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| 18:25 Uhr

Fußball
FCE: Konkurrenzkampf statt Polonaise

Cottbus. Bei Energie Cottbus sind vorm Spiel gegen Unterhaching alle Profis fit. Das sorgt für Härtefälle. Die U23-Regel in der 3. Liga macht es zusätzlich kompliziert. Von Jan Lehmann

Sie ist zu verlockend, diese Spielerei mit der Tabellenspitze. Ja, auch die RUNDSCHAU konnte  nicht widerstehen und hat den FC Energie Cottbus als Spitzenreiter der 3. Fußball-Liga betitelt. Dabei ist der Wert dieser Tabellenkonstellation nach zwei von 38 Spieltagen natürlich ziemlich überschaubar. Man stelle sich nur vor, bei der Leichtathletik-EM in Berlin würde beim Marathonrennen schon jener Läufer gefeiert, der zuerst an der Zwei-Kilometer-Marke vorbei läuft.

Auf die Marathonstrecke umgerechnet ist Energie vor dem Mittwochabend-Spiel gegen die Spielvereinigung Unterhaching (19 Uhr/LR-Liveticker) etwa bei Kilometer 2,2 angelangt. Also noch keine Zeit für Feierlichkeiten. Trainer Claus-Dieter Wollitz verdeutlicht, dass man die Tabelle beim FCE realistisch einordnet: „Sie können sich sicher sein, dass wir keine Polonaise in der Kabine gemacht haben. Und wir sind auch nicht zum Rathaus gezogen, um uns ins Goldene Buch der Stadt einzutragen“, so der 53-Jährige nach den Auftaktsiegen gegen ­Rostock und Wehen Wiesbaden.

Stattdessen wurde vor dem Haching-Spiel ziemlich knackig trainiert. Wollitz fordert von seiner Mannschaft „die Besessenheit, dieses Heimspiel zu gewinnen“. Der Trainer, der wohl vergeblich auf eine fünfstellige Zuschauerzahl hofft (siehe „Wort zum Spieltag“), kann wieder die Bestbesetzung aufbieten. Angesichts von 24 fitten Feldspielern – die zuletzt angeschlagenen Abdulkadir Beyazit und Moritz Broschinski waren im Training wieder mit dabei – ist der Konkurrenzkampf extrem groß. Und die U23-Regel in der 3. Liga macht es noch komplizierter. Demnach müssen mindestens vier Spieler im Kader stehen, die für eine DFB-Auswahl spielberechtigt sind und am 1. Juli 2018 das 23. Lebensjahr noch nicht vollendet hatten.

Bei Energie bedeutete dies zuletzt, dass Marcel Baude (28 Jahre), Fabian Graudenz (26) und Paul Gehrmann (23) nicht zum Kader gehörten, obwohl sie laut Wollitz dort absolut ihre Berechtigung hätten. Zudem drängen Spieler wie Kevin Scheidhauer oder Felix Geisler von der Bank in die erste Elf. Auch gegen Haching wird es wieder Härtefälle geben. Der Coach vollführt einen schwierigen Spagat und will alle Spieler bei Laune halten. Er sagt: „Ich hoffe, dass uns das gelingt.“

Spielereien mit der Tabellenführung sind da eher nebensächlich. Kapitän Marc Stein setzt ohnehin auf Realitätssinn: „Wir sind der Aufsteiger und müssen auf dem Boden bleiben.“ Doch kann ein bisschen Euphorie nicht auch Flügel verleihen? Wollitz schwebt eine Arbeitsteilung vor: Demut auf dem Rasen, Euphorie auf den Rängen. Er sagt: „Die Fans dürfen euphorisch sein. Wir brauchen ihre Unterstützung.“

Polonaisen mit seiner Mannschaft hingegen will er erst vollführen, wenn das Saisonziel erreicht ist: Und das ist nicht die Tabellenspitze, sondern der Klassenerhalt.

Gegnercheck: Bei Haching fehlen zwei wichtige Stürmer.

Liveticker: Die RUNDSCHAU berichtet live aus dem Stadion der Freundschaft.