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| 18:39 Uhr

Fußball
Energie: Perfekter Abschied ins Ungewisse

Nach dem 3:0-Sieg gegen die VSG Altglienicke vollführten die Energie-Profis mit Trainer Wollitz ihren üblichen Jubeltanz vor der Nordwand. Am 27. Mai wollen die Lausitzer beim Aufstiegs-Rückspiel in einem ausverkauften Stadion dann richtig feiern.
Nach dem 3:0-Sieg gegen die VSG Altglienicke vollführten die Energie-Profis mit Trainer Wollitz ihren üblichen Jubeltanz vor der Nordwand. Am 27. Mai wollen die Lausitzer beim Aufstiegs-Rückspiel in einem ausverkauften Stadion dann richtig feiern. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Energie Cottbus erhält nach dem 3:0 gegen Altglienicke den Meisterpokal, aber der ist für die Cottbuser nicht viel wert. Alle Euphorie gilt nun dem Aufstiegs-Endspiel am 27. Mai. Von Jan Lehmann

Der silberne Pokal glitzerte nach dem 3:0-Heimsieg des FC Energie gegen die VSG Altglienicke so verführisch in der Lausitzer Sonne, doch eigentlich wollte ihn keiner der Spieler in den Energie-Trikots so richtig haben. Selten gab es wohl eine offizielle Übergabe eines Meisterpokals, bei der sich die Spieler so mühen mussten, überhaupt etwas Freude auszustrahlen und die Fans des Titelträgers sich sogar zu bösen Pfiffen hingerissen sahen. „Meister müssen aufsteigen“ intonierten die Energie-Anhänger, als FCE-Kapitän Marc Stein den Pokal des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) überreicht wurde.

Mit Schatzmeister Jens Cyrklaff und dem Spielausschuss-Vorsitzenden Uwe Dietrich hatte der NOFV die zweite Reihe der Verantwortlichen zur Pokalübergabe nach Cottbus geschickt. Präsident Rainer Milkoreit, dessen Stellvertreter Klaus Reichenbach oder Geschäftsführer Holger Fuchs hatten offenbar nicht so viel Lust, Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz nach dessen heftigen Attacken in der zurückliegenden Saison gegen den Verband nun noch einen Blumenstrauß in die Hand zu drücken.

So musste sich Schatzmeister Cyrklaff noch einmal von Wollitz persönlich anhören, als „was für einen Irrsinn“ der Coach diese „respektlose Relegation“ empfindet, in der Energie am 24. und 27. Mai um den Drittliga-Aufstieg kämpfen muss.

FCE-Kapitän Marc Stein erklärte: „Dieser Pokal ist nicht so viel wert. Es steht das große Ziel: Wir wollen in den Aufstiegsspielen bestehen.“ Nach dem klaren 3:0, bei  dem Marcelo mit seinen beiden Toren (22./29. Minute) und Fabio Viteritti mit einem Foulelfmeter (32.) innerhalb von zehn Minuten das Spiel entschieden, befand der Cottbuser Abwehrchef: „Dieser Pokal ist für uns nur ein Zwischenziel. Aber dieses Ziel haben die Jungs in sensationeller Art und Weise erreicht.“

Der 16. Sieg im 17. Heimspiel der Saison war der perfekte Abschied von der Regionalliga Nordost im Stadion der Freundschaft. Die will man in Cottbus auf ganz lange Zeit nicht mehr live vor der eigenen Haustür erleben. Energie demonstrierte gegen den spätestens nach dem bitteren Platzverweis für Torhüter Dan Twardzik (27./Handspiel außerhalb des Strafraums) überforderten Gegner, dass diese Mannschaft ein bisschen zu groß für diese Liga ist.

Die Cottbuser hatten im zweiten Abschnitt so viel Ballbesitz, dass sie mit etwas mehr Konsequenz ein Torfestival hätten feiern können. Es blieb zwar beim 3:0, weil Energie es schlichtweg etwas zurückhaltender angehen ließ – doch die 5766 Zuschauer im Stadion der Freundschaft feierten ein stimmungsvolles Fußballfest.

Aber, es war eben nur ein Abschied ins Ungewisse. Wenn Energie in den Aufstiegsspielen scheitern sollte, kommt die Regionalliga mit all ihren Macken auch in der kommenden Saison wieder nach Cottbus zurück. Beim FCE aber setzt man auf den Zusammenhalt. Marc Stein betonte: „Heute hat man einen Vorgeschmack bekommen. Schon bei 6000 Leuten war eine geile Stimmung. Und wenn es voll ist, wissen wir, dass die Jungs brennen.“

Bereits 12 000 Tickets hatte Energie am Sonntag vor Spielbeginn für das Aufstiegs-Rückspiel am 27. Mai verkauft. Und nach dem Abpfiff bildete sich vor der Stadionkasse erneut eine lange Schlange – am Montag gehen die restlichen Karten für die 22 500 Zuschauer fassende Arena in den freien Verkauf.

Die Euphorie kennt derzeit keine Grenzen, und Trainer Wollitz feuerte sie weiter an. Er kündigte für die Aufstiegsspiele an: „Wir pusten alles raus, was in der Lausitz drin ist – und die Lausitz hat viel zu bieten. Wir haben Zusammenhalt, wir haben Ehre, wir haben Stolz – und wir werden am 27. der Stolz der Lausitz sein.“

An diesem entscheidenden Tag wird es dann für den Sieger zwar keinen glänzenden Pokal geben. Aber einen echten Grund zum Feiern.