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| 19:14 Uhr

Energie Cottbus
Spahic rät: „Trainer, ich würde nicht wechseln“ (mit VIDEO)

 Avdo Spahic nimmt den Verlust des Stammplatzes sportlich.
Avdo Spahic nimmt den Verlust des Stammplatzes sportlich. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Der Kampf um den Platz im Tor von Energie Cottbus ist entschieden – vorerst. Kevin Rauhut wird auch gegen Münster spielen. Stammkeeper Avdo Spahic beweist mit einer bemerkenswerten Geste seinen Teamgeist. Von Jan Lehmann

Cottbus Kennen Sie noch Daniel Lück? Der stand einst im Tor von Energie Cottbus und gehörte zu jener Mannschaft, die 2016 den Lausitzer Profi-Fußball in die Viertklassigkeit abstürzen ließ. In einem „YouTube“-Video mit dem Titel ­„Realtalk – Ex-Profifußballer packt aus“ lästert der 27-Jährige über die Zeit beim FCE. Lück, der seine Karriere nach einem glücklosen Engagement bei Sturm Graz beendet und das Hörbuch: „Umgang mit Druck“ veröffentlich hat, sagt: „Dieses Jahr war die reinste Katastrophe.“

Lück redet sich in Rage und berichtet, dass er sich nie willkommen gefühlt habe. Er wäre auch nie von der Paderborner Erstliga-Ersatzbank in die drittklassige Lausitz gewechselt, wenn er keine Stammplatzgarantie von Trainer Stefan Krämer bekommen hätte, so Lück.

Dafür, dass er zwischenzeitlich seinen Stammplatz an René Renno verloren hatte und vom Krämer-Nachfolger Vasile Miriuta zeitweise gar nicht mehr berücksichtigt wurde, gibt er in einem achtminütigen Wutvortrag nahezu allen die Schuld, außer sich selbst. Lück hatte damals auch jegliche Interview-Anfragen abgelehnt, nachdem die RUNDSCHAU vor der Saison gefragt hatte: „Wer steht im Tor: Lück oder Routinier Renno?“ Lück sagt im Rückblick: „Ich habe dann mit keiner Zeitung gesprochen, weil diese ganzen kleinen Zeitungen da im Osten einen absoluten Quatsch geschrieben haben.“

 FCE-Keeper Avdo Spahic (l.) lobt seinen Konkurrenten Kevin Rauhut, obwohl der ihn verdrängt hat. 
FCE-Keeper Avdo Spahic (l.) lobt seinen Konkurrenten Kevin Rauhut, obwohl der ihn verdrängt hat.  FOTO: Eibner-Pressefoto / Schust /Eibner-Pressefoto

Gewiss, mit Zukunftsprognosen sollte man vorsichtig sein, doch von FCE-Keeper Avdo Spahic sind derartige Video-Tiraden nicht zu erwarten. Obwohl der 22-jährige Bosnier vor dem Spiel gegen Preußen Münster (Samstag, 14 Uhr) seinen Stammplatz im Tor vorerst an Kevin Rauhut verloren hat, stellte sich Spahic am Donnerstag auch zum RUNDSCHAU-Interview. Dabei war in dieser Zeitung in den vergangenen Tagen die Frage gestellt worden: Spahic oder Rauhut?

Avdo Spahic nimmt es sportlich und sagt: „So ist das Fußballgeschäft. Kevin Rauhut hat super Leistungen gegen München und in Großaspach gezeigt. Ich stehe dahinter und bin da, wenn ich gebraucht werde.“ Er betont zudem: „Man muss die Mannschaft immer unterstützen.“ Im kleinen Kreis hatte Spahic nach Rauhuts gelungener Premiere gegen 1860 München das mit einer bemerkenswerten Geste getan. Coach Wollitz berichtete am Donnerstag: „Avdo hat zu mir gesagt: ,Trainer, wenn ich Ihnen einen Rat geben dürfte, dann würde ich nicht wechseln.‘“

Für Wollitz ist dies ein wichtiges Zeichen im Abstiegskampf und ein Beleg für den Teamgeist. Er betont: „Avdo Spahic hat hier fantastische Spiele gemacht, er verhält sich perfekt. Und ich glaube nicht, dass das nur Gelaber ist.“

Stattdessen hätten Spahic und sein Torhüter-Konkurrent ein sehr gutes Verhältnis. Wollitz blickt zurück: „Kevin Rauhut hat Avdo jegliche Unterstützung zukommen lassen.“ Jetzt gibt es die nun aus der anderen Richtung. Spahic bestätigte: „Wir reden viel in der Kabine, auch privat über alles.“ Dass er seinen Stammplatz nach 23 Drittliga- und 46 Regionalliga-Einsätzen nun vorerst verloren hat, kommentiert Spahic mit der ihm eigenen Zurückhaltung. Er sagt: „Rückschläge wird es im Leben immer geben. Man muss trotzdem immer weiter machen und darf nie aufgeben.“

Das gelte auch für den FCE im Abstiegskampf. Nach den vielen vergebenen Chancen gegen Großaspach spricht Spahic seinen Kollegen Mut zu und sagt: „Wir werden gegen Münster wieder unsere Chancen bekommen und dieses Mal gehen sie hoffentlich rein.“

Positives Denken, das ist offenbar Spahic’ Rezept für den Umgang mit Druck – sein „Realtalk“ klingt zumindest deutlich optimistischer als der seines Vorgängers.