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| 09:11 Uhr

Cottbus muss sich für Bayern München stabilisieren
Energie Cottbus mit Sieg und Selbstkritik

Energie Cottbus gegen Rot-Weiß Erfurt FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Energie Cottbus gewinnt gegen Rot-Weiß Erfurt, muss aber bis zum Pokalduell mit Bayern München an den Defensivschwächen arbeiten. Von Frank Noack und Jan Lehmann

„Zieht den Bayern die ­Lederhosen aus!“ Die Anhänger von Energie Cottbus feierten ihr Team nach dem vogelwilden 5:3 (2:2)-Heimsieg gegen Rot-Weiß Erfurt und stimmten sich bereits auf den DFB-Pokalkracher gegen den deutschen Fußball-Rekordmeister am kommenden Montag ein.

FCE-­Trainer Claus-Dieter Wollitz sieht beim Ausblick auf das ungleiche Duell mit Bayern München im ausverkauften Stadion der Freundschaft noch viel Arbeit in den nächsten Trainingstagen für seine junge Mannschaft. „Wir müssen in dieser Woche alles reinballern, damit wir erst einmal defensiv gut stehen und nicht ein Tor nach dem anderen kassieren“, betonte Wollitz nach dem begeisternden, aber vor allem in der Abwehr von vielen Fehlern geprägten Spiel gegen Erfurt. „Bei allem Spektakel – aber im Fußball braucht man auch Organisation. Ich freue mich für die Jungs, trotzdem war es ein glücklicher Sieg.“

Achterbahn der Gefühle für Zuschauer

Für Energie Cottbus war es zwar der zweite Sieg im zweiten Heimspiel der Regionalliga Nordost. Er ermöglichte dem FCE den Sprung auf Tabellenplatz fünf und den Anschluss zur Spitzengruppe. Aber es war für die 6648 Zuschauer auch eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Denn beide Teams schienen sich mit Fehlern in der Defensive förmlich überbieten zu wollen. Felix Brügmann (7. Minute) und Berkan Taz (19.) schossen die Gastgeber schnell in Führung.

Genauso schnell fiel dann allerdings auch der Ausgleich durch den Doppelschlag von Velimir Jovanovic (20./24.). Erneut Brügmann traf kurz nach der Pause zum 3:2 (47.). Alexander Schmitt erzielte den erneuten Ausgleich (3:3/50.). Erst der kurz zuvor eingewechselte Abdulkadir Beyazit schoss Cottbus dann mit dem 4:3 (67.) und 5:3 (69.) endgültig auf die Siegerstraße.

Energie-Spieler üben Selbstkritik

„Das war ein ganz schön wildes Spiel mit dem glücklichen Ausgang für uns. Es ging sehr offensiv zu, defensiv gab es einige Fehler, die schnell bestraft wurden. Für die Zuschauer war das sicherlich geil, aber wir müssen schnell stabiler werden – sonst geht jedes Spiel so aus“, analysierte Felix Geisler selbstkritisch. Und Neuzugang Ibrahim Hajtic meinte nach seinem ordentlichen Debüt in der Innenverteidigung: „Ich freue mich über den Sieg, es ist mir egal, wie hoch wir gewinnen. Hauptsache, drei Punkte bleiben in Cottbus. Die Gegentore waren ein bisschen bitter, das waren drei individuelle Fehler.“

Genau genommen waren diese Fehler sogar extrem bitter, weil sie den Gegner immer wieder ins Spiel zurückbrachten. Zum Beispiel durch das zweite Gegentor, als Paul Gehrmann bei seinem ­­
Rückpass zu Torhüter Lennart Moser den Erfurter Velimir Jovanovic schlichtweg übersah. Beim 3:3 legte Moser dann bei seiner Rettungstat dem Torschützen den Ball förmlich vor die Füße.

Spiel mit vielen Fehlern bei beiden Mannschaften

Doch auch Rot-Weiß patzte sich durch diese zumindest sehr unterhaltsame Partie. „Es war ein Spiel auf hohem Niveau, aber leider auch mit vielen Fehlern. Die Mannschaft, die den Gegner öfter eingeladen hat, hat dieses Spiel verloren“, befand Trainer Thomas Brdaric.

Bei Energie Cottbus beginnt an diesem Montag mit der Videoanalyse des Erfurt-Spektakels die Vorbereitung auf den Bayern-­Kracher. Es gibt dabei eine Menge aufzuarbeiten. Im Mittelpunkt ­dürfte stehen: Wie kann der FCE ­seine Zentrale stabilisieren? Und wie bekommt man auch auf den ­Außenbahnen einen besseren Zugriff auf die Gegenspieler? Immerhin besteht zumindest die vage Hoffnung, dass mit Robert Müller gegen den FC Bayern endlich auch der etatmäßige Abwehrchef wieder zur Verfügung steht. Der Routinier ist nach seiner langwierigen Rückenverletzung inzwischen ins Mannschaftstraining eingestiegen.

Energie hofft auf Müller

Seine ordnende Hand und die ­Erfahrung aus über 300 Dritt­liga-Spielen kann das junge Team gerade jetzt in der aktuellen Situation gut gebrauchen. Denn eine ähn­liche Unordnung wie gegen Erfurt dürfte Bayern München am Montag gnadenlos bestrafen. „Das erste Ziel muss es sein, dass wir nicht schon zur Halbzeit hoffnungslos zurück­liegen“, beschreibt Trainer Wollitz das Ziel gegen das Starensemble von der Isar. Denn in sportlicher Hinsicht sind die Lederhosen für den FCE natürlich ganz, ganz weit weg.