ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:21 Uhr

FCE kämpft in allen Bereichen um Stabilität
Energie Cottbus ist nur Mittelmaß – vorerst?

 Energie Cottbus (hier Felix Brügmann) verpasst das Führungstor und wird ausgekontert.
Energie Cottbus (hier Felix Brügmann) verpasst das Führungstor und wird ausgekontert. FOTO: Sven Bock/FuPa Brandenburg
Cottbus. Die 2:5-Niederlage von Energie Cottbus bei Hertha BSC II zeigt schonungslos die Defizite auf. Auch die Probleme außerhalb des Rasens sind bedrohlich. Hoffnung? Gibt es! Denn jetzt beginnt der August. Von Frank Noack

Vielleicht wäre ja alles ganz anders gekommen, wenn der Ball in der 54. Minute im Berliner Tor gelandet wäre. Gleich zwei Mal probierten es die Stürmer von Energie Cottbus, zwei Mal scheiterten sie. Im direkten Gegenzug fiel auf der ­anderen ­Seite das dritte Tor für Hertha II – es war gleichzeitig der K.o. für das junge FCE-Team.

Auch für Trainer Claus-Dieter Wollitz stellten diese vergebene Torchance auf der einen Seite und der Konter auf der anderen Seite innerhalb von nur 60 Sekunden die „Schlüsselszene“ dieses Spiels dar. Statt eventuell mit dem zweiten Sieg im zweiten Spiel der Fußball-Regionalliga-Nordost die Heimreise anzutreten, kassierte der FC Energie mit dem 2:5 (2:2) bei der Berliner ­Bundesliga-Reserve eine ziemlich deftige Niederlage und rutschte in das ­Mittelfeld der Tabelle ab.

Energies wacklige Defensive

Die rot-weiße Realität nach dem 2. Spieltag heißt also Mittelmaß. Vorerst? Das werden die nächsten Wochen zeigen. Insbesondere, ob es dem Verein gelingt, im August noch Spieler zu verpflichten, ­welche die junge Mannschaft mit ­einem Durchschnittsalter von 23 Jahren stabilisieren und speziell die wacklige Defensive qualitativ auf ein anderes Niveau heben ­können. Präsident Werner Fahle hatte im RUNDSCHAU-Interview in dieser Woche diese Marschroute erneut bekräftigt („Viele Spieler pokern, der Markt ist noch sehr voll“).

Mission Wiederaufstieg

Den Ist-Zustand gab es am Dienstag im Berliner Amateurstadion zu sehen. Er war bedenklich. Die Diskussionen, ob Energie Cottbus in der aktuellen Kaderzusammenstellung zu den Favoriten in der Regionalliga Nordost gehört, dürften sich genauso wie der vereinsinterne Disput über die „Mission Wiederaufstieg“ schnell erledigt haben, wenn das junge Team keine Verstärkung bekommt. „Die Mannschaft braucht Zeit, um sich zu entwickeln. Es ist die zweitjüngste Mannschaft nach Hertha BSC II. Das hat man in dem Spiel auch gesehen“, betont Trainer Claus-Dieter Wollitz.

Probleme in der FCE-Zentrale

Während die Offensive dank Zwei-Tore-Neuzugang Berkan Taz und Kapitän Dimitar Rangelov zumindest einigermaßen funktioniert, gibt es in allen anderen Mannschaftsteilen reichlich Defizite. Die größte Baustelle ist ausgerechnet das Zentrum, also die Schaltzentrale einer Mannschaft. In der 1. Halbzeit funktionierte die Zentrale nach gewissen Anlaufschwierigkeiten mit Paul Gehrmann und Jonas Zickert recht passabel. Durch die verletzungsbedingte Auswechslung von Gehrmann ging das fragile Ge­bilde dann aber zu Bruch – zum Beispiel in der besagten 54. Minute, als der Ber­liner Konter mitten in das rot-weiße Herz traf.

Zu den sportlichen Herausforderungen kommt die Unruhe im gesamten Verein. Zu wenig Spieler im Kader, dazu finanzielle Sorgen sowie die Forderung von Trainer ­Wollitz an den Verein, das ursprüngliche ­Saisonziel zurückzunehmen – ­Energie hat derzeit, realistisch betrachtet, viel größere Sorgen als diese 54. Minute. Es geht mittlerweile um das große Ganze, sprich das Überleben des Vereins.

Wollitz mit Angst um die Zukunft von Energie

All das zehrt an den Nerven der Beteiligten. Wollitz, der seine zweite Gelbe Karte kassierte, erneuerte noch einmal seine Sorge. „Ich glaube, dass der Verein Realismus braucht. Stand jetzt haben wir nicht jene Spieler bekommen, die man braucht, um den ganz großen Wurf zu machen. Die Mannschaft ist noch nicht reif und wird diese Saison noch lange nicht soweit kommen, um das Ziel Wiederaufstieg zu schaffen“, erklärt Wollitz. „Ich möchte in einigen Jahren auch gern mal ein Spiel in Cottbus als ehemaliger Trainer live sehen. Ich habe Angst, wenn der Druck permanent erhöht wird, dass es diesen Club ­irgendwann nicht mehr gibt.“

Die 54. Minute tat zwar auch bei dieser Analyse weh, fühlte sich vor diesem Hintergrund aber vergleichsweise unwichtig an. Zumal bereits am Sonntag mit dem Heimspiel gegen Rot-Weiß Erfurt die nächste Chance auf drei Punkte da ist. Dann wird auch Neuzugang Ibrahim Hajtic (Würz­burger Kickers) seinen Einstand geben. Der Innenverteidiger ersetzt Leon Schneider, der zum 1. FC Köln wechselt. Und mit Orhan Yildirim könnte es zeitnah noch einen weiteren Neuzugang geben. Der Offensivspieler vom Berliner AK trainiert nach wie vor beim FCE mit.

Viel wichtiger ist allerdings, dass Energie Cottbus nicht nur auf dem Rasen, sondern im gesamten Verein zu einer gewissen Stabilität zurückfindet, damit das derzeitige Mittelmaß nur eine Momentaufnahme ist.