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| 14:29 Uhr

Energie Cottbus
Broschinski auf den Spuren von Frank Mill

 Moritz Broschinski will seinen Fehlschuss im Testspiel gegen Hertha II schnell abhaken. Der Jung-Profi kämpft um mehr Spielzeit beim FCE.
Moritz Broschinski will seinen Fehlschuss im Testspiel gegen Hertha II schnell abhaken. Der Jung-Profi kämpft um mehr Spielzeit beim FCE. FOTO: Eibner Pressefoto / Michael Bermel/Eibner-Pressefoto
Berlin. Der junge Stürmer bekommt Rückendeckung von Energie Cottbus nach seinem Fehlschuss gegen Hertha BSC II. Er will den Albtraum möglichst schnell abhaken. Von Frank Noack

Man weiß nicht so genau, wie gut Moritz Broschinski in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag schlafen konnte. In jedem Fall hatte sich der junge Stürmer des FC Energie Cottbus ganz fest vorgenommen, nicht von seinem denkwürdigen Fauxpas im geheimen Testspiel bei Hertha BSC II (0:0) zu träumen. „Klar, habe ich mich sehr geärgert. Aber – neuer Tag, neue Chancen. Ich muss es abhaken und beim nächsten Mal so ein Ding reinmachen“, meint der 18-jährige Angreifer.

Dieses „Ding“ passierte in der 75. Minute des Spiels gegen die Hertha-Reserve, als Broschinski nach einem Querpass völlig freistehend aus fünf Metern das leere Tor nicht traf. Für den Youngster ein „Albtraum“, wie er nach dem Schlusspfiff einräumte.

Was man indes genau weiß: Moritz Broschinski bekam nach seinem Fehlschuss demonstrative Unterstützung, obwohl oder gerade weil der Fußball-Drittligist am Mittwochnachmittag den eigentlich hochverdienten Testspielsieg in Berlin nicht zuletzt wegen dieser 75. Minute verpasste. „So etwas passiert eben. Moritz ist ein total positiver Typ. Er wird sich davon nicht runterziehen lassen“, erklärt Co-Trainer Frank Eulberg, der den am Knie verletzten Chefcoach Claus-Dieter Wollitz vertrat.

 Einer der berühmtesten Fehlschüsse der Bundesliga: Frank Mill (l.) ist an Bayern-Keeper Jean-Marie Pfaff vorbei, trifft aber nur den Pfosten.
Einer der berühmtesten Fehlschüsse der Bundesliga: Frank Mill (l.) ist an Bayern-Keeper Jean-Marie Pfaff vorbei, trifft aber nur den Pfosten. FOTO: Imago Sportdienstfoto GmBH / imago sportfotodienst

Und Eulberg hat noch einen Trost für den Youngster parat: „Das ist schon ganz anderen Spielern passiert, zum Beispiel Frank Mill.“ Stimmt. Auf das Konto von Mill geht sogar einer der berühmtesten Fehlschüsse der Bundesliga-Geschichte. In seinem ersten Spiel für Borussia Borussia lief er am 9. August 1986 auf das leere Tor von Bayern München zu – und traf nur den Pfosten.

Es wird Moritz Broschinski nicht wirklich trösten, dass seine Aufgabe vor dem Tor der Hertha-Reserve vielleicht sogar – zumindest ein wenig – schwerer war als damals für Mill gegen die Bayern.

Dabei hat der Youngster schon bewiesen, dass er ganz genau weiß, wo das Tor steht. Im letzten Spiel vor Weihnachten gelang dem gebürtigen Finsterwalder in der A-Junioren-Regionalliga beim 6:0-Sieg gegen Erzgebirge Aue sogar ein Viererpack. Mit 15 Treffern führt er die Torschützenliste in der Regionalliga Nordost an.

Die A-Junioren sieht Moritz Broschinski als Sprungbrett zu den Profis. In dieser Saison wurde der einsatzstarke Stürmer bislang drei Mal in der 3. Liga eingewechselt. Sein Ziel: „Ich möchte natürlich in den Kader und ich möchte so viel wie möglich spielen. Dafür werde ich alles tun. Ich hau mich immer rein und gebe alles.“

Bereits im Sommer erfüllte sich Broschinski nach eigenem Bekunden einen Traum. Damals lief er mit dem FC Energie beim 2:0 gegen Dukla Prag in seiner Heimatstadt Finsterwalde auf. Familie und viele Freunde schauten zu. Dass er nun erst einmal den Albtraum von Berlin verdauen muss, gehört zu den eher unerfreulicheren Seiten des Fußballerlebens.

Moritz Broschinski weiß, dass er über seinen Fauxpas am besten mit Toren in den nächsten Wochen hinwegkommt. Und da am Mittwoch weder Zuschauer noch TV-Kameras vor Ort waren, wird er wohl auch nicht ganz so oft darauf angesprochen wie Frank Mill in der Bundesliga. Der frühere Dortmunder hat das leidige Fehlschuss-Thema übrigens inzwischen für tabu erklärt, denn: „Irgendwann geht es einem auf den Pinsel.“