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Fußball
Energie kämpft gegen das Bayern-Problem

FOTO: Torsten Zettl
Cottbus. Energie Cottbus hat in Regionalliga fast so viel Vorsprung wie der FC Bayern München in der Bundesliga. Doch der große Abstand in der Tabelle ist nicht gut für die Konzentration. FCE-Trainer Wollitz will deshalb jetzt den Druck auf sein Team erhöhen.

Der Wochenanfang war bei Energie Cottbus wie geplant trainingsfrei. Dies ist normalerweise keine besondere Notiz wert – wenn da nicht die sehr kritischen Worte von Trainer Claus-Dieter ­Wollitz nach dem 0:0 am Sonntag bei ­Budissa Bautzen gewesen wären. Als „zu behäbig, zu langsam, zu uninspiriert“ bezeichnete ­Wollitz das Auftreten seiner Mannschaft im Stadion Müllerwiese. Bei einigen Spielern habe man den Eindruck gehabt, dass sie dieses Spiel als lästige Pflichtaufgabe ­empfinden, ­kritisierte der Coach.

Das sind harte Worte für einen souveränen Tabellenführer. Schon während des Spiels war der Vulkan Wollitz an der Seiten­linie mehrmals explodiert und hatte lautstark versucht, auf das Spiel seiner Mannschaft Einfluss zu nehmen. Nach dem Schlusspfiff wäre er dann nach eigenem Bekunden am liebsten ­sofort zurückgefahren, um in Cottbus zu trainieren und die ­Fehler aufzuarbeiten. Nun ist Wollitz kein Verfechter von Straftrainings. Deshalb beließ er es auch beim übungsfreien Montag. Und dennoch legte sein Gemütszustand nach der Partie in Bautzen den Schluss nahe, dass sich seine Spieler wohl auf eine intensive Trainings­woche bis zum nächsten Spiel am Samstag gegen den VfB Auerbach (13.30 Uhr, Stadion der Freundschaft) einstellen müssen.

Klar, Wollitz ärgerte natürlich auch der verpasste Sieg gegen den abstiegsgefährdeten Außen­seiter aus Bautzen. Immerhin musste Energie erst das dritte Remis in der laufenden Saison hinnehmen. Alle anderen Spiele wurden gewonnen. Vor allem aber ärgerte sich Wollitz über die Art und Weise, wie seine Mannschaft über weite Strecken auftrat. Sie schlug ein Tempo an, das für Cottbuser Verhältnisse eigentlich kein Tempo war. Budissa konnte jedenfalls mithalten – und das ist bislang nicht vielen Teams über die gesamten 90 Minuten gelungen. „Wenn man Spiele ge­winnen will, muss man mehr tun“, kritisierte der FCE-Trainer.

Man kann es durchaus mit dem Luxusproblem von Bayern München vergleichen, mit dem auch Energie Cottbus jetzt augenscheinlich zu kämpfen hat: der große Vorsprung in der Tabelle. Der deutsche Rekordmeister aus München hat in der Bundesliga derzeit 18 Punkte Vorsprung auf Bayer Leverkusen. Energie liegt in der Regionalliga Nord­ost 17 Punkte vor dem BFC Dynamo. Die große Kunst ist es, trotzdem Woche für Woche die Konzen­tration hochzuhalten.

Dem FC Bayern ist das in den meisten Jahren seiner erdrückenden Dominanz meistens ganz passabel gelungen. Energie tut sich damit bislang recht schwer. Beim 2:0-Sieg im ersten Pflichtspiel des Jahres bei Chemie Leipzig gönnte sich der Spitzenreiter eine behäbige erste Halbzeit, riss die Partie nach der Pause mit einer starken Leistung in Unterzahl aber noch problemlos rum. Am Sonntag in Bautzen gelang dies nicht, weil der Außenseiter immer wieder beherzt dazwischen grätschte. Auch in der Vorbereitung schien das Team zunächst mit angezogener Handbremse zu spielen und konnte bei den Niederlagen in den ersten drei Partien bestenfalls nur über­zeugen, ehe der 2:0-Sieg bei der Generalprobe gegen Dukla Prag den Knoten zu lösen schien.

Außerdem hatte Wollitz darauf gehofft, dass der erhöhte Konkurrenzkampf nach den vier Neuverpflichtungen in der Winterpause auch für eine erhöhte Konzentration bei seinen Spielern sorgt. Die mit viel Feuer geführte Trainingswoche vor dem Bautzen-Spiel hatte den Coach in dieser Hoffnung noch einmal bestärkt. Umso größer war seine Enttäuschung über die 90 Minuten ohne Tor am Sonntag in Bautzen.

Dabei ist die Tabellen-Situation doch eigentlich wie gemacht für unbeschwerte Spiele jenseits des ganz großen Erfolgsdrucks. Denn kaum jemand zweifelt noch daran, dass Energie diesen riesen­großen Vorsprung aus der Hinrunde ins Ziel bringen und als Meister in die Relegationsspiele marschieren wird. Aber offenbar müssen sich die Spieler erst an diese scheinbar druckfreie Situation gewöhnen. Wollitz will dem Team dabei helfen – auf seine Art. „Wenn jemand Druck braucht, um gut Fußball spielen zu können, dann kann er den Druck gern von mir be­kommen. Das ist überhaupt kein Pro­blem“, kündigte der FCE-Trainer an.

Ihn treibt die Sorge um, dass die aktuelle Situation Stillstand für die Entwicklung des Teams bedeuten könnte. Denn Wollitz weiß ganz ­genau, dass seine Spieler schon noch einige Entwicklungsschritte machen müssen, um im Mai in der Relegation bestehen zu können.

Lasse Schlüter (r.) und der FCE fanden in Bautzen nicht zum gewohnten Tempo.
Lasse Schlüter (r.) und der FCE fanden in Bautzen nicht zum gewohnten Tempo. FOTO: Torsten Zettl
FOTO: Torsten Zettl