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| 18:46 Uhr

Fußball
FCE-Dämpfer nach der Zirkusnummer

Energie Cottbus gegen den Karlsruher SC FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Das frühe Gegentor setzt Energie Cottbus gegen Karlsruhe unter Druck. Danach spielt Cottbus stark – bleibt aber zu ungefährlich. Doch trotz der Niederlage ist man beim FCE weiter zuversichtlich. Von Jan Lehmann und Frank Noack

Der Beifall im Stadion der Freundschaft war nach dem Abpfiff bemerkenswert groß – und dennoch für die Profis von Energie Cottbus wohl nur ein kleiner Trost: Nach der 0:2-Heimniederlage am Sonntag gegen den Karlsruher SC steckt der FCE im Tabellenkeller der 3. Liga fest. Nach den beiden Siegen gegen Münster und den Halleschen FC kassierte Cottbus vor 8703 Zuschauern wieder einen Dämpfer im Abstiegskampf. Vor dem Nachholspiel gegen die Spielvereinigung Unterhaching haben die Lausitzer zwei Punkte Rückstand auf die Nichtabstiegsränge.

FCE-Verteidiger Robert Müller fasste die Partie treffend zusammen: „Wir hätten gern unsere englische Woche gekrönt und haben auch eine gute Leistung abgerufen. Leider hat insgesamt etwas die Effektivität gefehlt, die Karlsruhe heute hatte.“ Tatsächlich machte KSC-Torjäger Marvin Pourié mit seinen beiden Toren (5./76.) den Unterschied aus. Ansonsten war kaum zu erkennen, dass die Karlsruher mit großen Schritten in Richtung Aufstieg zur 2. Bundesliga stürmen – und Energie vor dem erneuten Absturz in den Amateurfußball zittert.

Dabei mussten die Lausitzer am Sonntag den frühen Gegentreffer nach einem Konter durch Pourié (5. Minute) verkraften. Karlsruhes Routinier Anton Fink hatte dabei den eigentlich schon verlorenen Flugball mit einer überragenden Einzelleistung weitergeleitet. Torschütze Pourié gratulierte: „Das war sehr artistisch, richtig zirkusreif.“ Doch nach der Zirkusnummer beschränkte sich der KSC auf das simple Verteidigen und überließ dem FC Energie die Manege.

Dort wirbelten die Cottbuser viel Staub auf. Angetrieben vom omnipräsenten Zirkusdirektor Jürgen Gjasula vollführte Energie zeitweise ein wirklich ansehnliches Kurzpassspiel, das man in dieser Form schon lange nicht mehr im Stadion der Freundschaft gesehen hat.

Das Publikum honorierte die Aktionen mit einer bemerkenswerten Stimmung zur besten Mittagsschlafzeit. Energie präsentierte sich im dritten Spiel innerhalb von neun Tagen hellwach – wenn auch im Angriff schlichtweg zu ungefährlich. FCE-Trainer Claus-Dieter Wollitz befand: „Wir hatten trotz des frühen Gegentores viele gute Situation. Aber die absolute Überzeugung beim letzten Pass hat gefehlt.“

Das galt auch für die Vorführung nach der Pause. Energie betrieb weiter extrem viel Aufwand und wurde von den Anhängern lautstark angetrieben. Gästecoach Alois Schwartz hatte allerdings nicht unrecht, wenn er konstatierte: „Cottbus hatte zwar viel mehr Ballbesitz. Aber sie hatten keine riesig zwingenden Torchancen – eigentlich nur einmal, als unser Torhüter im Eins-gegen-Eins halten musste.“

FCE-Kapitän Dimitar Rangelov hatte diese Möglichkeit (65.) nach überlegter Vorarbeit von Fabio Viteritti vergeben, es war die Hochphase des Cottbuser Dauerdrucks auf das KSC-Tor. Energie muss sich dabei vorwerfen lassen, aus der enormen Dominanz zu wenig Torgefahr erzeugt zu haben. Das in Halle so überzeugende Sturmduo Dimitar Rangelov und Streli Mamba wurde von den beiden überragenden KSC-Innenverteidigern David Pissot und Daniel Gordon weitgehend abgemeldet.

So konnte sich Karlsruhe befreien, wenngleich mit Hilfe des Schiedsrichtergespanns. Im Vorfeld des Kontertores von Pourié zur 0:2-Vorentscheidung (76.) blieb eine Abseitsstellung ungeahndet, das brachte Energie-Trainer Wollitz auf die Palme. Dennoch richtete er nach Spielschluss den Blick schnell nach vorn: „So ärgerlich die Niederlage ist, wir müssen das Spiel abhaken. Der Kampf geht weiter. Die Einstellung stimmt.“ Kapitän Rangelov strahlte ebenfalls weiter Zuversicht aus: „Wir sind auf einem guten Weg, auch wenn es wieder etwas schwieriger wird“, so der Bulgare.

Der Beifall der Fans gibt dabei Rückhalt für das Spiel am Mittwoch in Unterhaching. Mit einer ähnlich engagierten Leistung könnte der FCE dort wieder etwas Boden im Abstiegskampf gut machen. Das wäre wichtig, denn danach stehen Energie mit den Partien gegen Zwickau, Köln und Jena echte Abstiegsendspiele gegen direkte Konkurrenten bevor. Dabei gilt wohl im Fußball das gleiche wie im Zirkus: Erst wenn der letzte Vorhang fällt, ist die Vorstellung wirklich beendet.

 Für Kevin Weidlich und sein Cottbuser Team war es die erste Niederlage nach drei erfolgreichen Partien in Folge.
Für Kevin Weidlich und sein Cottbuser Team war es die erste Niederlage nach drei erfolgreichen Partien in Folge. FOTO: Steffen Beyer
Energie Cottbus gegen den Karlsruher SC FOTO: Steffen Beyer