Bei acht verletzten Spielern und dem Abgang von Kapitän Marc Stein sind Verstärkungen beinahe zwingend erforderlich. Doch Wollitz beruhigt: „Das Spiel am Samstag gegen Wiesbaden ist wichtig, aber wir sollten nicht alles darauf fokussieren.“ Seine Zeitschiene reicht nicht nur bis zum Ende der Transferperiode am Donnerstag: „Wenn wir Ende Februar alle Spieler bei 100 Prozent haben, dann haben wir alle Chancen.“

Aktuell gibt es Gerüchte um den Paderborner Mittelfeldspieler Massih Wassey (30.). Wollitz will die nicht kommentieren, sagt aber zumindest: „Das ist ein sehr interessanter Spieler.“ Das Problem: Mit Rostock, Münster, Braunschweig und Jena sitzen Medienberichten zufolge gleich mehrere Drittliga-Konkurrenten mit am Pokertisch. Ähnlich dürfte es bei Abwehrspieler Robert Müller (32/KFC Uerdingen) sein.

Und dennoch bleibt Wollitz optimistisch. Er erneuerte seine Ankündigung: „Wir werden bis nächste Woche Spieler verpflichten – und wenn es sechs werden, dann eben sechs.“ Dabei setzt er auf sein Gespür. Der Trainer betonte: „Ich bin überzeugt, dass sich der Markt nächste Woche noch einmal anders bewegt. Beim Pokern zeigen sie auch nicht alles.“