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| 09:00 Uhr

Nach der FCE-Niederlage in Leipzig (mit VIDEO)
Energie-Gemütslage zwischen Wut und Stolz

 Schiedsrichter Marko Wartmann im Fokus – nicht nur FCE-Trainer Claus-Dieter Wollitz war mit dessen Entscheidungen nicht einverstanden.
Schiedsrichter Marko Wartmann im Fokus – nicht nur FCE-Trainer Claus-Dieter Wollitz war mit dessen Entscheidungen nicht einverstanden. FOTO: LR / Christiane Weiland
Leipzig. Energie Cottbus spielt bei Lok Leipzig erfrischend auf – wird aber von der Aggressivität des Gegners und von teils skandalösen Entscheidungen des Referees ausgebremst. Kann der FCE diesen Rückschlag schnell verkraften? Von Jan Lehmann

Das Leipziger Allerlei in der Stimmungslage bei Energie Cottbus konnte man am Samstag an den drei verschiedenen Gesichtern von Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz nach der 2:3 (1:0)-Niederlage bei Lok Leipzig detailgetreu ablesen.

Direkt nach der hitzigen Partie, in der Energie trotz der 2:0-Führung in Unterzahl durch Felix Brügmann (44.) und Marcel Hoppe (47.) wegen der Gegentore durch Romarju Hajrulla (51.) und Djamal Ziane (62./69.) ohne Punkte blieb, mochte man Wollitz nicht zu nahe kommen. Mit funkelnden Augen ließ der Coach einen bitterbösen Flucher los. Die Wut über die teils skandalösen Entscheidungen von Schiedsrichter Marko Wartmann musste raus.

 Felix Brügmann erzielte im vierten Spiel bereits sein viertes Tor.
Felix Brügmann erzielte im vierten Spiel bereits sein viertes Tor. FOTO: LR / Christiane Weiland

Wenig später saß Wollitz mit zusammengekniffenen Augen bei der Pressekonferenz, die in Leipzig vor etwa 100 bierseligen Fans ein ge­wisses Stammtisch-Ambiente hat. Der Energie-Trainer wog jedes Wort ab, weil er wusste, wie heftig die Lok-Anhänger reagieren können. Vor zwei Jahren war hier sogar ein Bierbecher geflogen.

Wollitz sprach nur kurz an, dass er zwar die rote Karte für Ben Meyer (42.) akzeptieren könne, der Schiri aber in seinen Augen dennoch Einfluss auf den Spielverlauf genommen habe. Angesichts des unappetitlichen Tritts des Leipzigers David Urban gegen Berkan Taz direkt vor Meyers Rot-Schubser, des vorherigen Faustschlags des Lok-Spielers Paul Schinke auf den Hinterkopf von FCE-Profi Colin Raak (38.) und des klaren Foulspiels an Dimitar Rangelov unmittelbar vor dem Leipziger Anschlusstreffer (51.), das sogar vom Linienrichter angezeigt, vom Schiri aber ignoriert wurde, war das eine sehr zurückhaltende Argumentation – die dennoch für spöttische Reaktionen des Publikums sorgten. Um die PK nicht eskalieren zu lassen, musste Wollitz spürbar jegliche Selbstbeherrschung aufbringen, die ihm nach diesem hektischen Spiel noch geblieben war.

 Strittiges Elbe-Elster-Duell: Lok-Kapitän Robert Zickert aus Falkenberg packt gegen Moritz Broschinski aus Finsterwalde im Strafraum kräftig zu.
Strittiges Elbe-Elster-Duell: Lok-Kapitän Robert Zickert aus Falkenberg packt gegen Moritz Broschinski aus Finsterwalde im Strafraum kräftig zu. FOTO: LR / Christiane Weiland

Später am Mannschaftsbus konnte der Coach allerdings schon wieder lächeln – und die Augen leuchteten. Im kleinen Kreis konkretisierte er noch einmal das Lob („Ich bin trotzdem stolz auf meine Jungs“), dass er bereits nach dem Abpfiff gespendet hatte. Wollitz sagte: „Diese junge Mannschaft ist genau mein Ding. Fünf Tage nach dem Bayern-Spiel so aufzutreten, das ist nicht selbstverständlich. Das macht mir Spaß, das hat Perspektive.“

Sein Team hatte erneut unter Beweis gestellt, dass es mit großer Leidenschaft und bemerkenswerter Spielfreude jedem Gegner Probleme bereiten kann. Lok – mit großem Kader und noch größerer Wucht – war darauf aus, die jungen Cottbuser früh mit Zweikampfhärte und Vorwärtsdrang einzuschüchtern. „Gewisse Männlichkeit“ hatte Lok-Kapitän Robert Zickert angekündigt – der Falkenberger und seine Teamkollegen packten ordentlich zu. Bei Energie hielten Spieler wie der neue ins Team gerückte Moritz Broschinski, Tobias Hasse auf der rechten Abwehrseite oder der erneut in der Innenverteidigung eingesetzte Paul Gehrmann allerdings gut dagegen. Leipzig hatte zwar mehr Spielanteile, Energie aber die erste Großchance. Berkan Taz hätte sich nach Broschinskis Vorarbeit die Ecke im leeren Tor aussuchen können, doch der Ex-Cottbuser Patrick Wolf holte den Ball mit einem Flugkopfball noch von der Linie (32.).

 Der Weißwasseraner Robert Berger  und sein Team agierten sehr wuchtig.
Der Weißwasseraner Robert Berger und sein Team agierten sehr wuchtig. FOTO: LR / Christiane Weiland

Und gerade als der vom Platz gestellte Ben Meyer sich noch vom Leipziger Ordnungsdienst beleidigen lassen musste, schlugen die Cottbuser in Unterzahl eiskalt zu – Felix Brügmann erzielte seinen vierten Saisontreffer. Als Energie direkt nach der Pause durch eine starke Broschinski-Vorarbeit und einen der ersten Ballkontakte des eingewechselten Marcel Hoppe zum 2:0 kam, schien der FCE dem ersten Auswärtssieg nahe.

Doch die fatale Vermischung der Umstände – der kraftraubende Bayern-Montag, das Unterzahl-Spiel, der Alles-oder-Nichts-Gegner und eben auch der viertklassige Referee Wartmann – bescherten den Cottbusern stattdessen die zweite Saisonniederlage. Lok-Verteidiger Patrick Wolf gab zu: „Wahrscheinlich war der Sieg etwas glücklich, weil wir auch in Überzahl waren. Beim 1:2 für uns kann man Foul pfeifen. Wir müssen ehrlich sein, dass das Spielglück auf unserer Seite war.“ Für die Cottbuser und Trainer Wollitz war das indes kein Trost.