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| 15:16 Uhr

Fußball
Missglücktes Mamba-Machtwort

FOTO: contrastphoto / O.Behrendt
Cottbus. Es sollte ein Schlussstrich sein und die Spekulationen um Angreifer Streli Mamba beenden – doch der FC Energie Cottbus hat am Donnerstag den Wirbel um den umworbenen Stürmer noch weiter entfacht. Die RUNDSCHAU erklärt, was hinter dem missglückten Mamba-Machtwort steckt.

Die Vereinsmitteilung: Am Donnerstagvormittag veröffentlichte der FCE auf der Vereinshomepage einen Präsidiumsbeschluss mit der Überschrift: „Streli Mamba ist unverkäuflich.“ Darin teilte der mit: „Ein wirtschaftlich ,unwiderstehliches’ Angebot, welches solide in Schriftform vorgelegen hätte, gab es zu keinem Zeitpunkt.“ Als Begründung wurde genannt: „Auch wenn zusätzliche finanzielle Einnahmen für den FC Energie stets bedeutsam sind, steht die Sicherung des sportlichen Erfolgs an erster Stelle.“ Der soll nun auch mit den Toren von Streli Mamba erreicht werden.

Die Trainer-Aussagen: Claus-Dieter Wollitz stellte kurz darauf in einer bemerkenswerten Pressekonferenz diese „Unverkäuflichkeit“ ganz klar infrage. Er betonte: „Grundsätzlich glaube ich nicht, dass in der 3. Liga ein Spieler unverkäuflich ist.“ Stattdessen sei der FC Bayern der einzige Verein in Deutschland, der so etwas sagen könne. Wollitz widersprach damit dem Präsidium: „Wenn einer morgen für Mamba eine Million auf den Tisch legt, wird er verkauft.“ Zudem sendete der Coach einen deutlichen Hilferuf: „Der Verein braucht Geld. Wir können in kein Trainingslager, können keinen Spieler verpflichten – und dann sagt man, der ist unverkäuflich. Das passt ja nicht zusammen.“

Der Hintergrund: Wollitz war offenkundig von der Vereinsmitteilung überrascht worden. Grundsätzlich zeigte er sich nicht unzufrieden mit dieser Entscheidung, da er auf Mamba in der weiteren Saison als wichtigen Angreifer setzt. Mit Mamba und dem derzeit verletzten Kevin Scheidhauer, der wegen seiner Sprunggelenksentzündung gegen den SV Meppen (Samstag, 14 Uhr) ausfallen wird, hat Wollitz derzeit ohnehin nur zwei Drittliga-Stürmer. Doch der FCE-Coach wollte in seiner sehr offenen Rede bei der PK wohl deutlich machen, in welchem Dilemma der FCE steckt. Er verdeutlichte, dass der Verein jetzt eigentlich schon die kommende Saison vorbereiten müsse – weil bei 20 Spielern im Kader der Vertrag ausläuft. Wollitz betonte: „Die Topspieler sind dann alle ablösefrei.“ Diese erfolgreiche Mannschaft, mit der Wollitz in Cottbus eine neue Ära prägen will, kann Energie aber wohl nur mit einem finanziellen Kraftakt zusammenhalten. Doch dafür fehlt offenbar das Geld. Wollitz betonte: „Wir müssen Gelder generieren. Profi-Fußball ist sonst auf Dauer nicht mehr möglich.“ Er gab auch zu, dass er sehr gern weitere Spieler verpflichtet hätte, um die Qualität zu erhöhen und die Entwicklung voranzutreiben: „Alles andere wären Märchen“, so Wollitz.

Wie geht es weiter? Wollitz versuchte, trotz der sehr offenen und auch extrem kritischen Worte den Optimismus zu behalten: „Das hat nichts mit Resignation zu tun. Aber ich will die Wahrheit sagen.“ Er begründete: „Ich kann nicht erst im Winter oder im April mit diesem Appell kommen. Dann ist es zu spät. Wir brauchen Qualität, um den Verein weiter zu entwickeln.“ Seine Vision ist es, den FCE so zu stabilisieren, dass 2022 der Sprung in der 2. Bundesliga denkbar wäre. Das Mamba-Machtwort des Vereins zu Streli Mamba deutete er indes so: „Mamba ist unverkäuflich für 300 000 Euro und er ist unverkäuflich für 400 000 Euro.“ Weil dies dem Marktwert und dem Entwicklungspotenzial des Spielers nicht gerecht werde. Eine Aussage, die so wohl auch das Präsidium mit der Mitteilung treffen wollte. Was aber, wenn ein Verein doch noch mit einem entsprechenden Angebot kommt? Wollitz kann zumindest für diesen Fall beruhigen: „Wir wären sofort in der Lage, Ersatz zu präsentieren. Das ist nicht das Problem.“